Herausforderungen...
... der anderen Art....


..warteten auf die MWP'ler und ihre "Filmographen" am Mittwoch morgen.
Heftige Turbulenzen kamen diesmal nicht aus der Atmosphäre und die Füsse traten auch nicht in Ruderpedale, zwischen den Beinen gab's keinen Knüppel und das, was da so fauchte war auch nicht der Wind an der Haube.
Heute sorgten unvorhersehbare Bewegungen eines Pferderückens für einen schwankenden Horizont, die Füsse stemmten sich in Steigbügel, zwischen den Beinen rieb hartes Sattelleder und da vorne, da schnaubte ein nervöser Nüstern.
Diesmal ging es nicht um den Aconcagua, sondern um das, was unter "Argentinien" im Lexikon steht: Gauchos und Bodegas, Pferde und Wein.
Um endlich die Frage zu beantworten ob und wie sich denn diese verrückten Forscherpiloten in den Turbulenzen des anderen, erdgebundenen Lebens zurecht fanden, hatten die ARTE Leute Rene und mich hinaus in die Pampa gelockt: auf das Weingut der Familia Zuccardi. Und dort sollten wir uns die edlen Tropfen mit dem Gaucho-checkout verdienen: eine Runde Galopp durch Rebstöcke!
Naja - schliesslich hatten sie doch Mitleid und strichen die schnelle Gangart, die Turbulenzen auf Höhe 5ft waren auch so - sagen wir mal: moderate!

RH_horse_EA-016WD_horse_EA-012(2x E.Alvarez)

Die Empanadas danach legten eine solide Grundlage für den edlen Wein, der unser noch leicht schwankendes "Trägheitssystem" schnell und nachhaltig beruhigte.

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Ausgleichende Gerechtigkeit wollte es, dass am Nachmittag Kameramann Gerald zum ersten Fotoflug antreten sollte. Vertauschte Rollen sozusagen: jetzt sollte Mister Digicam seine Eignung für action im Dreidimensionalen beweisen. Damit das auch fotogen dokumentiert werden konnte, wurde er a) richtig eingepackt und b) mit allen verfügbaren optischen Aufzeichnungsgeräten behängt.

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Die Atmosphäre sorgte für die richtige "Musik". Klaus liess die Stemme tanzen und nach der Landung bekam Gerald die Lizenz "Ohlmann certified high altitude turbulence video operator" in seinen Presseausweis gestempelt.

In der folgenden Nacht hatten sich die Winde wieder an ihre - und unsere - Aufgabe erinnert: thumbs up für den nächsten Messflug. Jörg erklärt kurz die Flugaufgabe und dann nichts wie hinauf.

KO_JH_diskS10_3191JH_2622web(wdh,J.Hacker)

Wow, neuer persönlicher Höhenrekord fur die S10 und ihre Besatzung: 12,5 km. Und die Lentis standen noch weit höher! Da war klar: offizieller Rekordversuch - irgendwann musste doch der 52 Jahre alte deutsche Rekord von 13015 Meter fallen. Rene und Klaus zwängten sich in die grünen Zwangsjacken (siehe dort) und um 16:30 hob der Flieger ab. Dann hiess es warten, an allen strategisch wichtigen Orten lauschten die Funkgeräte auf die erhoffte Meldung. Die trockene Anmeldung zur Landung an Mendoza Approach 3 Stunden später dämpfte die Erwartungen. Und als die Stemme ausrollte, die Haube aufging, verriet die Mimik der Höhenjäger alles: es war beim Versuch geblieben.
Gegen Abend hatte sich das Windband verschoben, hatten sich die Wellen geglättet und nichts als einen zunehmend wolkenleeren Himmel hinterlassen.

Am Freitag wurde dann erstmal wieder ruhig durchgeatmet. Eine Front versuchte sich über die Anden zu kämpfen, hat sie im Süden vorerst in dichte Wolken gehüllt. Über Plumerillo scheint noch die Sonne, gutes Licht für ein paar spezielle Video-Sequenzen.
Rudi ist auf dem Nachmittagsflug Bordingenieur und Wolkenfotograf.

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Als wir uns gegen halb acht vor dem Hangar treffen erwartet uns ein HImmel wie aus dem Wolkenatlas.

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Die Rückschau auf den Tag bei ein paar Flaschen Malbec dauerte diesmal etwas länger, obwohl für den nächsten Morgen ein "Frühstart" geplant war: Rene sah noch eine Chance, den Höhenwind der davonschleichenden Front, die auch die Bewölkung über den Anden mitnahm, für einen zweiten Rekordversuch zu nutzen.

Mal sehen was draus wird.

hasta manana, also

Wolf-Dietrich
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