Rückblick, die zweite....das MWP Mendoza movie
..alles nochmal miterleben? in 16 min? vom laufenden Band?

na, dann: hier gibt's das erste MWP movie: die Insider-Sicht der Dinge!

have fun

Wolf-Dietrich
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Als Einstieg ein Rückblick - aus rekordverdächtiger Höhe
Beim blog gibt's bekanntlich als Erstes das Letzte - das Neueste, Aktuellste nämlich. Und so steht hier der Rückblick ganz oben. Kein Rückblick im Sinne eines Resümees, eher ein Ausklang, ein Schlussakkord. Um zur Ouvertüre, dem Auftakt zu kommen hier klicken, ganz unten (im blog) einfädeln (runter scrollen) und dann in ruhigem Hin und Her nach oben durchsteigen - ganz wie bei der ersten Welle des Tages.
Eine Liste der einzelnen Einträge in der Reihenfolge, in der sie geschrieben wurden, gibts hier

Wer aber schon mal hören will, wie der letzte Ton ausklingt, für den geht's hier weiter...

"Jetzt bist Du über tausende von Kilometern nach Mendoza gereist, da kannst Du auch die letzten 800 noch unter die Hufe nehmen!"
Mit diesem buchstäblich einladenden Argument hatten mich Freunde in San Martin de los Andes schnell überzeugt. Allzu wörtlich nahm ich es aber nicht - 800 Meter per Huf waren erstmal genug (siehe dort).
Nach 15 Stunden im Luxusbus war ich wieder in Patagonien - und wurde von einer alten Bekannten begrüsst: der Kirchturm-Lenti ! Sie war etwas reifer geworden seit ich sie vor sieben Jahren zum letzten Mal gesehen hatte..

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heute und damals, als auch die Kirche noch ihr altes Häubchen trug

Zum Fliegen hätte sie mich gerne überredet, aber da war nix zu machen - kein Flugzeug weit und breit!
Mit Freunden, in der Natur einfach noch ein paar Tage Frühling geniessen, den Herbst hinausschieben und die "Mendoza-Show" der letzten Wochen nochmal Revue passieren lassen, dazu war San Martin der perfekte Ort.
Und auch das Wetter - ja, jetzt hiess es wieder Wetter und nicht mehr Meteo - gab sich alle Mühe: die neckenden Lentis hatten sich verzogen und einem blank geputzten Himmel Platz gemacht, der mit seiner supersauberen Luft volle Farben und scharfe Konturen in die Landschaft legte.

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Die perfekte "Dekompression"...

Als dann die Zeichen wieder langsam auf Sturm drehten ....

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war es leider endgültig Zeit, in den Flieger zu steigen, den grossen und lauten.

Zum sanften, schonenden Abschied offerierte mir LAN Chile eine scenic tour über die Anden nach Santiago.

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Dann übernahm die SWISS und beim Einchecken war ich schon wieder fast zuhause. Ein leichter Fondue-Duft zog durch die Kabine und kaum hatte ich mich in 21A eingenistet kam auch schon die Heidi von der Alm mit einem Schokolädli....
Oder bildete ich mir das alles nur ein?
War etwa dieses ganze Mendoza Ding nur ein wilder Traum - eine Idee fixe, eine Projektion des spannendsten Verlaufs einer Phantasie-Expedition? ausgelöst womöglich durch akuten Sauerstoffmangel?
Ich schaute durch das Fenster hinaus. Wir waren hoch, sehr hoch, sicher viel höher, als bei all meinen Flügen von Plumerillo aus - jedenfalls höher als bei allen, die ich mir zusammengeträumt hatte. Rekordverdächtig hoch, sozusagen. Von den Anden nichts zu sehen, nur weisses Gewölk, weit unten. Und tiefes Blau oben. Mir war leicht schwindlig, also doch zu wenig Sauerstoff?
Dann spürte ich einen seltsamen Druck auf meinem rechten Arm; er wurde stärker und begann zu pulsieren. Als mich etwas in den Unterarm stach, löste ich meinen Blick vom "outer space" und fuhr erschrocken herum. Ich sah in das leicht amüsierte Gesicht meines Sitznachbarn, der mich höflich angetippt hatte und hörte die Frage: " Was sehen Sie denn in diesem eintönigen Blauweiss, das Sie so fasziniert?"
Verlegen drehte ich den Kopf zwischen ihm und dem Fenster hin und her. Gerade als ich mir was zu Ultraviolet- und kosmischer Strahlung zusammengereimt hatte, brach die Wolkendecke auf und schräg voraus erkannte ich 10 Kilometer tiefer Mendoza und seinen airport Plumerillo. Dann war alles wohl doch kein Traum !

Ich deutete auf die Stadt dort unten und begann ihm die Geschichte von

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Operation Mendoza 2006 zu erzählen....

..die so begann.


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Zehn kleine Negerlein..
...das Kinderlied kommt mir in den Sinn.

Jeden Tag werden wir weniger. Die Fernsehleute verschwanden am Dienstag, gestern machten sich die Aussies Jörg und Rudi aus dem Staub und heute abend will Mayor Eduardo Alvarez den Bus zurück nach Cordoba besteigen.
Auch die Lentis sind abgereist, haben sich zumindest zurück gezogen, halten sich vielleicht irgendwo im Süden versteckt. Schade einerseits, denn ich hätte sie gerne nochmal aus der Nähe gesehen, passend andererseits, denn gegen Ende gibt es immer jede Menge zu tun: alle wollen noch Fotos, Eduardo bat um ein paar Video-sequenzen für die Fuerza Aerea Party nach unserer Abreise am Samstag und Klaus muss seinen Stemme-Haushalt einsammeln und verpacken.

Am Donnerstag nachmittag steige ich zum letzten Flug von "Operation Mendoza 2006" zu Klaus ins Cockpit. Grosse Höhen erwarten wir nicht. Grosse Höhen, das sind hier mehr als 8000 m. Anstatt Winddynamik beherrscht heute Thermodynamik den Himmel.

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Trotzdem haben wir dieselben Schwierigkeiten hoch zu kommen wie bei meinem ersten Flug vor zwei Wochen. In nur 3-400m Grund über eine weite, leicht nach Nordwesten abfallende Hochebene? nee, zu riskant. Immer wieder haben uns die scheinbar aus dem Nichts herabstürzenden Abwinde von mehr als 5 m/s überrascht. Der Rotax muss uns hier zu den hohen Wolken bringen. Auf knappe 6000m schätzen wir ihre Basis; die faule Luft, die von der Pampa an die Vorberge zieht, kondensiert schon bei knapp 3000m

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In 4500m Höhe folgen wir einer Konvergenzlinie - wo die wohl herkommt?? - und steigen auf knapp 6000m. In Colorado konnte ich aus dieser Höhe bequem auf die höchsten Gipfel der Rockies herunterschauen, hier wird's einem da immer wieder mulmig, weil man den nächsten Grat auf Augenhöhe vor sich hat.
Der Anflug auf die Cordillera de Tigre sorgt für den obligatorischen Adrenalinstoss. Gnadenlos spült uns ein hinterlistiges Abwindfeld an die Flanken der Bergkette. Hangflug, aber wo? Jeder Hang trägt auf einer anderen Seite, mal ist es im vermuteten Lee, mal die Sonnenseite, dann wieder im Schatten - verstehe das wer will, wir jedenfalls nicht. Wir müssen wieder nach Norden aus dieser Mondlandschaft raus - einmal mehr in fallender Luft.
Wie häufige Erfahrung bestätigt, hat das Anspringen des Motors die Atmosphäre überzeugt uns nicht mehr zu ärgern: kaum ist Leistung da, steigt´s auch wieder ohne mit 4-6m/s. Jetzt auf 6000m und dann nach hause ist die Devise.
Ein letztes Mal inszeniert die tiefstehende Sonne phantastische Lichtspiele,

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ein letztes Mal hören wir:" Kilo Kilo Oscar Papa, recibido..", dann rutschen wir den Gleitpfad auf RWY 18 hinunter.

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Unsere erste Pflicht am letzten Tag ist der Abschiedsbesuch beim Commodoro. Rene, Klaus und ich schlüpfen ein letztes Mal in das inzwischen reichlich strapazierte MWP-Mendoza T-shirt und bedanken uns für die engagierte Unterstützung. Etwas überrascht nehmen wir die offizielle Einladung entgegen, nächstes Jahr wieder zu kommen.

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Dann schmust sich Klaus in den ausgebuchen Morgenflug nach Buenos Aires, Rene wundert sich, warum er die Koffer trotz all der abgeladenen Gastgeschenke kaum schliessen kann und ich weiss immer noch nicht, wo mich der Nachtbus nach Neuquen morgen Früh um sieben zum Umsteigen nach San Martin abladen wird.
Vor dem Mittagessen schenken wir Rosita, der guten Seele vom Kasino, das letzte MWP-Poster als Wandschmuck für die Fliegerbar. Wir sprechen den Plan für den Nachmittag mit Rodolfo ab, dann geht es in die letzte Runde. Ich wünsche Rene einen guten Flug, dann kommt el trafico pünktlich um halb fünf und bringt ihn hinüber zum aeropuerto civil. Vier Stunden danach rollt AndesMar coche 711 mit 5 Minuten Verspätung an die plataforma 10. Rodolfo hilft mir beim Einchecken des Gepäcks, eine letzte herzliche Umarmung und ich kann nur noch durch das breite Fenster im Oberdeck winken, sehe, wie der grosse Colonel mit beiden Armen antwortet, dann stürzt sich der Bus in den Freitagabend -Verkehr. Mendoza, Ort der MWP Expedition 2006, verschwindet langsam im Schatten der Anden.
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A different kind of challenge...
Oct.11 - 20

..presented itself to the MWP team and its "videographs" on Wednesday morning. Years back, when the MWP'ers chose "Rodeo in the Sky" for the title of the first TV documentary on their rotor and wave adventures, they didn't know that this selection would have far reaching consequences, that it would haunt them years later.
Well, the time had come! The TV crew had decided to finally answer the question, if those crazy pilots are capable at all to master the turbulences of earthbound life.
Earthbound life? Well, sort of! It was shake, rattle and roll at 5ft AGL: the "gaucho check-out" on horseback. Rene and I had been tricked into believing that all we had to do on the Zuccardi vineyard was act like true connoisseurs with a glass of red in our hands.

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The world looked different now: we had to earn each sip of Malbec, Chardonnay and Sauvignon, with a fast lap around the bodega. Rodeo, allright, turbulence: at least moderate!

In the afternoon it was camera man Gerald who had to live up to his "Rodeo-Challenge" of the day. He was strapped in the cockpit of the Stemme with all the video equipment we found tightly secured to his arms, feet,....
Hours later he had earned the "Ohlmann certified high altitude turbulence video operator" license.

During the night the Gods of the winds decided it was time for a big blow. The science flight in the morning established a new altitude record for the Stemme crew: 41000ft. Everybody was excited: time for a record attempt! No, no attack on Steve Fossett's recent exploit, "only" a challenge to the German altitude record, which has stood for more than fifty years at 13015 Meters (roughly 42700ft), flown by wave pioneer Joac Kuettner.
Rene and Klaus donned their pressure suits and took off into an increasingly blue sky.
For the rest of the gang the waiting game began. When, hours later, Klaus initiated contact with Mendoza Approach to return there was no trace of victory in his voice. And as soon as the canopy was lifted, the expression on the faces of the pilots said it all: no cigar! The wind had shifted and the waves disappeared.

On Friday, a frontal system was fighting its way through the Andes, covering the ridges south of Mendoza in a thick layer of clouds. Above Plumerillo there were enough blue holes to lure our "planeador" into the sky. Rudi was flight engineer and cloud photographer. The turmoil over the mountains and its blow off was only part of the picture: out there over the Pampa was the action tonight.

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Why on earth is this stupid cellphone yelping at 0530 in the morning?
Half asleep I turn around and reach for it. Someone has been faster - suddenly the strange melody stops. Minutes later, I hear the chimes of Windows - what the hell is going on , why all this noise?
Slowly I remember: after the second bottle of Malbec last evening, Rene had come in, somewhat excited, and presented a quick analysis of the weather situation. There was a slim chance that early today in the wake of the slowly moving front a window of opportunity for a second record attempt might open up.

53 minutes from wake up to gear up: an alltime record for Klaus! Unfortunately, it was to remain the only record for the day. The atmosphere apparently hadn't read Rene's forecast, much less adhered to it.
"...only uncoordinated up and down, in the most unlikely places, nothing to even hint at promising wave activity", so the comment of the pilots after landing.

This left a free afternoon, time to finally explore the neighbourhood. Mendoza International Plumerillo is about 6 miles from downtown, residential areas stretching out even farther. To get to the nearest supermarket one had to cross the 'beltway', right in front of the entrance to the airbase. Crossing the four lanes also meant crossing a time barrier. Suddenly I found myself somewhere in the seventies, judging by whatever raced by me in the streets. Peugeots, Fiats, Renaults, beaten by sun and time into genuine vintage fought their way through moving wrecks of what I could barely identify as pre-war (which war I don't know) Chryslers, Fords and what seemed like a constant stream of colorful buses.

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The TV crew had taken over Sunday, which was just fine as there was no sign of any acitivity in the sky. From "Breakfast at Rosita's" to "The last Tango in Mendoza" we acted our way through the appropriate adaptions of classics.

Monday was national holiday, it was also the day when the Servicio Meteorologico began regular daily ascends of radiosondes. With our Tango-experience only hours ago, we barely managed to find an airworthy crew to chase the sonde and collect data to verify and cross-calibrate aircraft and sonde temps.
Walking back from the met-site in the far corner of the airport I came across this tired DC3, which in its last days, had apparently served as firefighter.

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The beginning of the end.. that's the way it felt on Tuesday morning. Last night ARTE TV threw one last asado, they were off - back to Germany - in the afternoon and our science specialists Jörg and Rudi from down under had managed to secure seats in the plane to Sidney the next day. Even the clouds seem to tell us that wave season is over in Mendoza: the first fat cumulus congestus appear over the high summits

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Another interesting science mission is scheduled for Wednesday. 100 miles south a satellite is going to take a sounding using a GPS occultation technique. We send the Stemme there to take data up to 28000ft for later verification of the measurements from space. It is Jörg's last flight, in the afternoon he and Rudi are off to Santiago and then on to Adelaide. It's getting empty around here.
The five of us left are meeting for breakfast the next morning and discuss remaining tasks. Mayor Eduardo Alvarez is going to take the bus to Cordoba tonight, and tomorrow Klaus will be trying for the morning flight to Buenos Aires, Rene has a confirmed seat to Santiago in the evening and then Colonel Rodolfo Hub and I will be last to leave the base, heading for the bus terminal in Mendoza.
The lentis have left, too - only cu's in the sky, overdeveloped already in the southwestern quadrant. Thermodynamics has replaced aero(=wind)dynamics.

One last time I climb into the Stemme cockpit. No more high altitude adventures expected, a little bit of evening wave, perhaps, if we get lucky. After several attempts to climb out of the lazy Pampa air we get the Rotax going. A mere extra thousand feet we need. Then, north of Uspallata, we find a line of convergence and climb to cloudbase near 20000ft.

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In Colorado, this would have been plenty of altitude to look down upon even the highest peaks. Here, some of the high plateaus appear close enough to make one feel nervous. After we get our mandatory adrenalin kick by having to ridge soar over unlandable terrain, we manage to get to a promising cloud - with a little help from a friend: the Rotax again. Then it's up, up, up with 1000ft/min. At 18000ft it's time to head home. One last final glide, one last call to Mendoza Approach and one last time we hear the now familiar voice:"Kilo Oscar Papa, buenas tardes, amigo!"

Friday, Oct. 20 a day with too many "last's".
Last visit to the base commander in the morning, to thank him for the outstanding support we recieved from everybody at Plumerillo, last lunch and a last hug for Rosita, heart and soul of casino and pilot bar. At 4:30p an Air Force van takes Rene to the aeropuerto civil, 3 hours later Rodolfo and I take a cab to the bus terminal in downtown Mendoza. My night bus to San Martin leaves an hour later. A last hug with Rodolfo, the promise to meet again and coche 711 plunges into the Friday eve rush hour - Mendoza, site of MWP Operation 2006, drifts solwly out of sight.

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Höhen und Tiefen
16.10. Mo

Der morgen danach kam langsam in die Gänge, kein Wunder....
DIe Sonne scheint, Wind ist nicht - nicht einmal Rene traut sich von nennenswerten Wellen zu reden. Unseren science-drive kann das nicht stoppen, heute soll nämlich zum erstenmal seit wir hier sind eine Radiosonde gestartet werden. Das bietet die perfekte Gelegenheit zu einer Vergleichsmessung. Per Schlafhypnose geht der Tagesbefehl an Klaus sich auf einen Start der anderen Art um elf Uhr fertig zu machen: Jagd auf einen Wetterballon statt Verfolgung eines Kondors!

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Auf der Base machen sich erste Anzeichen von Abreisestimmung bemerkbar: am Abend soll das Abschieds-Asado der ARTE Mannschaft seinen Duft über die Bühne, besser: durch den Club des Oficiales treiben. Bevor es zu vino tinto, chorizo und dicken Steaks geht, muss Jörg am höchsten Punkt der Base nochmal Rede und Antwort stehen: brechende Wellen auf dem Wasserturm, irgendwie hat da jemand die Elemente durcheinander gebracht.

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Antiklimax, ich werde das Gefühl nicht los, dass der Höhepunkt von "Mendoza 2006" hinter uns liegt. Auch in den Gesichtern der Mitstreiter sehe ich leichte "Dekompressions-Symptome", als der Bus mit den winkenden TV Leuten Richtung Aeropuerto davon fährt.
DIe Luft ist raus, jedenfalls die wilde, stürmende Luft, die die Stemme rauf und runter warf. Sommerwetter kündigt sich an, riesige Cumuli, erste Überentwicklungen türmen sich über dem Cordon de Plata. Colonel Hub schiebt sich nochmal in den linken Sitz der S10. Keine schlanken Wellenwolken im dunkelblauen Höhenhimmel. Dafür ein Abfangjäger aus dem Geschwader Kondor, der den seltsamen EIndringling hartnäckig beschattet.

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Beim Abendessen droht die Stimmung kurzzeitig in Depression abzustürzen: Klaus schlurft seltsam verbogen durch die Tür des Casinos: der Ischiasnerv!, dann bemerkt Eduardo trocken: "...Rodolfo is destrojed" und meint, dass die 6 Stunden verklemmtes Sitzen im engen Cockpit dem grossen Colonel nicht so gut bekommen sind und schliesslich eröffnet Jörg, dass wegen eines gekippten Schalters nicht alle Daten einiger Flüge einwandfrei geloggt wurden. Ups and downs soll es ja bei der Wellenforschung geben....

Am nächsten Morgen waren die Wehwehchen und Frustrationen des vergangenen Abends schon wieder in neue Motivation umgeschlagen. Ein weiteres science highlight stand auf dem Programm: wir wollten die Gelegenheit nutzen und die Atmosphäre dort vermessen, wo heute um 9Uhr40 ein Satellit Temperatur und Feuchtewerte aufnehmen sollte. Unsere Daten könnten wertvolle HIlfe bei Kalibration und Überprüfung der Messungen aus dem Weltraum liefern.

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Jörg war voller Eifer. Wenige Stunden vor seinem Abflug wollte er nochmal richtig zuschlagen. Bei der Rückkehr von dieser Mission, die ca 150km südlich durchgeführt werden sollte, plante er auch noch ein paar spezielle Flugmanöver, um die on-board Sensoren zu eichen und schliesslich noch eine zweite Vergleichsmessung mit dem Wetterballon, der auch heute wieder um elf Uhr aufsteigen sollte. Drei Fliegen mit einer Klappe - und gewellte Wolken gab´s als Zugabe.


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Eine Abschieds-Ansicht aus der hohen Kordillere - übermorgen würde er und Rudi schon wieder im heissen Australien sein.
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Die längsten Tage
Um halb sechs düdelt ein handy, halb sechs !!!
Wer will denn da was von wem und warum so früh?

Ich werde langsam wach und höre die Windows Startsymphonie, was soll bloss all dieser Lärm? Dann erinnere ich mich: Frühstart zum Rekordversuch war ja angesagt. Dreissig Minuten später drängt sich doch tatsächlich die ganze Mannschaft um die Stemme, die Hangartore werden aufgeschoben und die grosse Gelbe färbt den Osthimmel.

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Start um 07:23, Rudi's sorgfältige Vorbereitung von Sauerstoff, Logger, und Kamerahalterung am Vorabend zahlte sich aus: 73 Minuten von Augen auf zu Fahrwerk ein, das war für Klaus ein Rekord - leider der einzige an diesem Tag.
Der Himmel zeigte sich im klarsten Blau und von Wind war am Boden nichts zu spüren, in der Höhe nichts zu sehen. Und Rodolfo lauschte im Funk vergeblich auf die Anfrage der D-KKOP nach Höhenfreigabe für flight level 450, den ersten Hinweis, dass die Stemme auf rekordverdächtiges Niveau geklettert war.

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" nur Gebastel, Gerüttel und Geschüttel.." so der Kommentar von den Piloten nach der Landung. Nach dem Auftanken von Flugzeug und Pilot sollte dann Gerald mit seiner kleinen Kamera nochmal eine Chance für coole shots vom Gebirgsflug in den Anden bekommen.
Ich wollte nach knapp zwei Wochen Aufenthalt im "Headquarter" endlich einen Eindruck von der Nachbarschaft bekommen und machte mich auf zum nächsten Supermarkt. Der Flugplatz Plumerillo liegt etwa 10km von downtown Mendoza entfernt, Wohngebiete reichen sogar noch weiter hinaus. Man musste nur die Stadtautobahn, den Fuerza Aerea (Luftwaffen-) Highway, überqueren, der unmittelbar an der Eingangswache vorbei führte, und schon war man auf der Independencia im Stadtteil Plumerillo, war scheinbar in einer anderen Zeit.
Fiat 1500 und Peugeot 404, die Mittelklasseraketen der Siebziger, schossen über Kreuzungen, Busse, die hier so zahlreich sind wie Rickshas in Kalkutta, kurvten um geparkte Odtimer.

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Am Strassenrand wurde der Grill für das asado pollo, den argentinischen Hühnergrill, angefeuert, in der Werkstatt gegenüber bekam fahrendes Geflügel neuen Gummi angepasst. Stundenlang hätte ich hier mit dokutainment verbringen können...

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Am Sonntag morgen mussten wir dann wieder selbst entertainer spielen: das erste Frühstück sollte nachgestellt, nachgedreht werden. Dann ins Auto gesprungen, an die runway fahren und die Stemme bei der Landung filmen. Auch so eine Geschichte: auf welchem International Airport kommt man schon mal schnell auf 40 Meter an die runway, um den optimalen Hintergrund für eine Startszene ins Bld zu rücken?

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Offenbar hatten sich die controller im Turm schon an unsere Spezialwünsche gewöhnt, hatten wir sie von unserer "Folgsamkeit" überzeugt. Ein Beweis der beinahe freundschaftlichen Zusammenarbeit war auch das lockere: "Kilo Oscar Papa, buenos dias, amigo", mit dem jeweils der erste Funkspruch von Mendoza Ground oder Approach begann.

Eigentlich hätten wir dann eine ausgiebige Siesta machen wollen, war doch für die Nacht der Besuch einer Tango Bar geplant. Es blieb bei der guten Absicht - man ja konnte nicht so einfach weg, irgendwas lief ja immer....

Nur in der Tango Bar, da lief erstmal überhaupt nichts. Unsere Freunde vom Fernsehen hatten mit lokaler Unterstützung eine Reihe von Etablissements recherchiert und waren bei diesem so triste aussehenden Schuppen hängen geblieben. In guten Momenten kam ich mir vor wie in einem Roadmovie, wenn der Kehraus in einem Schunkelschuppen in der Einsamkeit des Wilden Westens gedreht wird. "Paris,Texas" lässt grüssen...
Um halb zwei waren in den Gläsern und Flaschen der ersten Runde noch ein paar Tropfen, auf der Tanzfläche inzwischen ein paar Unerschrockene, aus der Mumien-Generation, wie Rene sich ausdrückte. Der Moment für die go or no-go Entscheidung war gekommen. Da legte die Band los, mehr und mehr Beine folgten dem Rhythmus, Gerald stürzte zwei Gläser Roten und schulterte die Kamera. Er war noch mit Bläsern und Trommlern beschäftigt, als Eduardo die Situation endgültig rettete: aus dem Nichts hatte er die MWP'ler, die schon fast im Phlegma versunken waren, mit Tanzpartnerinnen verkuppelt. Heidi fiel ein Stein vom Herzen, auch diese Szene aus ihrem Drehbuch war im Kasten.
Fotos? nee, Fotos gibt's davon keine, ein bisschen Spannung wollen wir bis zum Sendetermin im nächsten März ja doch aufbauen!
Um 4 Uhr waren wir zurück auf der Base - gut dass am Montag ein Feiertag ist, oder...?

hasta entonces,

Wolf-Dietrich
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Herausforderungen...
... der anderen Art....


..warteten auf die MWP'ler und ihre "Filmographen" am Mittwoch morgen.
Heftige Turbulenzen kamen diesmal nicht aus der Atmosphäre und die Füsse traten auch nicht in Ruderpedale, zwischen den Beinen gab's keinen Knüppel und das, was da so fauchte war auch nicht der Wind an der Haube.
Heute sorgten unvorhersehbare Bewegungen eines Pferderückens für einen schwankenden Horizont, die Füsse stemmten sich in Steigbügel, zwischen den Beinen rieb hartes Sattelleder und da vorne, da schnaubte ein nervöser Nüstern.
Diesmal ging es nicht um den Aconcagua, sondern um das, was unter "Argentinien" im Lexikon steht: Gauchos und Bodegas, Pferde und Wein.
Um endlich die Frage zu beantworten ob und wie sich denn diese verrückten Forscherpiloten in den Turbulenzen des anderen, erdgebundenen Lebens zurecht fanden, hatten die ARTE Leute Rene und mich hinaus in die Pampa gelockt: auf das Weingut der Familia Zuccardi. Und dort sollten wir uns die edlen Tropfen mit dem Gaucho-checkout verdienen: eine Runde Galopp durch Rebstöcke!
Naja - schliesslich hatten sie doch Mitleid und strichen die schnelle Gangart, die Turbulenzen auf Höhe 5ft waren auch so - sagen wir mal: moderate!

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Die Empanadas danach legten eine solide Grundlage für den edlen Wein, der unser noch leicht schwankendes "Trägheitssystem" schnell und nachhaltig beruhigte.

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Ausgleichende Gerechtigkeit wollte es, dass am Nachmittag Kameramann Gerald zum ersten Fotoflug antreten sollte. Vertauschte Rollen sozusagen: jetzt sollte Mister Digicam seine Eignung für action im Dreidimensionalen beweisen. Damit das auch fotogen dokumentiert werden konnte, wurde er a) richtig eingepackt und b) mit allen verfügbaren optischen Aufzeichnungsgeräten behängt.

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Die Atmosphäre sorgte für die richtige "Musik". Klaus liess die Stemme tanzen und nach der Landung bekam Gerald die Lizenz "Ohlmann certified high altitude turbulence video operator" in seinen Presseausweis gestempelt.

In der folgenden Nacht hatten sich die Winde wieder an ihre - und unsere - Aufgabe erinnert: thumbs up für den nächsten Messflug. Jörg erklärt kurz die Flugaufgabe und dann nichts wie hinauf.

KO_JH_diskS10_3191JH_2622web(wdh,J.Hacker)

Wow, neuer persönlicher Höhenrekord fur die S10 und ihre Besatzung: 12,5 km. Und die Lentis standen noch weit höher! Da war klar: offizieller Rekordversuch - irgendwann musste doch der 52 Jahre alte deutsche Rekord von 13015 Meter fallen. Rene und Klaus zwängten sich in die grünen Zwangsjacken (siehe dort) und um 16:30 hob der Flieger ab. Dann hiess es warten, an allen strategisch wichtigen Orten lauschten die Funkgeräte auf die erhoffte Meldung. Die trockene Anmeldung zur Landung an Mendoza Approach 3 Stunden später dämpfte die Erwartungen. Und als die Stemme ausrollte, die Haube aufging, verriet die Mimik der Höhenjäger alles: es war beim Versuch geblieben.
Gegen Abend hatte sich das Windband verschoben, hatten sich die Wellen geglättet und nichts als einen zunehmend wolkenleeren Himmel hinterlassen.

Am Freitag wurde dann erstmal wieder ruhig durchgeatmet. Eine Front versuchte sich über die Anden zu kämpfen, hat sie im Süden vorerst in dichte Wolken gehüllt. Über Plumerillo scheint noch die Sonne, gutes Licht für ein paar spezielle Video-Sequenzen.
Rudi ist auf dem Nachmittagsflug Bordingenieur und Wolkenfotograf.

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Als wir uns gegen halb acht vor dem Hangar treffen erwartet uns ein HImmel wie aus dem Wolkenatlas.

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Die Rückschau auf den Tag bei ein paar Flaschen Malbec dauerte diesmal etwas länger, obwohl für den nächsten Morgen ein "Frühstart" geplant war: Rene sah noch eine Chance, den Höhenwind der davonschleichenden Front, die auch die Bewölkung über den Anden mitnahm, für einen zweiten Rekordversuch zu nutzen.

Mal sehen was draus wird.

hasta manana, also

Wolf-Dietrich
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..update..
10/07 - 10/10: update

Beautiful bad weather: sun, haze and calm winds!
Perfect!
One more day to finish the installation of sensors, BAT(Best Aircraft Turbulence)probe, inertial navigation system and data logger.

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A day, too, to satisf urgent needs of our TV crew for their first series of exciting shots. And, finally, sufficient time to discuss our reconnaisance mission into the mountains.

The final "go" came from the masters of instrumentation: they had wrapped up hard- and software setup and convinced themselves that only minor adjustements, if any, would be necessary to be fully operational.

The next day, sunday Oct. 8th, we drove up to Uspallata, a small town on the main road to Chile, sitting in a broad valley at around 6000ft. For "Operation Mendoza" it was of substantial strategic significance. It was here that a rough field, 5000ft long, offered the only chance for an emergency landing on the way to and from the Aconcagua. For all Stemme crews this was a "must see".
And for camera man and director it was a hot spot, teasing their imagination to visualize all sorts of wild shots.

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To accelerate our high altitude adaption we drove up to Puente del Inca, the starting point for the trek to Cerro Aconcagua, and tested our low temp gear.

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The final verdict on the usability of "Uspallata Altiport" came the next morning, when Klaus and Mayor Eduardo Alvarez flew in for a couple of low, lower, lowest approaches.

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After pilots and photographers had used up enough adrenalin, the Stemme headed into the "real" mountains and when everybody met at the Plumerillo hangar later that evening, Klaus reported a high point of 35000ft.

Air to air shots were on our duty list for the next day. Thanks to the drive and commitment of Colonel Rodolfo Hub, the liaison officer, the TV team had one hour worth of helicopter time in an Alouette/Lama at their disposal. No time to get close to the high peaks, plenty to get interesting footage.

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In the afternoon Jörg and Klaus took off for the first science mission. After 6 hours they came back with a healthy set of data covering waves and turbulence all the way up to 27000ft....

and the strongest wave development was still predicted to be approaching from the south....

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..voll im Geschäft...
...voll im Geschäft...

sind wir seit dem ersten Flug - auch wenn bei manchen unter unseren Freunden der Eindruck entstanden sein könnte, dass wir hier nur events abhaken, abfeiern, abfilmen und abfotografieren !

Oh no!

Nach der Tieffluglandeübung bei Uspallata flog die Stemme erst zum Kondor-Rendezvous über Punta de Vacas. Naja, so gerade noch "über"..... die video shots wurden entsprechend beeindruckend; weil aber mit weniger als 700mm Brennweite da nix zu machen war, gibt's davon leider keine Fotos. Dann ging's noch auf 10.5 km Hôhe - irgendwo steht die Welle offenbar immer.

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Überhaupt: alle, die unsern piloto extraordinario kennen, wissen, dass er keinen Tag mit einer Sicht von mehr als 3km und einer Wolkenbasis über 500m verstreichen lassen kann, ohne das Flugpotenzial der aktuellen Wetterlage hinter dem Steuerknüppel zu erkunden. Und wenn dann noch der Wind haucht, streicht, bläst oder gar stürmt, ist's mit der Ruhe sowieso vorbei.

Und da wir wissen, dass er weiss, dass wir möglichst viel erkunden und messen wollen...also da treibt's das Motivationsmeter schon ganz schön hoch.

Und es gibt ja noch soviel zu lernen...
Was hier so zwischen den engen steilen Tälern und den hohen Gipfeln abgeht, den Flieger den Luvhang in voller Sonne runterspült, an dem's 10 Minuten früher mit 3m/s hoch ging, wo die Thermik aus dem Schatten kommt und der Wind alle Täler gleichzeitig hinunter oder hinaufbläst, dass man sich einmal wundert, wo die ganze Luft eigentlich her kommt und dann wieder, wo sie denn geblieben ist...ja, also das bringt selbst den wohl erfahrensten Gebirgssegelflieger der Welt ins Staunen und Grübeln!!

..voll im Geschäft...

sind auch die Messmeister. Seit sie die Stemme in den Händen hatten sind unserem Flieger seltsame kleine Warzen und grosse Furunkel gewachsen. Sensoren nennen sie das.

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Gut eingepackt startete Jörg zum ersten Testflug und kam mit einem einwandfreien Datensatz aus 8000m zurück. Beeindruckend! Erster Flug, erste Daten, das muss ihm erst mal einer nachmachen.

Fast hätte ich's vergessen: ehe es zur science mission ging, hatten wir noch eine Pflichtübung zu absolvieren: air to air pix von unserem Forschungsflieger. Dank des unermüdlichen Engagements unseres Projektoffiziers Colonel Rodolfo konnte Gerald über eine Stunde Hubschrauber verfügen. Fast verfügen, denn Helikopter- und Stemme-Pilot hatten bei der Auswahl der Formationsflug-Manöver natürlich auch ein Wörtchen mitzureden.

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Die Experten versammelten sich dann nochmal am späten Nachmittag um das Wetter-Orakel: da lag etwas in der Luft

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..was spannende Tage ankündigte


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na dann:
hasta manana,

Wolf-Dietrich
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Aufklärung...
Aufklärung...

brauchte der Himmel heute. Viel Sonne war zwar da, aber auch viel Dunst. Von WInd nichts zu spüren. One more 'bastel' day also, da konnten Rudi und Jörg nochmal richtig hinlangen, Trägheitsnavigationssystem, Taupunktspiegel ein- und Turbulenzprobe anbauen.

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Nur ein paar Meter weiter plauderte sich unser Pilot mit Elan durch ein Interview. Seine Darstellung war offenbar einnehmend genug um auch die hardware Künstler kurzzeitig abzulenken.

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Aufklärung...

war auch angesagt, was die Koordination von Wissenschaft, Entertainment und Kriegskunst betraf. Irgendwie schienen sich deren Anforderungen gegenseitig zu blockieren: da waren die Protagonisten zu aufregenden shots zu motivieren, die Stemme als Messplattform auf "ready to go" zu trimmen und in ihrem Element zu testen und der Luftraum für Übungsbombardements zu reservieren.
Die Diskussionen dauerten bis in die Nacht, dann stand fest: morgen geht's zur Boden-

Aufklärung

nach Uspallata. Der kleine Ort, knapp 60 Luft- aber 160 Strassenkilometer von unserer homebase Plumerillo entfernt, hatte für die "Operation Mendoza" mehr als nur eine entscheidende strategische Bedeutung. Drei Kilometer westlich des Rathauses lag nämlich Uspallata "Altiport", die einzige Landemöglichkeit auf dem Weg zum oder vom Aconcagua. Für jede Stemme-Besatzung war das ein "must see", bevor es - hoffentlich nie - zum "must land" werden konnte. Und für die Filmer war es ein hot spot, der ihre Fantasie zu allen möglichen und unmöglichen Inszenierungen anregte:
Als Hintergrund zu Frage und Antwort Spielchen über Risiken von "Notlandungen", die bei diesem runway Belag ja auch berechtigt waren, zum Beispiel,

team_Uapt_2939

oder als Übungsgelände für eine spektakuläre Aussenlandung.
Fliegerische Aktionen waren für heute allerdings keine geplant. Damit die Truppe aber doch noch Höhenluft in die Lungen bekam, traf man sich auf 2700m an der Puente del Inca, dem Ausgangspunkt für die Besteigung des Cerro Aconcagua.

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Hier durften die Koryphäen nochmal über Wellen, Wolken und Winde erzählen und dabei entspannt in die Kamera lächeln.
Am nächsten Morgen wurde es dann ernst. Klaus war mit Mayor Eduardo Alvarez im Anflug auf Uspallata. Dank militärisch straffer Organisation und Koordination trafen sich tatsächlich alle im entscheidenden Moment an, auf und über runway 18. Die ausgesprochenen und angedeuteten Wünsche von Kameramann Gerald spornten Klaus mal wieder zu Höchstleistungen, will sagen: Tiefstflügen, an. Und lange nachdem sich die Stemme mit einem letzten Überflug in thermisch ergiebigere Regionen verabschiedet hatte, hörte man noch immer das Echo der begeisterten Ausrufe aller Zuschauer: "boa - geil"

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for the English.....

10/04 - 10/06: Summary for the English speaking fans of MWP

A picture perfect beginning of MWP Operation Mendoza 2006:

Everybody arrived on time, including all suitcases, bags, laptops, cameras..

Then the weather turned bad, leaving sufficient time to get all necessary formalities out of the way and find our way around the Plumerillo Air Base of the Argentinian Air Force (FAA).
One day to move in and get everything straightened out before the TV crew arrived - on time, as well - and started its documentary.
And one morning to try on our new T-shirts, before we had to show up for the welcome address by Commodoro Mayor, the base commander, to hand over our hospitality gifts.
After that, Gerald, the camera man, swung into action and managed to persuade Rene and Klaus to squeeze themselves into MiG 21 pressure suits. The swagger with which our two heroes strolled along the apron in their gear was a view to behold!

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And then, right after the oxygen system had been properly installed, the first lentis appeard over the Andes.

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Our FAA liaison officer Colonel Rodolfo Hub was Klaus' first copilot on the shakedown flight. Both came back with a big grin on their faces: 7500m, enough to look down on our magic mountain, the Aconcagua.
Later that evening, the view from the tower was promising indeed.

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Around 7am the next day I heard Rene mumble as he checked the weather on his laptop. A chance for waves, perhaps, but difficult to get into: suitable windspeeds were forecast above 4000m only.

It was my turn to check his forecast. At 1:40 pm Klaus hit the throttle and we were off looking for waves, and looking, and looking....no such luck. Turbulent thermals in most unllikely places, but neither the violent grip of a rotor nor the smooth touch of a wave. Our big mountain looked down on us in a rather sneering way.

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Rene was next in line to fly the second sortie. Would he be able to redeem his forecast?

Starting tomorrow, it is supposed to be calm and hot. An appropriate time to drive up into the montains and look for emergency landing fields, perhaps.

watch out here for what we found..

Wolf


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Am Himmel...
Am Himmel....

...über Mendoza konnte man die Stemme gestern zum erstenmal sehen. Und der Aconcagua mag sich auch gewundert haben, wo da plötzlich dieser weisse Riesencondor herkam, der auf ihn herabschaute.
Erste Sortie, erster Wellenkontakt, Klaus ist schon in Form!

Aber der Reihe nach....
Am Mittwoch Morgen hiess es erstmal Antreten zur offiziellen Begrüssung durch den Brigade General. Das Team - inzwischen komplett - war in Uniform, aka MWP-Mendoza T-shirt, eingelaufen, mit einer dicken Tasche voller Gastgeschenke.

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Und die TV-crew konnte sich schon mal warm drehen. Für den ersten "celebrity-take": die MWP Gründer Rene H. und Klaus O. hatten sich zu diesem event in Mig-21 Druckanzüge gezwängt. Sah echt geil aus - und ARTE war begeistert.
Absolutes highlight: als die beiden "space cowboys" in voller Montur über das Vorfeld schlurften.

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Um halb drei war die Scharade vorbei, Klaus war wieder im Company outfit, schwarze Jeans und "Quo Vadis" Jacke, und bereitete sich, Stemme und Colonel Rodolfo Hub für den ersten take off vor.
Mit obigem Resultat.
Vom Tower sah das kurz vor sunset so aus:

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Äusserst passend, dass das MWP Team am Abend von der Fuerza zum Asado, dem argentinischen heavy duty Barbeque eingeladen war. Der erfolgreiche Tag fand so ein freundschaftliches und nahrhaftes Ende.

Schon um 7 hörte ich Rene heute früh vor sich hin murmeln. Er hatte den laptop angeworfen und kommentierte die ersten Wettermeldungen. Ein paar Stunden später würde er im Briefing gute Chancen für Wellen vorhersagen, allerdings mit möglicherweise schwierigem Einstieg, da der Wind erst über 4000m richtig blasen sollte.
Es war an mir diese Aussicht zusammen mit Klaus zu überprüfen. Um 13:40 hiess es "cleared for take off" und wir machten uns auf, die Wellen zu suchen, und zu suchen und noch weiter zu suchen.. Nothing, rien, nada. Die Thermik ging an seltsamen Stellen auf fünfeinhalb Kilometer, das Rütteln hin und wieder auch, aber mehr war nicht drin. Diesmal sah der grosse Berg wohl ziemlich spöttisch auf uns herab.

Aconcagua_PuVac_2874Aconcag_RH_585(wdh,R.Heise)

Mal sehen, ob Rene, der in der zweiten Schicht gestartet ist, seinen forecast noch retten kann.

Ab morgen soll's nämlich erstmal heiss und still werden, vielleicht die ideale Zeit um "in die Berge" zu fahren und Landefelder auszukundschaften....

Na, dann schau mer mal...


hasta luego,

Wolf-Dietrich
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Auf der Homebase..
"...das Team ist gelandet, wo bleibt die Stemme?..." so hiess es damals, Überschrift des ersten Berichts aus San Martin.

Mendoza ist anders!

DIe Stemme - unser Motorseglersensorträgerforschungsvehikel -

stand schon im Hangar als ich am Montag Abend kurz vor 7 aus dem AIrbus stieg. Und die Freunde standen hinter der Zollschranke. Rene war da, nach einer Reise über 2 Kontinente war er ebenso planmässig auf dem airport Plumerillo eingeschwebt, wie ein paar Stunden danach Klaus, der die Stemme in 5 Tagen von Buenos Aires herüber geflogen hatte. 1400 Kilometer, das spult er ja normalerweise an einem Wellenvormittag auf einer Backe ab - diesmal hat er's easy genommen, nix mit Welle, nur ein bisschen Thermik und ein anderes bisschen Rotax.

Recht zurückhaltend, ja buchstäblich bedeckt, zeigte sich der wichtigste Protagonist der MWP Operation Mendoza: der Aconcagua.
Weder Rene auf seinem Anflug von Norden und auch nicht Klaus von Süden her, noch ich, auf meinen Versuchen von Ost und West, konnte einen Blick auf unseren magic mountain werfen. Nicht auf seinen Gipfel jedenfalls. Als der Swiss Airbus im Anflug auf Santiago unter die geschlossene Wolkendecke getaucht war, zeigte er mir wenigstens kurz seine kalte (West-)Schulter.

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Mendoza ist anders!

Das Team -

ist gelandet. Bis auf Sensoträgerforschungsmessmeister Jörg und Technoexperte Rudi, die jetzt irgendwo über dem Pazifik schweben, sind alle da.
Heute haben wir auch schon das "Briefen" geübt, erstmal Rene und die Stühle, und dann wir alle zusammen.

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Davon gibt's auch ein movie. Solange wir aber die bits persönlich und von Hand in die Leitung stopfen müssen, kriegen wir das in nützlicher Frist nicht auf den Server. Unsere argentinischen Freunde sind aber mit allem Eifer dabei, eine schnellere Technik zu installieren.
Überhaupt: unsere Fuerza-Liaison! Mit den Augen muss man in ihrer Gegenwart vorsichtig sein! Sie lesen da mit untrüglichem Instinkt die geheimsten Wünsche heraus. Colonel Rodolfo Hub und Major Eduardo Alvarez, die beste connection, die wir uns hätten wünschen können. Sie schaffen es nicht nur seltene Steckdosen-Adapter und Sauerstoff-Dichtungen aus dem Ärmel zu schütteln, heute früh ( so gegen 3) rettete Major E, Klaus und Freund Marc auch vor einer bewaffneten Geiselnahme durch Interpol - aber das ist eine Geschichte, die muss man sich von den Bedrohten selbst erzählen lassen.

Mendoza ist anders!

Die Homebase, das Headquarter -

ist ja der militärische Bereich des zivilen Mendoza International Airport Plumerillo.
Wo sich täglich so zwischen 5 und 10 Airbüsser und Boeings bemühen, das Flair der grossen weiten (Pampa-)Welt heran zu schaffen und ab und zu mal ein fauchender Paris-Jet (weiss noch jemand, was das ist?) einen Kadetten der Escuela Bombardera zum Schwitzen bringt.
Wo sich die military gates für uns immer öffnen - auch wenn Rene hier noch kritisch prüft..

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Wo in einem Riesenhangar vor einer Mirage, einer F86 (yes, friends - believe it or not!) und einer A4 ein weisses Fluggerät von einem anderen Stern steht - und nach und nach alle Dienstgrade aus der Reserve lockt.

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Noch wird geputzt, eingebaut, umgebaut, angebaut, da stört uns d a s Ereignis der letzten Monate in Mendoza überhaupt nicht: es regnet.

Rene hat aber auf dem Satellitenbild schon die ersten Wolkenlöcher geortet, die sich morgen über uns öffnen sollen - und bis dann wird ja auch das ARTE TV Team hier sein.

hasta manana

Wolf-Dietrich
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In den Startlöchern..
1.Oktober

Die übliche Hektik vor dem Start. Überall fehlt irgendwas, vorallem die Zeit es noch zu besorgen, zu suchen, einzupacken, abzuholen, voraus zu schicken.
What else is new...kennen wir ja schon, war letztes Mal ja genauso.

Letztes Mal?
Das war vor sieben Jahren, wow! Mit Elan, Neugier, Abenteuerlust, Spannung ging's damals los:
Mit dem Mountain Wave Project (MWP) nach Argentinien, San Martin de los Andes, im nördlichen Patagonien.

Nördlich heisst in Argentinien näher beim Equator, also südlich eigentlich, von hier aus gesehen..

Anyway...
Diesmal geht's noch nördlicher (von Argentinien aus gesehen), Nach Mendoza, der Hauptstadt der Provinz Mendoza.
Liegt am Osthang der Anden, fast genau gegenüber Santiago de Chile, das also am Westhang liegt.
Dazwischen haben sich die Anden entfaltet, bis auf fast 7000m.
Und dort werden wir diesmal fliegen und forschen. Kurzinfo dazu hier, mehr dazu auf der MWP homepage (siehe oben).

Klaus (Ohlmann) ist schon drüben, wird wohl in diesen Minuten den Stemme Motor warm laufen lassen um dann von Buenos Aires nach Plumerillo zu fliegen. So heisst der Flughafen auf dem wir unser headquarter aufschlagen werden. Als Gast der argentinischen Air Force.

Rene wird am Sonntag, 1.10. vor dem ersten Hahnenschrei in Berlin in den Flieger steigen, ich am gleichen Tag nachdem der Hahn schon lange wieder eingeschlafen ist in Zürich ein-boarden und Jörg, unser Messmeister, fliegt mit Rudi, seinem Tech-Support, am 2. von Aussie-Land her an. Ach ja, Jürgen, unser Mediziner, der uns über Höhenkrankheit, Tangomania und Mate(Tee) - Metabolismus-Syndrom hinweg helfen soll, probiert den Absprung schon morgen.

na dann,

zurück zur Hektik

und

hasta entonces

Wolf-Dietrich

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Im Lee der Anden

..einfach phänomenal, was wir alles erlebt haben. Alle wollten davon hören, lesen.
da war klar: ich schreibe einen Artikel!

et voila...


mwp_pic4 Read More...
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