Demnächst: Umzug nach Timbuktu
06/12/09 12:19 Filed in: Segunda Vida
"Sie finden Dein Leben in Argentinien ziemlich exotisch" wurde mir neulich über Verwandte aus Zürich und seiner Agglo berichtet.
Wow, auf "exotisch" wäre ich nie gekommen. Nichts sehe ich, fühle ich, erlebe ich hier als exotisch.
Ich bin nach wie vor von Europäern umgeben, freilich vor allem von solchen, die sich auf eine lockerere Lebensform eingelassen haben. Die hier leben, weil sie mit einem recht grossmaschig gehäkelten Regelkorsett und nur wenigen verpflichtenden Normen auskommen und nicht der Illusion erliegen mit einer geschickt kombinierten Policenauswahl liessen sich die Unwägbarkeiten des Schicksals kompensieren.
Und die Gegend hier, Patagonien, ist höchstens in der wörtlichen Übersetzung - und dann trivialerweise - exotisch: fremdländisch nämlich.
Das haben die Zürcher sicher nicht gemeint.
Die Steigerung von exotisch kam schon ein paar Wochen später während eines kurzen chats mit einem anderen Freund: "..wir leben hier viel irdischer als Du!" las ich da. Wenn ich das richtig verstehe dann wollte er sagen, dass ich weniger irdisch lebe, also irgendwie "un-irdisch", oder vielleicht sogar leicht ausser-irdisch.
Auf was habe ich mich da bloss eingelassen? Warum hat mir das niemand vorher gesagt?
Als ich mich vor zehn Jahren zur ersten Expedition des Mountain Wave Project nach Argentinien, nach Patagonien, ja genau nach dem San Martin de los Andes auf machte, wo ich jetzt lebe, fand das niemand exotisch, geschweige denn weniger irdisch.
Am Ort kann es also nicht liegen wenn meine Freunde mein Leben so anders ein- oder besser aus-ordnen. Das war mir natürlich klar.
Was sie wohl meinten brachte ein Bekannter aus Florida auf den Punkt: "Wolf, was sagen eigentlich Deine Freunde zu dem Leben, das Du führst? Mir scheint es echt interessant und spannend!"
Als ich ihm exotic und non-terrestrial (zu extra-terrestrial habe ich mich doch nicht verleiten lassen!) als Antwort anbot, kam sowas wie ein verhaltenes Lachen aus dem headset. "I didn't think it would be that bad" meinte er dann und schob nach: "This does not only tell me something about your friends but about you, as well, I'm afraid". Tim ist Engländer und sowas wie ein Lebensberater, da muss man hin und wieder mit leicht verbogenen Bemerkungen rechnen.
Immerhin hatte ich jetzt einen Gegenpol zu exotisch und weniger irdisch: interessant und spannend.
Wie relativ doch alles ist! Und um Tim's Worte zu gebrauchen: das sagt mir einiges über die Authoren dieser Kommentare. Und sie scheinen mir da plötzlich völlig verständlich, ja sogar logisch.
Aus Sicht der Freunde und Verwandten, die in solides Berufs- und Familienleben nach Schweizer Muster verstrickt sind, hat mein Leben etwas, das so garnicht ins Endemische, Heimische passt.
Für Tim dagegen, der vor 5 Jahren seinen gut bezahlten Sales-Job in England hingeschmissen hat und in Florida ein eigenes Business aufbaut, bin ich ja fast jemand aus der Clique, in der Begriffe wie Lust auf Neues, Offenheit und Abenteuer zu wichtigen Kategorien eines intensiv gelebten Lebens gehören.
Jetzt warte ich auf die Frage, wie ich selbst denn mein Leben sehe.
Das kommt darauf an!
Manchmal noch ein bisschen ala exotisch, immer öfter aber ala spannend, interessant. Offen, herausfordernd, "packend" füge ich da noch hinzu.
Ich spüre, wie sich meine Perspektive langsam aber bestimmt ändert. Die hiesigen Verhältnisse fordern diese Änderung nicht, sie fördern sie vielmehr.
Ich werde auch kein anderer durch diesen Sichtwechsel, ich werde mehr der, der ich bin.
Ein Filter, durch den ich mich sehe, verschwindet langsam, die Brillengläser verlieren etwas von ihrer Farbe.
"Die Landkarte ist nicht das Gebiet" hat ein Semantiker mal festgestellt. Als Metapher heisst das hier: das Gebiet, nämlich das Ich, ist nach wie vor dasselbe, die Landkarte ist allerdings etwas genauer geworden.
Auf der geografischen Landkarte liegt Timbuktu viel näher bei der Schweiz als San Martin. Auf dem Globus auch. Ist ein Leben dort deswegen auch näher an dem in der Schweiz?
Ich kann mir ohne grosse Anstrengung ausmalen wie Tim's Kommentar ausfällt, wenn ich nächstens bekenne, dass ich meinen Umzug nach Timbuktu plane.
Aber was die Schweizer dazu sagen, wenn ich wieder "in die Nähe" komme?
Keine Ahnung, mit "exotisch" und "ausser"-irdisch haben sie ihr Pulver ja schon weitgehend verschossen.
Freunde, das wars !
01/12/09 14:11 Filed in: photos of the
week
...so beginnen oft die letzten Sätze, die bye-bye's nach der Party, dem Fest oder Konzert.
Wenn ich diese Worte hier benutze, in einem Eintrag der Kategorie "Photos of the week", der üblicherweise ankündigt, dass ich neue Fotos hoch geladen habe, dann kann das eigentlich nur bedeuten, dass es nichts mehr Neues zu sehen geben wird. Insbesondere dann wenn die letzten Fotos schon fast 7 Wochen alt sind.
So "schlimm" muss es nicht kommen.
Der Aussetzer hatte nämlich nichts mit einer Lähmung meines Auslösefingers zu tun oder mit einer möglicherweise umfassenderen Störung meines psycho-physischen Systems. Auch meine antike (nach digitaler Zeitrechnung) Kamera, die gute alte D70, funktioniert noch einwandfrei.
Es ist einfach so, dass meine Gedanken mehr und mehr um das Nachfolgemodell vom gegenwärtigen "Wolfsview" - Setup kreisen. Und mit all dem was momentan noch so auf der to-do Liste steht bleibt da nicht mehr viel Energie für "den alten Senf".
Macht ja nichts, sage ich mir, es gab ja kaum Resonanz, weder in den "comments" noch in emails. Gross wird da die Enttäuschung wohl nicht sein.
Ein podcast aus einem ganz anderen Bereich hat mich dann plötzlich verunsichert: ich könnte mich da täuschen! Vielleicht gibt es doch mehr als nur ein paar "stille Geniesser" von photos of the week.
Und prompt kam dann - rein zufällig (wenn's sowas überhaupt gibt) - von einem alten Freund eine kurze Frage nach der nächsten Rate von photos... (Danke Charly!)
Das hat natürlich das Motivationsniveau wieder etwas gehoben.
Ich brauche aber noch zusätzlichen Schub um aus dem Knick zu kommen.
Und Ihr, Freunde, könnt diesen Schub liefern!
Wie ?
Ganz einfach: JETZT - JETZT - JETZT und HIER - HIER - HIER klicken
und damit für mehr photos of the week stimmen ! Als Belohnung gibt's den direkten link auf das letzte, jüngste, neueste Foto der Woche...;-)
Das ist alles!
Wer seinem Klick mehr Gewicht geben will: unter "comments" einen Kommentar, eine Bemerkung abliefern - wäre super, Wünsche und Kritiken werden berücksichtigt.
Wenn ich bis zum 2. Advent (13.Dez.) mindestens 30 Go's (da bin ich mal ganz bescheiden)bekomme geht's weiter mit den potw auf Wolfsview!
Also: KLICKEN!!! JETZT !!!!
PS: auch bei diesem Eintrag unter photos of the week gibt's natürlich einen link zu jüngsten Fotos, als letzte Stimulanz sozusagen.