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Mar 2008

Rhythmusstörungen

Schreib-Blockade oder Blog - ade?

Keines von beiden! - Wie viele von Euch wissen, war ich einfach auf Auslandsreise. Und um zwei Wochen in D und CH zu verbringen, ist man drei Wochen weg von San Martin. Dann braucht man noch ein paar Tage vorher um alles einzufädeln, zu packen und ein paar Wochen hinterher um sich wieder an den ritmo patagonico zu gewöhnen - und das bringt die bloggerei, jedenfalls so wie ich sie betreibe, etwas aus dem Tritt.
Na ja, die Welt ist deswegen nicht untergegangen und drängende, besorgte oder einfach nur neugierige E-mails habe ich dazu auch nicht bekommen. Was wiederum nicht viel bedeutet, da sich das feedback auf meine Schreiberei ohnehin mit minimalem Aufwand managen lässt.
Zurück zur Routine also, dachte ich mir, als ich nach langer Reise wieder in den Sommer zurückgekehrt war. Die aber wollte sich so schnell nicht wieder einstellen.
Schon nach ein paar Tagen in der Ferne war ich nämlich wieder in die ausgetretenen Furchen einer altgewohnten, nie in Frage gestellten "Normalität" geraten. Ich hatte mich wieder darauf eingestellt, dass Fahrpläne und Öffnungszeiten nicht nur bekannt sind, sondern auch eingehalten werden, dass ich das, was ich jetzt brauche, jetzt kaufe und das, was ich für einen Tag plane auch mit einiger Zuverlässigkeit erreiche. Meine Erwartungen orientierten sich wieder an den Erfahrungen, die ich über Jahre hinweg in dem gut geölten System Schweiz gemacht hatte.
Dieser Paradigmenwechsel hatte den Rückflug mit seinen zwei Transatlantiketappen ohne Schaden überstanden, hier in Patagonien wurde er dann allerdings mit einer anderen Version von "Normalität" konfrontiert.
So konnte ich erstmal überhaupt nicht verstehen, warum mein Auto nach drei Wochen Werkstattaufenthalt immer noch fahruntüchtig war. Dass so was hier eben vorkam, zum akzeptierten, manchmal auch unumgänglichen Lauf der Dinge gehörte, interessierte mich einfach nicht. Es ärgerte mich nur.
Daran änderte auch Diego nichts, der mir erklärte, dass das handgeschaltete Getriebe mein Detroit-Fließbandprodukt zu einem Liebhaberstück macht und Zahnräder dafür 'south of the border' kaum zu finden sind. Das hieß zurück zu den "Alternativen Verkehrsmitteln" (siehe dort) - auf unbestimmte Zeit - und damit zu reduzierter Mobilität, was schon mal einige Pläne über den Haufen warf.
Dann die Geschichte mit den "Büromöbeln".
Vierundzwanzig Stunden vor meiner Abreise war doch tatsächlich mein Umzugsgut noch eingetroffen. Es gab also zu tun: das mountain bike zusammen bauen, Stereoanlage in Betrieb nehmen und Computer, Drucker und Scanner installieren. Jetzt noch einen Tisch und ein Regal kaufen und wenigstens mein Arbeitsplatz ist ready to go. Etwas Passendes hatte ich in einem Büro in San Martin gesehen. Ich fragte die, die hinter dem Computer saß, wo man das kaufen könne. "Nicht hier, dafür müssen Sie schon nach Buenos Aires!" Wie bitte? Will die Senora mir etwa sagen, dass man 1500km fahren muss um einfache Büromöbel zu kaufen? Ja, das wollte sie, konnte mir aber auch noch eine andere Option anbieten: "Beim Schreiner dauert so was hier zwei bis drei Monate". Na super! Da war ich in kurzer Zeit in meiner alten Spur an zwei Prellböcke gefahren. Das System Argentina hatte mich in wenigen Tagen wieder auf die lokale Geschwindigkeit herunter gebremst.
Bis ich mich damit arrangiert hatte, mir wieder klar wurde, dass man im gemächlichen Trab die Details am Wegesrand besser sieht als im gestreckten Galopp, bis ich sozusagen zum zweiten Mal angekommen war, verging fast eine Woche.

Jetzt bin ich also wieder da...

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Vulkan Lanin

...und merke, dass das kurzfristige Hin und Her vom Sommer in den Winter und wieder zurück eine kontrastverschärfende Erfahrung ist. Obwohl die milden Temperaturen im Schweizer Februar den Übergang in den argentinischen Sommer eigentlich hätten erleichtern sollen, traf mich die Hitze hier mit voller Wucht. Aber nicht nur mich, auch die Einheimischen stöhnten alle. Niemand konnte sich an eine derart lange Phase von Temperaturen deutlich über 30 Grad erinnern, die Trockenheit war d a s Thema im Lokalradio. Auch Himmel und Erde zeigten sich von einer Seite, die mich an New Mexico erinnerte.

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Wolken am Nachmittag beim Flugplatz Chapelco - - - - - - und - - - - - - am Abend von der Veranda

Am Boden verdörrte das Gras, die Restfeuchte verzog sich in den Himmel, wo sie in immer wilderen Wolken hochschoss. Was leider ohne die erhofften Konsequenzen blieb: nur selten schafften es mal ein paar Tropfen aus dem Grauschwarz bis nach unten.
Und so kam, was kommen musste - auf ganz natürlichem Weg. Ein paar Blitze legten die Initialzündung und dann ging's los. Eines Abends ein bisschen Rauch, der sich am nächsten Morgen schon wieder verzogen zu haben schien. Dann half der Wind nach und am Nachmittag ging's richtig los.

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Waldbrand am Lago Lolog

Etwa zwanzig Kilometer war der Waldbrand entfernt, aber am zweiten Tag hatte ich die Asche auf der Veranda, den Rauchgestank im Haus und die Sicht war auf knapp fünf Kilometer gesunken.

Offenbar kannten die Indianer den richtigen Tanz, denn am nächsten Tag zog eine Front auf und brachte Regen, den ersten seit gut zwei Monaten. Und es goss, wusch den Dreck aus der Atmosphäre und half auch den Kämpfern an der Feuerfront der Lage langsam Herr zu werden. Etwas über 2000 Hektar Wald wurden zerstört, alle im Nationalpark Lanin.

Eine echte Entwarnung haben die zwei nassen Tage aber nicht gebracht. Inzwischen sind wir wieder im Modus "grand beau": herrliches Spätsommerwetter, bei 24 - 27 Grad.