Ein(s) Echo aus der Offenen Klasse
Als es endlich losging, waren alle mehr oder weniger vorbereitet. Zwei neutralisierte Tage hatten gerade so ausgereicht, um störrische Logger-Software zum Mitmachen zu überreden, die neuesten Winglets aufzustecken, die Mückenputzzugseilfanghaken zurechtzubiegen und die letzten, winzigen Schlitze abzukleben. Als Ritschie Heinrich, unser Wettermacher, im dritten seiner unterhaltsamen Meteobriefings aber immer noch über die Gründe des verzögerten Trogdurchganges dozierte, waren neue Ideen gefragt. Präventiv-Bekämpfung der aufkommenden Ungeduld, Erlösung verspannter Rücken und mentale Relaxation des in den Startlöchern scharrenden Kampfgeistes standen auf dem Trainingsplan, das Thermalbad in Saulgau wurde zum Hotspot.
Mit dem Monatswechsel kam dann auch der Wetterwechsel und am Himmelfahrtstag - wie passend! - hoben wir zum erstenmal ab. 10 Tage später würde man sagen: schon dieser erste Flug zeigte, mit welchen Variationen in Hektopascals, Metern über Alb, Stimmung im Cockpit und Rängen auf der Liste wir uns würden auseinandersetzen müssen. Er zeigte auch, wen die Götter ausgeguckt hatten, die Arena mit Lorbeer oder Trostpreis zu verlassen.
Den Start über die 20km lange Linie quer durch Sigmaringen kriegten wir all ganz gut hin und die Zeit bis zur ersten Wende in Neustadt am Titisee war im Wesentlichen dadurch bestimmt, wieviel Vertrauen man beim Tiefanflug auf die grosse Brücke in die Wind- und Gleitwegrechner investieren wollte. Ritschie`s Vorhersage, Wolkenbild und Steigwerte passten ganz gut zusammen und damit waren Umrundungshöhe und Vorwärtsdrang nur eine Frage des Selbstbewusstseins bzw. der Risikobereitschaft. Je näher wir aber der Nordostecke unseres flachen Mehrecks – Eichstätt – kamen, umso mehr begannen diese Entscheidungsparameter auseinanderzudriften.
Ich war mit der 3er Formation Bode, Sommer, Sturm abgeflogen, hatte sie – oder sie mich – nach 100km verloren und befürchtete schon, ganz nach hinten herausgefallen zu sein, als ich 15km vor den zweiten Pflichtkoordinaten einen ungeordneten Schwarm ziemlich tief und vorsichtig aus dem Altmühltal herauskrabbeln sah. Die Wolken hingen breit und faul am Himmel und liessen die höhenhungrigen Langohren bei ihrer Aufwindsuche immer häufiger ins Leere laufen. Nun waren es immerhin noch 160km bis nach Hause und noch 3 Stunden bis sunset. Endgültig verabschiedete sich der Optimismus des ersten Schenkels, als auch die wenigen, zusammengesackten Cumuli über der Alb ihre Kooperation einstellten. Auffallend ruhig war es im Funk geworden und als man schon fast an einen Streckentag denken konnte, hörte ich die ersten zaghaften Anfragen nach dem Wind am Platz. Irgendwo gab es also noch Hoffnung. Es gab sogar jemand, dem die tolle Aussicht auf die in der Abendsonne glänzenden Alpen aufgefallen war. „Wenn`s nur net so schwierig wär`, dann könnt` mer das ja sogar g`niesen!“ Der bekannte, doch diesmal ungewöhnlich gedämpfte, Lacher am Ende dieses Funkspruchs verriet, dass auch Uli Schwenk gewaltig am Kämpfen war. Kurz nach 21 Uhr hatten alle auf die eine oder andere Art Mengen erreicht.
Etwa nach dem dritten Weizenbier waren dann auch die letzten bits aus den Loggern gezogen. Die ersten Gerüchte aus der Auswertezentrale führten zu prompter Ernüchterung oder erlöstem Aufatmen. Elf Piloten hatten es, zum Teil mit dem letzten Quäntchen Energie, über die Ziellinie geschafft, die Jungmannschaft VB, HM und EP den ersten Tusch verdient. Unter den Aussenlandern – oder Aussenstartern, wie es bei der Dominanz der Motorsegler ja neuerdings heissen müsste – war mit den berühmten Kennzeichen X und YY auch Prominenz, was nicht nur bewies, wie schwierig es war, sondern auch, dass selbst anerkannte Flugkunst einen Schuss Glück braucht um bei solchem Wetter ohne Minuspunkte über die Runden zu kommen. Das Defizit lag bei etwa 200 Punkten im besten Fall, manche Teams mussten schon vor der zweiten Wende auf den Anlasser drücken und sahen wie der Propeller weit mehr als 400 Punkte und den Traum von einem Trip nach Südafrika zerwirbelte.
Eine ausweichende Antwort auf die Frage nach dem Thermikende musste Ritschie von da an immer auf den Lippen haben. Nicht dass diese Frage relevant gewesen wäre, die Atmosphäre dachte sich immer neue Spielchen aus und so wurden die Launen des Himmels zu dem Merkmal der DM2K schlechthin. Hatte die Thermik am 1. Tag ziemlich plötzlich und rapide abgebaut, so kam dieselbe am 2. Tag erst überhaupt nicht in Schwung. In ein paar Pulks eierte das ganze Feld in der schwachen Blauthermik herum, am Ende hatten wir nur zu dritt das 285km Mehreck geschafft. Ein wildes Potpourri tischte dann WT. #3 auf: im Schwarzwald schleuderte einen die Vorderkante einer grossen Schauer mit bis zu 5m/s ans Höhenlimit, während die Wolken über der Alb ihre Dienste eher halbherzig zur Verfügung stellten. War man dann auf dem blauen Schenkel nach Süden etwas zu früh, erwischte man den Bummelzug mit maximal 1.5m/s. Kaum 10 Minuten später rauschte der Pulk dann bei 2.5m/s im ICE um Bad Waldsee nach Mengen. Aus diesen sich schnell ändernden Verhältnissen versuchten etliche Piloten in mehr oder weniger eng geflogenen Teams das Optimum herauszuholen. Da gab es die Bückeburger Fliegertruppe um Reinhard Schramme und Uli Gmelin, das Doppel der Altmeister Uli Schwenk und Holger Back, den gemischten Doppelzweier von der Saar mit Chefstratege Wedekind und – als veritablen Favoritenschreck – das Trio „Tassilo B. und der SommerSturm“, das voll im groove flog. „Die drei von der Tankstelle“, wie sie auch genannt wurden, konnten ihre mit mehr oder weniger Risiko gewürzte Taktik meist optimal umsetzen und lagen in der Gesamtrangliste fast immer unter den Top Five.
Das Auf und Ab der atmosphärischen Druckwellen hatte das Wettbewerbsgeschehen in zwei Perioden von je 4 Tagen aufgeteilt, die durch eine zweitägige Regen(erations)phase getrennt waren. Nach der Halbzeit ging`s dann pronto in den langgezogenen Endspurt. Statt Schauern und blaue Löcher drohten jetzt Schwierigkeiten aviatischer Art. Die NATO beanspruchte weite Teile des Wettbewerbsraumes für ihre Luftübung Clean Hunter und wollte uns aus den durch Postleitzahlen(!) gekennzeichneten Gebieten heraushalten. Glücklicherweise konnte durch persönliche Kontakte der Luftraum-Konflikt gelöst werden, die komplizierte Umrüstung der Logger von GPS auf Postcode blieb uns erspart. Doch dann kam es – jedenfalls nach dem Aufschrei im Briefing zu urteilen – noch schlimmer: für WT 7 war ein cats craddle von 4 Stunden angesagt. Eingesickerte Kaltluft liess die Gemüter etwas abkühlen und zwang uns zu einer Geduldsprobe. Erst als die nutzbare Zeit auf 2.5 Stunden zusammengeschmolzen war, konnte es losgehen. Der erste Pflichtwendepunkt Geisingen „zwang“ uns in das thermisch beste Gebiet und dann hiess es nur noch mit gestreckten Armen die Konvergenzlinien abzurasen. Knapp 350km schafften die Schnellsten und alle kamen mit einem breiten Grinsen zurück, dem wohl überzeugendensten Kompliment an Sportleiter und Meteorologe. Zum Abschluss zeigte sich das Wetter nochmal von seiner bissigen Seite. Nach 200km Quälerei in schlaffster Blauthermik schob es einen üblen Cb über den allerletzten Wendepunkt. Für mich und alle die, die einen „beruhigenden“ Punkteabstand zur Spitze hatten, brachte das kein echtes Problem, nur milde Frustration: lieber sichere Rückkehr nach Photovache mit Punkteinbusse, als Abrüstübung in Gewitter auf verschlammtem Acker. Für die ersten Fünf allerdings war es Grund für erhöhten Adrenalinausstoss. Urplötzlich stand die „Arbeit“ von zwei Wochen auf dem Spiel. Die Höhere Gewalt zeigte Milde: ganz überraschend öffnete sie denen, die alles auf Geduld setzten oder setzen mussten, für 20 Minuten einen regenfreien Korridor und liess sie passieren, bevor sie sämtliche Schleusen über dem Flugplatz öffnete. Schlussstrich! – die letzten Portionen Glück und Unglück waren verteilt. Von letzterem bekam Pechvogel Uli Gmelin noch einen extra Löffel mit. Kurz vor dem window of opportunity zum Wendepunkt geglitten, schaffte er es nicht mehr bis zum Ziel und rutschte vom 4. Rang und damit aus der Nationalmannschafft.
Verdiente Sieger waren die formidablen Drei, die Tassilo Bode, der noch garnicht wusste, wie er sich als Meister vorkommen sollte, und Michael Sommer, als Vize, auf das Podest und Matthias Sturm auf Rang 5 brachten. Gesprengt wurde das Team von alter (K8) und neuer KS: Uli Schwenk und Holger Back kämpften sich auf die verbleibenden Nationalmannschaftsplätze 3 und 4.
Bis die Abschlussparty richtig ins Rocken kam, blieben noch ein paar ruhige Takte um die Filmszenen der DM2K vor der letzten Einstellung schnell nach Oscars zu scannen.
Beste Regie: die Wettbewerbsleitung, die es dank natürlicher Authorität schaffte, dass alle beim reibungs- und protestlosen Durchführen der Meisterschaft halfen.
Beste Nebenrolle: Klaus Keim, der unermüdlich Logger fütterte und PalmNav´s erklärte.
Beste Kopfbedeckung: Tassilo´s Piratentuch.
Bester Untertitel: „Die heimliche Aufholjagd des Holger X-row“ (Platz 17 auf Platz 6).
Bestes Drehbuch: das Wetter.
Bringt man mit Weitwinkel noch die DM in Zwickau mit ins Bild, bleibt noch:
Beste Schlagzeile: „Schüler und Mentor gewinnen Deutsche Meisterschaften“ (in Offener und Standardklasse).
Wo gibt´s das sonst noch?
Nirgends!!
Auf zur Siegerehrung.
Kein
Wunder also, dass sich zu den 2. Berlin
Internationals 40 grosse und 46 mittlere Spannweiten
angemeldet hatten, was den Qualifikationswettbewerb
für die DM ´02 zur grössten Veranstaltung aller
Zeiten in der Offenen Klasse machte und erst nach 2
Ausfällen die 18m Klasse unter die von der SeKo
geforderte Gruppengrösse von max. 45 Piloten brachte.
In einer Mixed Klasse wollten sich schliesslich noch
11 15m Piloten am Himmel zwischen Elbe und Oder
austoben.
Wer die Trainingstage nutzen konnte, fand alle
Erwartungen bestätigt: die Organisation lief und die
Thermik stand. Was dem in langjährigen Statistiken
bewanderten Wettbewerber allerdings eher suspekt war.
Die zahlreichen Bemerkungen der Märkler über den
trockenen Mai und die deutlich abnehmenden
Hekto-pascals liessen dem Eröffnungsbriefing mit
deutlicher Skepsis entgegensehen. Dies konnte dann
auch vollkommen entspannt in aller Ausführlichkeit
abgewickelt werden, der nassgraue Himmel liess keinen
Gedanken ans Fliegen aufkommen.

Die trockenere Kaltluft, die Erland Lorenzen vom DWD
versprochen hatte, brach dann tags darauf ins
Wettbewerbsgebiet ein – mit aller Macht und
einer Windstärke, die zur Startzeit locker 50km/h
erreichte, später auch mal die Vne einiger Zelte
überschritt. Der Offenen Klasse hatte der Sportleiter
Klaus Engelhardt ein 356km Mehreck aufgegeben, bei
dem sich die Piloten den 150km Rückensturm-Schenkel
mit einem 33km Hindernislauf gegen die Naturgewalten
erst verdienen mussten. Nachdem das Tohuwabohu in den
unterten Schichten überstiegen war, kamen fast alle
in den Genuss, auf dem 2. Schenkel
Grundgeschwindigkeiten von über 260km/h auf dem GPS
abzulesen.
Der Knackpunkt lag dann bei den letzten 100 km, wo
man sich aus den thermisch schwächeren Elbauen bei
immer noch 60 km/h Gegenwindkomponente heraus- und um
die Sperrgebiete herummogeln musste. Das gelang
nicht
allen. Vier Flieger hatten beim Kampf ums Obenbleiben
nicht genügend auf Winddrift und GPS geachtet und
wurden in den roten Bereich geblasen, ein paar
Glückliche bewahrte nur eine im tieferen Regelwerk
verbriefte Toleranz vor dem Eröffnungs-Nuller. Klar,
dass es zu Diskussionen kam, klar auch, dass man sich
zu deren Vermeidung angesichts einer GPS-Genauigkeit
von unter 50m für allemal und überall auf die
Null-Toleranz-Lösung einigen sollte (die ja schon bei
der DM2K angewendet wurde).
Die 18m Klasse flog ein 273 km Mehreck und durfte
schon vom Start weg die Spinnaker setzen. Nach der
Rückenwindwende brachen dann die Schnitte zusammen
– bis auf einen. Bruno Gantenbrink (YY)
schaffte es, mit 91km/h nach Hause zu kommen, einem
Vorsprung von mehr als 11km/h und 156 pt. auf den
zweiten K. Karg. „Fliegerisch
abgewatscht“ fühlte sich da Gerd Spiegelberg
(37), der überrascht war, dass man in dieser
zerrissenen Thermik überhaupt so weit fliegen konnte
und mit knappen 67km/h heimkam. In der Mixed Klasse,
in der von 11 Teilnehmern nur 5 zu den 247km
starteten, flog Annette Klossok den ersten von drei
Tagessiegen nach hause. Da die Einheimischen, die
hier die Mehrheit stellten, meist zu Helferpflichten
abgezogen oder vom Wetter abgeschreckt wurden, musste
sich Annette alleine im Rennen gegen die Uhr, im
Kampf gegen das Wetter motivieren.
Angespornt durch den Erfolg dieses Sturmflugtags
legte die Wettbewerbsleitung am 2.WT. noch einen
drauf. Zwar zeigte sich am Himmel schon bedeutend
mehr Grau, aber der Wind sollte nur noch mit 40 km/h
säuseln und schliesslich war da ja noch dieser
„heisse Sand“. Bruno flog zu dem 353km
Dreieck als erster ab und kam als erster zurück,
hatte diesmal dabei aber nur knapp 5 Minuten
herausgeholt. Das gab zwar wieder 1000 Pte., die 37
lag heute aber nur 33 Punkte dahinter – die
Motivations-Ohrfeige hatte offensichtlich gewirkt.
Bei den Langohren war solide taktische Vorbereitung
gefragt: eine Assigned Area Task (AAT) stand auf dem
Aufgabenblatt. Bei dieser Variante geht es darum, in
einer gegebenen Maximalzeit das grösstmögliche
Dreieck zu fliegen, das durch je einen frei wählbaren
Punkt in 2 vorgegebenen Gebieten bestimmt ist.
Heimkehrer- (15%) und Flugplatzlande-bonus (5%)
konnten die Optimierung da ganz schön komplizieren.
Im ersten Gebiet musste man den Rückenwind bis ans
Limit ausreizen und dann den Wendepunkt im Sektor 2
auf maximale Strecke und sicheres Heimkommen anlegen.
Am besten schaffte das Uli Gmelin, der echte 441km in
4 Stunden flog und damit auch die Führung im
Gesamtklassement übernahm.
Zeit um die beste Strategie für diese Aufgabe zu
diskutieren gab es anschliessend reichlich. Nicht
einmal PCmet -Virtuoso Erland gelang es, brauchbare
Wetterfenster zu öffnen. Dann rauschte das Bergfest
durch die Halle und was dabei noch heisse Rhythmen
und coole drinks schafften, musste am nächsten Tag
profane hardware übernehmen: „Wir haben das
Briefing um eine Stunde verschoben, um vorher noch
die Halle heizen zu können.“ Herbert Märtin am
3.6.2001! Geduld und Optimismus waren fortan gefragt,
auch mal der Mut einen Versuch zu wagen, selbst wenn
der Schnüffler trotz knallhartem Befehl vom
Sportleiter: “..eier nicht irgendwo rum, flieg
dahin wo die Thermik ist!“ nur nutzloses
Rütteln fand. Langsam wurde die Wettbewerbsleitung
nervös, das Minimalziel von 4 Wertungstagen schien
ausser Sicht zu geraten. Mit Überzeugung packte man
die nächste Chance und brachte die Piloten zum
Staunen: 385km sollte die Offene Klasse fliegen,
100km weniger die 18m Piloten. Schon kurz nach dem
Start war eine 8/8 Decke aufgezogen, unter der sich
hier und da kurzlebige Grauschleier bildeten.

Lediglich die sporadisch eingestreuten Sonnenflecken
hielten die kämpfenden Langohren gerade so am Leben.
Ab Kilometer 225 hätte man den Rest des Mehrecks
mühelos nach Aussenlandern und Motorzündern
rekonstruieren können und wäre damit bis auf 50km an
Lüsse herangekommen. Die Ziellinie hatte keiner
erreicht. Der 18m Klasse ging es nicht viel besser,
nur dank glücklichem timing von frühem Abflug und
passenden Wolkenlöchern schafften Claus Mühlenkamp
und Friedemann Küster die Heimkehr. „Fast
neutralisiert“ heisst, dass das erste von 85
Flugzeugen nicht vor 14:30 startet und um zu
verstehen, warum in beiden Klassen am 4. Wertungstag
AAT´s zu fliegen waren, musste man nur an den Himmel
schauen: dicke Schichtwolken, dazwischen ein
verlorener Sonnenstrahl, ein einsamer,
schmalbrüstiger Cu. Da sollten mal die Piloten
entscheiden, wohin und wie weit die Flügel tragen
würden. Während es in der zuerst gestarteten 18m
Klasse 9 wieder nach Lüsse schafften, mit 304 km
sogar tüchtig Strecke geflogen und taktische Finessen
ausprobiert wurden, kamen bei den Grossen nur 3 ohne
Hilfe nach hause. 4 1/2 Stunden für 201
Bonus-angereicherte Kilometer reichten zwar nur für
den dritten Rang, bewiesen aber, dass mit grosser
Ausdauer gekämpft wurde. Am folgenden Wertungstag
hatte sich neben dicken Wolken auch der Wind wieder
zurückgemeldet. „Was ist denn das für ein
Wettbewerb, hier muss man ja jeden Tag
nachtanken!“ Diese trockene Bemerkung einer
Selbststarter-Crew war die erstaunte Reaktion auf die
Aufgabenstellung: 328km Dreieck!

Hatte man bei der stark pulsierenden, durch Wellen
(!) gestörten Thermik den optimalen Abflug erwischt,
dann aber die 127km mit Rückenwind zu schnell
abgespult, rannte man an der ersten Wende in den
Showstopper, besser: Schauerstopp. Vor der Nasszelle
rückwärts einparken war da die einzig mögliche Taktik
und wer das nicht beherrschte, für den hiess es mit
Würfeln aussetzen. Zehn Piloten traf es, was wiederum
die Wertung tüchtig durcheinander würfelte. Am Ende
sahen 12 Piloten die Ziellinie, der Rest hatte sich
entlang des letzten Schenkels geerdet oder gezündet.
Eine etwas bessere Quote schaffte die 18m Klasse, bei
der etwa zwei Drittel das 239km Dreieck umrundeten.
Trotz fehlender Wasser-Schikane wurden auch hier
eifrig Plätze getauscht. Bruno Gantenbrink kam etwas
aus dem Tritt, sodass Friedemann Küster mit einer
mutigen Einzelleistung einen hauchdünnen Vorsprung
herausfliegen konnte. Freitag, nach 5 Wertungen
definitiv der letzte Flugtag, zeigte sich grau und
feucht.
Da man Wetter, Meteorologen und Wettbewerbsleitung
inzwischen fast alles zutraute, orientierte sich die
Motivation der Piloten an Rang und Punktabstand. Nur
Ronald Reith, der wegen eines 15
Gleitzahlpunkte-Handicaps nicht auf 2 Wochen
Cumu-Lüsse verzichten wollte und mit einem
superschweren DuoDiscus (7H: Sieben Heavy) mit den
Offenen flog, resümierte etwas erschöpft: „ Wir
waren froh um jeden Tag, den wir bei diesem Wetter
nicht fliegen mussten, sondern an die Bar
durften!“ Bald aber war klar: die Sieger
standen fest, der Tag wurde neutralisiert. Bevor man
zur Siegerehrung schritt, Pokale an alte Hasen (18m:
F. Küster) und junge Tiger (Offene: Ben Schulz)
verteilte, die beste Einzelkämpferin (Mixed: A.
Klossok) kürte, mit Regenschirmen Pechvögel (z.B. Uli
G.) tröstete und in standing ovations der gesamten
Lüsse-Mannschaft dankte, trat Meteo-Erland nochmal in
Aktion: Wetterwarnung! Für den Abreisetag musste vor
der nächsten Monsunwelle mit einer knackigen
Rückseite von 750km Potenzial gerechnet werden. Ach
ja, die Höhepunkte im Flachland! – hoffentlich
gibt‘s mehr davon beim nächsten Mal.