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Mar 2010

Der alte Apache



Er lag mehr als er stand, halbschräg hineingequetscht zwischen die Pfosten einer schmalen Einfahrt. Nach vorne gebeugt ließ er die linke Schulter hängen, was befürchten ließ, dass er jeden Moment zusammen brechen könnte. In seinem abgewetzten Mattschwarz steckte Resignation, vielleicht sogar Depression.

All dies Dunkle hatte meinen Blick angezogen, es bot eine bedrückend harmonische Kombination von Farbe, Stimmung und Objekt. Ich spürte aber auch einen sinistren Unterton. Es lag so eine verborgene Drohung in seinem Aussehen, die meine Phantasie anspornte sich auszumalen, wie er, unsichtbar in dunkler Nacht, durch die Strassen schlich auf der Jagd nach Beute.

Alles nur Tagträume?
Vielleicht, aber offenbar nicht nur meine: zwei Buschauffeure auf dem Weg ins Hotel machten einen respektvollen Bogen um den Alten, hielten immer Augenkontakt um sicherzustellen, dass er sie nicht mit seinem breiten Hinterteil anrempelte oder ihnen die Koffer weg riss.

Was er in seinem Zustand natürlich niemals hätte auch nur versuchen können.
Der alte Apache war schließlich ein schwer angeschlagener Chevy Pickup, Baujahr '66, der gerade auf einer halbambulanten Intensivstation versorgt wurde.

Ich hatte noch das Fotothema der letzten Woche im Kopf und da war mir der lahme Veteran sofort aufgefallen. Gab's da vielleicht noch mehr zu sehen? zu fotografieren?

Und ob!

Die beiden mecanicos zeigten mir stolz die frische Schweißnaht am rechten Längsträger und erzählten von der spannenden (kann ich mir vorstellen!), manchmal aber auch überraschend einfachen, Suche nach Ersatzteilen.
Und sie öffneten mir den Blick auf ihre Do-It-Yourself and Do-It-All - Werkstatt.

Anstatt eine halbe Stunde lang ihre lockere Offenheit zu nutzen und eine 1Giga-Karte mit Ansichten und Eindrücken voll zu schießen hörte ich mir dann ihre Geschichten an!

Mann oh mann - und den Blitz hatte ich auch nicht dabei!

Lesson 1: Nach dem handshake erstmal fotografieren - und danach quatschen!!
Lesson 2: Immer!! - Immer!! den Blitz auf die Kamera stecken - oder wenigstens dabei haben! Immer!

Ob Profis auch dieselben Fehler immer mal wieder machen?




Autoland Argentinien



Unter dieser Rubrik erschien vor ein paar Wochen eine Fotostrecke in der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel " Tanz um den Monolithen". Damit war das Verkehrschaos in Buenos Aires rund um den Obelisk auf der Plaza de la República gemeint, oder besser: die Vehikel mit ihren fahrigen Bewegungen, die dieses Chaos für Besucher irgendwie "spektakulär" machen. Das Stottern im Verkehrsfluss wurde mit dem Stottern der Autos in Verbindung gebracht: von Rostlauben, denen auch mal ein Kotflügel oder ein Scheinwerfer fehlt, wurde berichtet.

Die Schreibe war gehobenes Erstklässler-Niveau (" Stottern tun eben aber auch...." - Bild 14), die Recherche beschränkt.
Buenos Aires ist so repräsentativ für das "Autoland Argentinien" wie Grand Central Station in New York für das "Eisenbahnland USA".
Die Jungs - oder Mädels - hätten mal nach Patagonien kommen sollen um zu sehen, was da ausserhalb der gran ciudad über die schlaglöchrigen rutas der Nation hoppelt.
Auf einem kleinen Umweg zum supermercado bin ich zwei typischen Vertretern begegnet. (ach ja: ein leerer Behälter, Flasche, Eimer,.. auf dem Dach bedeutet hier: for sale - dort übrigens auch!)