Höhen und Tiefen
16.10. Mo

Der morgen danach kam langsam in die Gänge, kein Wunder....
DIe Sonne scheint, Wind ist nicht - nicht einmal Rene traut sich von nennenswerten Wellen zu reden. Unseren science-drive kann das nicht stoppen, heute soll nämlich zum erstenmal seit wir hier sind eine Radiosonde gestartet werden. Das bietet die perfekte Gelegenheit zu einer Vergleichsmessung. Per Schlafhypnose geht der Tagesbefehl an Klaus sich auf einen Start der anderen Art um elf Uhr fertig zu machen: Jagd auf einen Wetterballon statt Verfolgung eines Kondors!

Radiosonde_3462


Auf der Base machen sich erste Anzeichen von Abreisestimmung bemerkbar: am Abend soll das Abschieds-Asado der ARTE Mannschaft seinen Duft über die Bühne, besser: durch den Club des Oficiales treiben. Bevor es zu vino tinto, chorizo und dicken Steaks geht, muss Jörg am höchsten Punkt der Base nochmal Rede und Antwort stehen: brechende Wellen auf dem Wasserturm, irgendwie hat da jemand die Elemente durcheinander gebracht.

Wasserturm_3550 Jörg_explains_waterto_3543

Antiklimax, ich werde das Gefühl nicht los, dass der Höhepunkt von "Mendoza 2006" hinter uns liegt. Auch in den Gesichtern der Mitstreiter sehe ich leichte "Dekompressions-Symptome", als der Bus mit den winkenden TV Leuten Richtung Aeropuerto davon fährt.
DIe Luft ist raus, jedenfalls die wilde, stürmende Luft, die die Stemme rauf und runter warf. Sommerwetter kündigt sich an, riesige Cumuli, erste Überentwicklungen türmen sich über dem Cordon de Plata. Colonel Hub schiebt sich nochmal in den linken Sitz der S10. Keine schlanken Wellenwolken im dunkelblauen Höhenhimmel. Dafür ein Abfangjäger aus dem Geschwader Kondor, der den seltsamen EIndringling hartnäckig beschattet.

Kondor_I_KO7418(K.Ohlmann)

Beim Abendessen droht die Stimmung kurzzeitig in Depression abzustürzen: Klaus schlurft seltsam verbogen durch die Tür des Casinos: der Ischiasnerv!, dann bemerkt Eduardo trocken: "...Rodolfo is destrojed" und meint, dass die 6 Stunden verklemmtes Sitzen im engen Cockpit dem grossen Colonel nicht so gut bekommen sind und schliesslich eröffnet Jörg, dass wegen eines gekippten Schalters nicht alle Daten einiger Flüge einwandfrei geloggt wurden. Ups and downs soll es ja bei der Wellenforschung geben....

Am nächsten Morgen waren die Wehwehchen und Frustrationen des vergangenen Abends schon wieder in neue Motivation umgeschlagen. Ein weiteres science highlight stand auf dem Programm: wir wollten die Gelegenheit nutzen und die Atmosphäre dort vermessen, wo heute um 9Uhr40 ein Satellit Temperatur und Feuchtewerte aufnehmen sollte. Unsere Daten könnten wertvolle HIlfe bei Kalibration und Überprüfung der Messungen aus dem Weltraum liefern.

Champ1web

Jörg war voller Eifer. Wenige Stunden vor seinem Abflug wollte er nochmal richtig zuschlagen. Bei der Rückkehr von dieser Mission, die ca 150km südlich durchgeführt werden sollte, plante er auch noch ein paar spezielle Flugmanöver, um die on-board Sensoren zu eichen und schliesslich noch eine zweite Vergleichsmessung mit dem Wetterballon, der auch heute wieder um elf Uhr aufsteigen sollte. Drei Fliegen mit einer Klappe - und gewellte Wolken gab´s als Zugabe.


gewellteWolken_KO7468(K.Ohlmann)

Eine Abschieds-Ansicht aus der hohen Kordillere - übermorgen würde er und Rudi schon wieder im heissen Australien sein.
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