Alternative Verkehrsmittel
22/12/07 18:58 Filed in: Segunda Vida
Für die Zeit zwischen den Festen wieder mehr zum
Lesen. Manchmal bleibt die Nikon eben zu hause, bzw.
im Rucksack - und das ist auch besser so...
Eines der Klischees, das die Vorstellung zu „Wohnen auf dem Golfplatz“ presto und pronto präsentiert, ist das von einem vornehmen Habitat in einer manikürten Landschaft, weit draußen. Der Verstand assoziiert dann alles Nötige dazu um ein konsistentes Bild von einer privilegierten Lebenssituation zu entwerfen. Dazu gehört auch Mobilität vom Typ Porsche Cayenne oder Daimler M-Klasse, damit das Attribut "weit draußen" nicht als suboptimaler Teil eines teueren Kompromisses erscheint. Der tägliche Shopping-Trip, der monatliche Konzertbesuch muss stilgemäss und ohne Abhängigkeit von öffentlicher Infrastruktur garantiert sein.
In dieses Klischee passt meine Wirklichkeit überraschend gut. Sogar dem automobilen Aspekt der populären Vorstellung werde ich annähernd gerecht: mit meinem dreizehn Jahre alten Ford Explorer bewege ich mich zumindest im richtigen Typensegment. Im Unterschied zur gängigen Erwartung fehlt mir zu dem 4x4 Veteran allerdings das sportlich-schicke Zweitgefährt, das unabhängige Fortbewegung auch dann sicherstellt, wenn die Familienkutsche mal beim Ölwechsel ist. Anstatt auf Boxster oder SLK umzusteigen muss ich mir dann echt was überlegen. Das war neulich der Fall. "Big Blue", wie ich den truck getauft hatte ("Celeste" war die Alternative, aber das klang mir dann doch zu französisch für eine so ur-amerikanische Maschine), sollte die erste Dosis seiner Verjüngungstherapie bekommen und musste dafür ein paar Tage zum mecanico. Gut, der Kühlschrank war voll, administrative Verpflichtungen gab es nicht und den Besuch im der Buchcafe hatte ich verschoben. Kein großer Transportbedarf also. Aber einmal musste ich ja vom mecanico nach "weit draußen", das zweite Mal von dort wieder zur Werkstatt. Der erste Trip verlief erstaunlich reibungslos. Zu Jorge per Big Blue, dann mit dem colectivo in die Stadt und von dort wieder zurück mit dem Bus Richtung Junin, dem nächsten Ort etwa 40 Kilometer östlich. Blieb nur noch den Chauffeur rechtzeitig zu warnen, dass er mich auf freier Strecke "am Golf" raus lassen soll. Vom Einfahrtstor bis zu meinem Haus ist es dann noch ein Spaziergang von 25 Minuten.
Es war natürlich die Fahrt in die Gegenrichtung, die die Herausforderung stellte. Eine Haltestelle gibt's da nicht und die Einfahrt zum Chapelco Golf liegt etwas zurück versetzt von einer kilometerlangen Geraden der Ruta 234, auf der alle noch mal voll Stoff geben bevor sie in die erste S-Kurve hinunter in das Tal von San Martin hinein bremsen. Ob da jemand einen einzelnen Anhalter sehen, geschweige denn für ihn bremsen würde? Ein Taxi aus San Martin kommen lassen war die letzte, aber auch teuerste Lösung, die ich auf Notfälle beschränken wollte.
Ich wanderte zum gate und holte mir bei Fernanda, die gerade Dienst hatte, Rat. "No problemo" meinte sie, " in 10 Minuten verlässt der micro (Kleinbus) Junin und braucht genau 18 Minuten bis hierher. Du stellst Dich vorne an die Strasse und winkst einfach - und bis dahin kannst Du Dich hier auf den Gästestuhl setzen und mit uns Radio übers Internet hören. Welche Musik magst Du denn?" Na gut, wenn das so einfach ist...
Nach 20 Minuten Salsa stellte ich mich Sonne und Strasse. Nach fünf weiteren Minuten kam ein alter Jeep aus dem Golf, bog ab Richtung San Martin und fuhr langsam auf mich zu. Ein braungebrannter Arm zeigte auf den Beifahrersitz. Ich schulterte meinen Rucksack, stapfte die Böschung hinauf und kletterte an Bord. So kam es mir jedenfalls vor. Der Oldtimer war himmelblau gestrichen, jawohl: gestrichen! und die Farbtränen liefen an allen Planken und Schotten runter. Echter Schiffstahl war überall dort eingeschweißt, wo der Zahn der Zeit die Originalteile abgenagt hatte und wie auf einem Boot gab es außer der Windschutzscheibe nichts, was man mit Kabine, oder Dach und so weiter hätte bezeichnen können. Nur der Überrollbügel aus armdickem Rohr störte die eher maritime Kulisse. Ich parkte meinen Rucksack auf einem Stahlseil und zwängte die Beine unter zwei Riesenlautsprecher, die von dem Instrumentenbrett-Ersatz herunter hingen. Sicherheitsgurte gab es nicht, braucht man auf Binnengewässern ja auch nicht. Bevor wir los fuhren blickte ich kurz zurück und sah Fernanda in der Loge fröhlich winken. Aha, da war also etwas Transport-Management im Spiel..
Und dann fuhren wir los. Bis auf 50 beschleunigte der Alte ganz kultiviert aber dann schienen wir auf eine Art Schallmauer zu treffen. Es fing an zu rütteln und schütteln, Vibrationen jagten durch das Chassis und ich war froh, dass der dicke Bügel direkt vor mir auch aus dem Schiffsbau stammte: ich hatte da etwas Massiv-Zuverlässiges, an das ich mich klammern konnte um nicht über "die Reeling zu gehen".
Nun waren es keine atmosphärischen Schockwellen, die den Jeep so außer Fassung brachten und auch der Straßenbelag konnte es nicht sein, da war nichts als glatter Asphalt. Aus dem entschlossenen Griff ums Lenkrad und der behutsamen Art, mit der mein Chauffeur vom Gas ging, schloss ich, dass ein Rad etwas außer Kontrolle geraten war, sich eine unglückliche Resonanz zwischen Flieh- und Feder(ungs)kräften entwickelt hatte, die die Harmonie des Fahrerlebnisses störte. Kaum hatte sich die störrische Vorderachse etwas beruhigt, spürte ich erneut den leichten Druck von Beschleunigung im Rücken und sah die Nadel im einzigen Instrument unter dem Windabweiser auf die 50 zu zittern. Ich kapierte: mein unerschrockener Pilot suchte ein zweites Mal das Loch in der Mauer - und wie durch ein Wunder fand er es. Ohne zu bocken schlüpfte unser Cabrio über die kritische Schwelle und kämpfte sich bis auf 73 Kilometer pro Stunde hoch. Alles war dandy. Der Fahrtwind brauste von oben um die Scheibe und von unten in das Hosenbein, die Sonne stach vom tiefblauen Himmel herunter, ab und zu stieg eine Schwade rußiger Auspuffgase hinter dem Schaltknüppel hoch und el chófer begann ein Liedchen zu pfeifen. Langsam begann ich mich zu entspannen, das Ganze als Beteiligter und Beobachter gleichermaßen zu erfahren. Ich war in eine andere Welt geraten, vielleicht auch nur an einen anderen Ort zu einer anderen Zeit: Hier und Jetzt. Es ging darum an ein Ziel zu kommen und die Fahrt, den Weg dorthin mit all seinen Facetten zu erleben. Keine Hintergedanken oder Beurteilung der Situation: ist das jetzt gefährlich, cool, illegal, blödsinnig, berauschend, es ist einfach. "Laissez faire" kam mir in den Sinn und mit diesem Ausdruck eine vage Erinnerung: der erste Aufenthalt an der Cote d'Azur, vor fast 40 Jahren. Wie entspannt man dort lebte - und vor allem Auto fuhr! Mit Karossen, die ich in Deutschland nie gesehen hatte und die dort wohl auch über Nacht aus dem Verkehr gezogen worden wären. Renaults und 2CV's bei denen alles abmontiert oder abgesägt war, was man nicht brauchte, oft inklusive der gepolsterten Stoffsessel, an deren Stelle man ein paar alte Gartenstühle auf den Boden geschweißt hatte. Damit fuhr man vom Strand zum Pastis, danach zur Disco und dann wieder zum Strand. Das Leben schien locker, direkt und unberührt von Erfindungen oder Bestimmungen, die es "sicher" machen sollten.
Die Parallelen waren unübersehbar. Hätte mir jetzt noch der Duft der Eukalyptus-Bäume entgegen geweht, Johnny Halliday aus dem Radio geschrieen und mein Fahrer eine Baskenmütze getragen...
Hat er aber nicht! Es war eine baseball cap der New York Yankees, die er sich gerade mal wieder umständlich mit beiden Händen tiefer ins Gesicht zog und dazu natürlich das Steuerrad los ließ. Als ob es in unserem Oldtimer einen Autopilot gegeben hätte. Dann segelten wir schaukelnd durch die berüchtigte S-Kurve. Wie wir das schafften ist mir immer noch ein Rätsel. Schon auf gerader Strecke ruderte mein capitán nämlich mit wilden Bewegungen am Steuer, ohne dass das die Fahrtrichtung merklich beeinflusst hätte. Die Lenkung musste ein Spiel von mindestens einer halben Lenkradumdrehung gehabt haben.
Schließlich näherten wir uns dem Ortsschild von San Martin und es war abzusehen, dass unser Ritt in der vibrationsarmen Zone bald ein Ende haben würde. Vor uns, wo bis vor kurzem noch Querwellen durch den Straßenbelag liefen, die bei passender Geschwindigkeit wie Sprungschanzen wirkten, hatten Bulldozer tiefe Längsgräben aufgerissen und nur noch eine schmale Fahrrinne freigelassen. Reisezeit ist auch in San Martin Straßenbauzeit. Der Abbremsvorgang verlief glatt und auch den Schüttelbereich hatten wir ohne Folgen durchstoßen und bewegten uns nun eigentlich auf Terrain, für das unser Gefährt mal gedacht war: langsame Gangart auf rauem, unbefestigtem Untergrund. Daran schien es sich aber im hohen Alter nicht mehr zu erinnern. Es bockte und sprang und jedes kurze Stück von Waschbrettbelag, diese harten Querrippen, die auch moderne Stossdämpfer ins Stottern bringen, ließ das Vorderrad aufs Neue ausrasten. Nun hatten wir in einer Kolonne auf enger Fahrspur nicht viel Handlungsspielraum. Señor New York Yankees bot alle Fahrkunst auf um den Abflug in den Strassengraben zu vermeiden. "Jimmie, Jimmie" rief er mir zu und wedelte mit beiden Händen, um zu erklären, mit welchen Schlotterbewegungen das Vorderrad ihm zu schaffen machte. Das Wort kannte ich. Zwischen Lenzburg und Aarau hatte es mir Ueli vor Jahr(zehnt)en erschrocken zugerufen, als uns der gezogene Segelflugzeuganhänger auf der Autobahn zu überholen versuchte und Jim in Great Barrington warnte mich damit, mit dem Golfcart beim Bier holen nicht zu schnell zu fahren. Nur hier und jetzt schien damit aber eine unmittelbare Gefährdung verbunden. Das sahen die anderen Verkehrsteilnehmer wohl ähnlich. Im Gegensatz zu der sonst üblichen Dränglerei hielten die anderen Fahrzeuge jetzt einen respektvollen Abstand. Da nahte die Rettung: das Ende der Baustelle. Die Erleichterung war spür- und hörbar, als der Jeep wieder auf den Asphalt hinauf hoppelte: Ich empfand wieder die Freude an entspanntem open air cruising und mein Fahrer begann eine neue Melodie zu pfeifen.
Kurz danach deutete er fragend auf eine Gebäude rechts der Strasse: " Mecanico?" Ich nickte. Wir waren bei Jorge angekommen. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, bedankte ich mich und wünschte ihm eine gute Fahrt. "Bis zu meinem mecanico" antwortete er und fügte grinsend hinzu," al final, no quiero acabar en la cuneta " - schließlich will ich nicht im Strassengraben landen.
Als ich bei Jorge durch das Tor trat, stand Big Blue noch genau dort, wo ich ihn vor drei Tagen abgestellt hatte. "Nur die Bremsen eingestellt und das Kühlwasser gewechselt" erklärte der Señor mit dem Luzerner Namen Schnarwiler und entschuldigte sich: " auf einen Schlag alles Notreparaturen - und morgen beginnt mein Weihnachtsurlaub!"
Da werde ich also im Januar nochmal auf alternative Verkehrsmittel zurückgreifen müssen. Wird sicher wieder spannend..
Eines der Klischees, das die Vorstellung zu „Wohnen auf dem Golfplatz“ presto und pronto präsentiert, ist das von einem vornehmen Habitat in einer manikürten Landschaft, weit draußen. Der Verstand assoziiert dann alles Nötige dazu um ein konsistentes Bild von einer privilegierten Lebenssituation zu entwerfen. Dazu gehört auch Mobilität vom Typ Porsche Cayenne oder Daimler M-Klasse, damit das Attribut "weit draußen" nicht als suboptimaler Teil eines teueren Kompromisses erscheint. Der tägliche Shopping-Trip, der monatliche Konzertbesuch muss stilgemäss und ohne Abhängigkeit von öffentlicher Infrastruktur garantiert sein.
In dieses Klischee passt meine Wirklichkeit überraschend gut. Sogar dem automobilen Aspekt der populären Vorstellung werde ich annähernd gerecht: mit meinem dreizehn Jahre alten Ford Explorer bewege ich mich zumindest im richtigen Typensegment. Im Unterschied zur gängigen Erwartung fehlt mir zu dem 4x4 Veteran allerdings das sportlich-schicke Zweitgefährt, das unabhängige Fortbewegung auch dann sicherstellt, wenn die Familienkutsche mal beim Ölwechsel ist. Anstatt auf Boxster oder SLK umzusteigen muss ich mir dann echt was überlegen. Das war neulich der Fall. "Big Blue", wie ich den truck getauft hatte ("Celeste" war die Alternative, aber das klang mir dann doch zu französisch für eine so ur-amerikanische Maschine), sollte die erste Dosis seiner Verjüngungstherapie bekommen und musste dafür ein paar Tage zum mecanico. Gut, der Kühlschrank war voll, administrative Verpflichtungen gab es nicht und den Besuch im der Buchcafe hatte ich verschoben. Kein großer Transportbedarf also. Aber einmal musste ich ja vom mecanico nach "weit draußen", das zweite Mal von dort wieder zur Werkstatt. Der erste Trip verlief erstaunlich reibungslos. Zu Jorge per Big Blue, dann mit dem colectivo in die Stadt und von dort wieder zurück mit dem Bus Richtung Junin, dem nächsten Ort etwa 40 Kilometer östlich. Blieb nur noch den Chauffeur rechtzeitig zu warnen, dass er mich auf freier Strecke "am Golf" raus lassen soll. Vom Einfahrtstor bis zu meinem Haus ist es dann noch ein Spaziergang von 25 Minuten.
Es war natürlich die Fahrt in die Gegenrichtung, die die Herausforderung stellte. Eine Haltestelle gibt's da nicht und die Einfahrt zum Chapelco Golf liegt etwas zurück versetzt von einer kilometerlangen Geraden der Ruta 234, auf der alle noch mal voll Stoff geben bevor sie in die erste S-Kurve hinunter in das Tal von San Martin hinein bremsen. Ob da jemand einen einzelnen Anhalter sehen, geschweige denn für ihn bremsen würde? Ein Taxi aus San Martin kommen lassen war die letzte, aber auch teuerste Lösung, die ich auf Notfälle beschränken wollte.
Ich wanderte zum gate und holte mir bei Fernanda, die gerade Dienst hatte, Rat. "No problemo" meinte sie, " in 10 Minuten verlässt der micro (Kleinbus) Junin und braucht genau 18 Minuten bis hierher. Du stellst Dich vorne an die Strasse und winkst einfach - und bis dahin kannst Du Dich hier auf den Gästestuhl setzen und mit uns Radio übers Internet hören. Welche Musik magst Du denn?" Na gut, wenn das so einfach ist...
Nach 20 Minuten Salsa stellte ich mich Sonne und Strasse. Nach fünf weiteren Minuten kam ein alter Jeep aus dem Golf, bog ab Richtung San Martin und fuhr langsam auf mich zu. Ein braungebrannter Arm zeigte auf den Beifahrersitz. Ich schulterte meinen Rucksack, stapfte die Böschung hinauf und kletterte an Bord. So kam es mir jedenfalls vor. Der Oldtimer war himmelblau gestrichen, jawohl: gestrichen! und die Farbtränen liefen an allen Planken und Schotten runter. Echter Schiffstahl war überall dort eingeschweißt, wo der Zahn der Zeit die Originalteile abgenagt hatte und wie auf einem Boot gab es außer der Windschutzscheibe nichts, was man mit Kabine, oder Dach und so weiter hätte bezeichnen können. Nur der Überrollbügel aus armdickem Rohr störte die eher maritime Kulisse. Ich parkte meinen Rucksack auf einem Stahlseil und zwängte die Beine unter zwei Riesenlautsprecher, die von dem Instrumentenbrett-Ersatz herunter hingen. Sicherheitsgurte gab es nicht, braucht man auf Binnengewässern ja auch nicht. Bevor wir los fuhren blickte ich kurz zurück und sah Fernanda in der Loge fröhlich winken. Aha, da war also etwas Transport-Management im Spiel..
Und dann fuhren wir los. Bis auf 50 beschleunigte der Alte ganz kultiviert aber dann schienen wir auf eine Art Schallmauer zu treffen. Es fing an zu rütteln und schütteln, Vibrationen jagten durch das Chassis und ich war froh, dass der dicke Bügel direkt vor mir auch aus dem Schiffsbau stammte: ich hatte da etwas Massiv-Zuverlässiges, an das ich mich klammern konnte um nicht über "die Reeling zu gehen".
Nun waren es keine atmosphärischen Schockwellen, die den Jeep so außer Fassung brachten und auch der Straßenbelag konnte es nicht sein, da war nichts als glatter Asphalt. Aus dem entschlossenen Griff ums Lenkrad und der behutsamen Art, mit der mein Chauffeur vom Gas ging, schloss ich, dass ein Rad etwas außer Kontrolle geraten war, sich eine unglückliche Resonanz zwischen Flieh- und Feder(ungs)kräften entwickelt hatte, die die Harmonie des Fahrerlebnisses störte. Kaum hatte sich die störrische Vorderachse etwas beruhigt, spürte ich erneut den leichten Druck von Beschleunigung im Rücken und sah die Nadel im einzigen Instrument unter dem Windabweiser auf die 50 zu zittern. Ich kapierte: mein unerschrockener Pilot suchte ein zweites Mal das Loch in der Mauer - und wie durch ein Wunder fand er es. Ohne zu bocken schlüpfte unser Cabrio über die kritische Schwelle und kämpfte sich bis auf 73 Kilometer pro Stunde hoch. Alles war dandy. Der Fahrtwind brauste von oben um die Scheibe und von unten in das Hosenbein, die Sonne stach vom tiefblauen Himmel herunter, ab und zu stieg eine Schwade rußiger Auspuffgase hinter dem Schaltknüppel hoch und el chófer begann ein Liedchen zu pfeifen. Langsam begann ich mich zu entspannen, das Ganze als Beteiligter und Beobachter gleichermaßen zu erfahren. Ich war in eine andere Welt geraten, vielleicht auch nur an einen anderen Ort zu einer anderen Zeit: Hier und Jetzt. Es ging darum an ein Ziel zu kommen und die Fahrt, den Weg dorthin mit all seinen Facetten zu erleben. Keine Hintergedanken oder Beurteilung der Situation: ist das jetzt gefährlich, cool, illegal, blödsinnig, berauschend, es ist einfach. "Laissez faire" kam mir in den Sinn und mit diesem Ausdruck eine vage Erinnerung: der erste Aufenthalt an der Cote d'Azur, vor fast 40 Jahren. Wie entspannt man dort lebte - und vor allem Auto fuhr! Mit Karossen, die ich in Deutschland nie gesehen hatte und die dort wohl auch über Nacht aus dem Verkehr gezogen worden wären. Renaults und 2CV's bei denen alles abmontiert oder abgesägt war, was man nicht brauchte, oft inklusive der gepolsterten Stoffsessel, an deren Stelle man ein paar alte Gartenstühle auf den Boden geschweißt hatte. Damit fuhr man vom Strand zum Pastis, danach zur Disco und dann wieder zum Strand. Das Leben schien locker, direkt und unberührt von Erfindungen oder Bestimmungen, die es "sicher" machen sollten.
Die Parallelen waren unübersehbar. Hätte mir jetzt noch der Duft der Eukalyptus-Bäume entgegen geweht, Johnny Halliday aus dem Radio geschrieen und mein Fahrer eine Baskenmütze getragen...
Hat er aber nicht! Es war eine baseball cap der New York Yankees, die er sich gerade mal wieder umständlich mit beiden Händen tiefer ins Gesicht zog und dazu natürlich das Steuerrad los ließ. Als ob es in unserem Oldtimer einen Autopilot gegeben hätte. Dann segelten wir schaukelnd durch die berüchtigte S-Kurve. Wie wir das schafften ist mir immer noch ein Rätsel. Schon auf gerader Strecke ruderte mein capitán nämlich mit wilden Bewegungen am Steuer, ohne dass das die Fahrtrichtung merklich beeinflusst hätte. Die Lenkung musste ein Spiel von mindestens einer halben Lenkradumdrehung gehabt haben.
Schließlich näherten wir uns dem Ortsschild von San Martin und es war abzusehen, dass unser Ritt in der vibrationsarmen Zone bald ein Ende haben würde. Vor uns, wo bis vor kurzem noch Querwellen durch den Straßenbelag liefen, die bei passender Geschwindigkeit wie Sprungschanzen wirkten, hatten Bulldozer tiefe Längsgräben aufgerissen und nur noch eine schmale Fahrrinne freigelassen. Reisezeit ist auch in San Martin Straßenbauzeit. Der Abbremsvorgang verlief glatt und auch den Schüttelbereich hatten wir ohne Folgen durchstoßen und bewegten uns nun eigentlich auf Terrain, für das unser Gefährt mal gedacht war: langsame Gangart auf rauem, unbefestigtem Untergrund. Daran schien es sich aber im hohen Alter nicht mehr zu erinnern. Es bockte und sprang und jedes kurze Stück von Waschbrettbelag, diese harten Querrippen, die auch moderne Stossdämpfer ins Stottern bringen, ließ das Vorderrad aufs Neue ausrasten. Nun hatten wir in einer Kolonne auf enger Fahrspur nicht viel Handlungsspielraum. Señor New York Yankees bot alle Fahrkunst auf um den Abflug in den Strassengraben zu vermeiden. "Jimmie, Jimmie" rief er mir zu und wedelte mit beiden Händen, um zu erklären, mit welchen Schlotterbewegungen das Vorderrad ihm zu schaffen machte. Das Wort kannte ich. Zwischen Lenzburg und Aarau hatte es mir Ueli vor Jahr(zehnt)en erschrocken zugerufen, als uns der gezogene Segelflugzeuganhänger auf der Autobahn zu überholen versuchte und Jim in Great Barrington warnte mich damit, mit dem Golfcart beim Bier holen nicht zu schnell zu fahren. Nur hier und jetzt schien damit aber eine unmittelbare Gefährdung verbunden. Das sahen die anderen Verkehrsteilnehmer wohl ähnlich. Im Gegensatz zu der sonst üblichen Dränglerei hielten die anderen Fahrzeuge jetzt einen respektvollen Abstand. Da nahte die Rettung: das Ende der Baustelle. Die Erleichterung war spür- und hörbar, als der Jeep wieder auf den Asphalt hinauf hoppelte: Ich empfand wieder die Freude an entspanntem open air cruising und mein Fahrer begann eine neue Melodie zu pfeifen.
Kurz danach deutete er fragend auf eine Gebäude rechts der Strasse: " Mecanico?" Ich nickte. Wir waren bei Jorge angekommen. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, bedankte ich mich und wünschte ihm eine gute Fahrt. "Bis zu meinem mecanico" antwortete er und fügte grinsend hinzu," al final, no quiero acabar en la cuneta " - schließlich will ich nicht im Strassengraben landen.
Als ich bei Jorge durch das Tor trat, stand Big Blue noch genau dort, wo ich ihn vor drei Tagen abgestellt hatte. "Nur die Bremsen eingestellt und das Kühlwasser gewechselt" erklärte der Señor mit dem Luzerner Namen Schnarwiler und entschuldigte sich: " auf einen Schlag alles Notreparaturen - und morgen beginnt mein Weihnachtsurlaub!"
Da werde ich also im Januar nochmal auf alternative Verkehrsmittel zurückgreifen müssen. Wird sicher wieder spannend..
Subprime lenting crisis..
16/12/07 10:52 Filed in: Segunda Vida
The plan was all set, the plan concerning accommodation, apartment, house, the place to stay that is. But then reality interfered. Sounds familiar? Well, I for one have experienced this often enough: life is what happens while you're making plans! And what happened was, that all three or four rental objects from which I wanted to pick my final residence had disappeared from the market - and nothing new had popped up.
Ok, for the first couple of days everything was cool, it was low season in San Martin and Claudia had no problems offering me one of her cabañas.
- - -
Claudia's "Cabañas del Bosque" - - - and my breakfast table there
During the preparation stage it had been Claudia, as well, who came up every other week with new ideas and possibilities for rental property and thus generated a sound optimism. Right after my arrival she hit the phone again and scanned her network of friends for new options. But this time it was different: whatever emerged popped like a soap bubble one tried to catch. Take the "dream-palace" for example (see also: " The Idea"):
The house on Tierra del Sol
up until now I hadn't been able to give up the dream of living in that house. Meanwhile the palace had been sold, but change of ownership was to take place only in March '08. Up to then, it belonged to one of Claudia's friends. So perhaps there was still a chance to spend a couple of months in an exquisite ambience. We set up a date to discuss if and how dream and reality could be merged. The place of the negotiations, the grandiose living room of the house up on the Tierra del Sol, renewed old desire, the first proposal for monthly rent payments confirmed old fears: 1800 US $ was way above my budget. The justification Angeles offered for this sum was to set a precedent for the weeks to come: "... if we rent to tourists we can get 4 - 500 US$ per week.." My question, whether she'd find enough tourists willing to pay that price for the entire period of November through February was left unanswered. Obviously, on Oct. 11, the day of our rendezvous, no reservations had been made.
Since nothing new showed up during the following week, Claudia began to get nervous. After all, a big weekend was about to come: official end of season, with lots of attractions, special events and one last run for slopes and accommodations. This was the big opportunity for all hotels and hosterias, which had not closed down yet, and all those, who had a free room to rent, to cash in one last time. And I was 'blocking' one of Claudia's two bedroom cabañas!
Just then, a friend of hers called up, indicating that her cabaña/vacation home had unexpectedly become available again. It wasn't going to be the final place for me, but at least a save haven until end of November. No use waiting any longer...
- - -
The second step: my little vacation home
This was the second step of my project called "settling in". The little house offered everything needed for a stay of several weeks and all the stuff I had brought in two suitcases fit in somewhere. But once - or if ?? - my shipment with computer, books, music, mountain bike showed up, I'd be quickly running out of space. And apart from that, for a long term habitat it lacked room, the inspiring corners, nooks and crannies, where work in progress and future challenges could unfold. The search had to go on.
After a timeout of two weeks I started again. I visited real estate agencies, Claudia started a new round of calls and Martin, a compatriot from Nuremberg, who owns and runs a hosteria in San Martin, also contributed tips and tricks for a more efficient search. "Thanks" to the level of my language skills the communication was at times difficult, interesting, embarrassing, quite often funny, too. Daniel, in his cupboard-size office, appeared disturbed during more important work than trying to find rental property for a newcomer. He tried to discourage me with unacceptably high rents and an almost arrogantly fast and barely audible way of talking. Karina used romantic photos of a snowed in little two room hut and a slightly blurred shot of an attractive woman (selfportrait?) to entice me to her offering of country living for 1000 US$ a month (broadband connection included). Pamela invited me spontaneously for a drive to the only 'rentable' object in her files after she learned, that I was one of the mad pilots, who surf on strange waves in the sky whenever the wind drives everybody else crazy.
- - -
the two room (skiing-?) hut - - - and the house that wasn't for rent - in the end
All these little adventures promised hope and kept me busy for a couple of days, but any prospect for something even remotely appropriate? no cigar!
And time was running out. Around Christmas the high season begins and that is the time when anything with a bed and a roof over it would be considered superb accommodation, command premium prices and nevertheless be picked up at first sight by the vacationers from Buenos Aires and abroad. I got nervous, as I couldn't imagine where new possibilities would come from. The real estate people were of no help, Claudia and Martin and their circle of friends hadn't produced anything either. A nice house for a week or two? to the tune of three or four hundred Dollars per? no problemo! but something for a little longer and little less? no señor! Obviously, everybody was holding out for the chance to make quick money over a short period of time and thus rather leave the house empty than committing to a longer-term rental.
On the market everything had become prime real estate. For me it had turned into a subprime-renting crisis.
To stand any chance at all I had to increase my budget.
And then, suddenly, things got rolling.
A friend of a friend of a friend... actually, it was a friend of the mother of Claudia's son Adriel's girlfriend - got it? - who apparently wanted to move to town from her house on a golf course about 10 miles east - and was looking for somebody to rent the house. Would I have any interest? Would I ? of course, I had to! For reasons explained above, it was unlikely that I'd be able to stay in my little vacation home into December. Two days later Claudia and I drove out to the Chapelco Golf & Resort, stopped at the gate and asked for directions to casa E24. I was excited. Chapelco Golf & Resort, I had found out, was a project of golf legend Jack Nicklaus and the British Taylor family. Grandpa Don Santiago Taylor had arrived in San Martin in 1918 and settled down on a ranch called " Estancia Chapelco". Both families had apparently gotten to know each other while being neighbours near Miami in Florida. About ten years ago they had started the project Golf and developed an 18-hole course (par 72, for those interested) with 430 private lots distributed over more than eleven hundred acres.
This wasn't a cheap neighbourhood. The residences reminded me of the beautiful house on the Tierra del Sol. Most of them showing off huge glass fronts, which opened up to a panoramic view spanning from "Chapelco Chico" in the south over the valley towards San Martin, the snow covered peaks at the Chilean border in the west to the local peak "Cerro Colorado" in the North. And among those "estates" there was allegedly something affordable? Hard to believe!
I relaxed as we entered the driveway to Virginia's casa. This was not one of those multi thousand square foot palacios, it seemed to be a cozy house in the local architectural style, in which each room sports his own roof. The view: nothing short of spectacular, the size: appropriate, the furniture: practical, the equipment: everything necessary available. Well, that's it, or what?
- - -
To each room his roof (1, 2, 3, 4, - incl kitchen) - - - eating, living and viewing
The days after this visit were spent discussing, negotiating, drafting contracts, organizing documents, moving money across the table, and - in the end - even signing all necessary papers. Quite an effort: different countries, different customs, in parts even different regulations - and in all these meetings I faced three (at minimum) women. When I drove up to our first encounter Adriel greeted me in the driveway of his mother-in-law to be (I translate loosely): " Hola Wolf, there's quite a bunch of women waiting for you in the living room! " This sounded jokingly admiring at first. But after three days of talking business it had acquired a different flavor: whew, these women sure use up a lot of ones energy resources...
But now I sit on the couch facing huge windows and while I'm typing into my laptop my glance wanders up to "Chapelco Chico", over to "Cerro Colorado".
"...on a lazy sunday afternoon.."
Now, what was that quote about planning ones life?
Never mind: in most cases the right things happen in life, despite all plans!
Immobilienkrise
10/12/07 13:41 Filed in: Segunda Vida
Geplant war es ganz anders! Das mit der Unterkunft,
der Wohnung, eigentlich: dem Haus. Aber ich kenn' das
ja schon: Leben ist, was passiert während man Pläne
macht. Und was passierte war, dass die drei oder vier
vorgesehenen Mietobjekte alle auf die eine oder
andere Art vom Markt verschwanden - und keine neuen
nachrückten.
Gut, der Einstieg war erstmal gesichert, da war ich in einer der cabañas von Claudia untergekommen.
- - -
Cabañas del Bosque, Claudia's Hosteria --- und mein Frühstück
Und Claudia war es ja auch, die in der Vorbereitungsphase immer wieder mit neuen Ideen überraschte und so für Optimismus gesorgt hatte. Kaum war ich angekommen hing sie schon am Telefon und durchkämmte ihr Netzwerk nach Optionen. Die tauchten auch immer wieder auf - wie Seifenblasen zerplatzten sie aber zuverlässig, sobald man sie greifen wollte.
Da war zum Beispiel das "Luftschloss" (siehe "Die Idee"):
Das Traumhaus auf den Tierras del Sol
insgeheim hatte ich den Traum in diesem Haus an diesem Ort zu wohnen, nie ganz aufgeben können. Zwar war der Palast inzwischen verkauft, gehörte aber bis März '08 noch einer Freundin Claudias - vielleicht gab es da ja noch eine Chance für eine mehrmonatige Wohn-Ouvertüre. Wir vereinbarten ein Rendezvous, um zu besprechen ob und wie man Wunsch und Wirklichkeit zusammen bringen könnte und trafen uns im Wohnsalon auf den Tierras del Sol. Der Verhandlungsort weckte wieder altes Verlangen, die ersten Mietvorschläge aber auch alte Befürchtungen: 1800 echte (US) $ pro Monat lagen weit ausserhalb meiner Reichweite. Die Begründung, die mir Angeles für die exorbitante Miete anbot, sollte zum Präzedenzfall werden: "..wenn wir (das Haus) an Touristen vermieten, können wir 4 - 500 US$ pro Woche verlangen." Die Frage, ob sie für das Haus während der ganzen Zeit, immerhin November bis Februar, zahlungskräftige und - willige Feriengäste finden würde, beantwortete sie mit Achselzucken. Am 11.Oktober, dem Tag unseres Treffens, hatte sie offenbar noch keine Anmeldungen...
Als sich dann während der folgenden Tage nichts weiter ergab, wurde Claudia langsam nervös, schliesslich stand ein Wochenende mit Grossansturm bevor: Saisonschluss am Chapelco (Skigebiet), der mit vielen Events spezielle Attraktionen bot. Da wollten alle Hotels, Herbergen und Hosterias, die bis jetzt durchgehalten hatten, nochmal abkassieren und natürlich auch diejenigen, die ein (Ferien-)Haus zu 'vermieten' hatten. Und ich 'blockierte' eine ihrer Vierbett-Hütten.
Da stellte sich plötzlich heraus, dass eine der früher anvisierten Möglichkeiten wieder verfügbar war: zwar nicht das Haus auf Dauer, aber sicher mal eine Unterkunft bis Ende November, also nix wie hin!
- - -
Schritt Nummer 2: das Ferienhaus
Ich war einen Schritt weiter im Projekt "Einleben". Das Ferienhäuschen hatte alles, was man so bei einem Aufenthalt von 2 bis 4 Wochen braucht, war ganz nett und das, was in meinen 2 Koffern Platz hatte, brachte ich auch hier unter. Aber irgendwann sollte da ja noch eine Kiste aus der Schweiz ankommen, mit Computer, Mountainbike, ein paar Büchern, etwas Musik. Da würde es dann doch sehr schnell sehr eng. Und für einen Lebensmittelpunkt - ich gehe hier schliesslich nicht jeden Morgen um 9 auf Arbeit und verbringe den grössten Teil des Tages in einem Büro - fehlten einfach Ecken und Räume, um alte Pläne zu verfolgen, auf neue Chancen einzugehen. Also weiter suchen.
Nach 2 Wochen TIme-out ging ich das Thema wieder an. Claudia schaltete sich ein, ich begann Immoblien-Büros aufzusuchen und auch Kompatriot Martin aus Nürnberg, der in San Martin eine Hosteria betreibt und mich nach unserer Fliegerexpedition vor acht Jahren kontaktiert hatte, lieferte ein paar Tips. "Dank" meiner Sprachkenntnisse war es mal schwierig, mal interessant, mal peinlich, oft auch lustig die Hinweise und Angebote zu verfolgen, die eher spärlich aus den veschiedenen Quellen tröpfelten. Daniel wirkte durch meine Anfrage eher gestört und versuchte mich mit Mangel an geeigneten Objekten, hohen Mieten und unverständlichem Nuscheln ab zu wimmeln, Karina wollte mich mit Fotos einer tief verschneiten Zweiraum-Hütte für 1000 US$ pro Monat (inklusive internet) und dem unscharfen Schnappschuss einer attraktiven Frau (Selbstportrait?) ködern und Pamela fuhr mich spontan zum einzigen (Miet-)Haus in ihren Akten, als sie hörte, dass ich einer der pilotos locos bin, die immer bei Frühlingssturm ohne Motor auf irgendwelchen ondas im Himmel surfen.
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Die Cabaña mit Seeblick(?) --- und das Haus, das schliesslich doch nicht vermietet wurde.
All diese kleinen Abenteuer gaben mir für ein, zwei Tage Hoffnung und hielten mich auf Trab, aber Aussicht auf eine etwas längerfristige Bleibe? Fehlanzeige!
Und die Zeit drängte, spätestens ab Weihnachten ist Hochsaison und dann wird den reichen Urlaubern aus Buenos Aires noch der letzte Schuppen für einen Haufen Peseten angeboten. Das fegt den Markt erst richtig leer. Ich wurde unruhig, da ich keinen anderen Weg sah um an neue Adressen zu kommen. Die Immobilarias hatten nichts und schienen an Vermittlung von Mietgesuchen wenig interessiert. Auch die privaten Kontakte über Claudia, Martin und deren Freunde und Freundesfreunde halfen nicht weiter. Eine Woche oder zwei? für je drei- oder vierhundert Dollar? no problemo! Aber länger für weniger? no señor! Langsam baute sich eine Krisenstimmung auf.
Um überhaupt eine Chance zu haben, musste ich wohl oder übel mein Budget nach oben anpassen.
Ja, und dann ging alles plötzlich ungewöhnlich schnell, für hiesige Verhältnisse. Eine Freundin der Mutter der Freundin von Claudias Sohn wollte angeblich ein Haus vermieten, etwa 15km ausserhalb, im Gelände des Golfplatzes. Ob ich Interesse hätte? Interesse hatte ich, musste ich haben, es war inzwischen Mitte November und mehr als fraglich ob ich im Dezember noch in Mima's Ferienhäuschen würde bleiben können. Zwei Tage später hielten Claudia und ich am frühen Abend an der Einfahrt zum Chapelco Golf & Resort und liessen uns von der Wachfrau erklären, wie man zum Haus E24 kommt. Ich war gespannt. Wie ich inzwischen heraus bekommen hatte, war der Chapelco Golf ein gemeinsames Projekt der Golflegende Jack Nicklaus und der britischen Familie Taylor, deren Grossvater Don Santiago Taylor 1918 nach San Martin de los Andes gekommen war. Die beiden Familien waren sich offenbar immobilienmässig in Miami näher gekommen und hatten sich geeinigt, auf dem Gelände der Estancia Chapelco von Don Santiago einen 18 Loch Golfplatz (par 72, für die, die es genau wissen wollen) zu bauen, über den 430 private Grundstücksparzellen verstreut sind.
Dass das hier keine Schrebergarten-Vorstadtsiedlung war, sah man sofort. Die "Residenzen" erinnerten mich eher an das Haus auf der Tierra del Sol. Die meist stattlichen Konstruktionen aus Holz und Stein hatten riesigen Glasfronten, die das Panorama vom "Chapelco chico" im Süden über das Tal nach San Martin und die Schneegipfel an der Grenze zu Chile im Westen bis zum Hausberg, dem Cerro Colorado im Nordwesten, auf die Fauteuils der "Livings" (argentinisch für Wohnzimmer ) fokussierten. Und hier sollte es etwas für mich geben? Als wir in die Einfahrt zu Virginias Haus einbogen, fasste ich wieder Mut. Ich sah keinen riesigen Palast, sondern ein nettes Haus, bei dem - wie das hier sehr verbreitet ist - jedes Zimmer sein eigenes Dach hat. Aussicht: spektakulär, Grösse: angemessen, Möblierung: praktisch, Ausrüstung: alles Nötige vorhanden. Das wär's doch, oder?
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Jedem Raum sein Dach: 1, 2, 3, 4 (incl. Küche) --- und el "Living" mit el "Eating", beide mit el Aussicht !
Die Tage danach haben wir diskutiert, verhandelt, Verträge aufgesetzt, Dokumente besorgt, Geld über den Tisch geschoben, am Schluss sogar unterschrieben. War ziemlich anstrengend; andere Länder, andere Sitten, anderes Recht auch - und immer saß ich drei Frauen gegenüber (mindestens!). Anfangs klang das ja noch lustig, als mich Adriel beim ersten Termin im Haus seiner künftigen Schwiegermutter mit den Worten begrüsste (ich übersetze mal salopp): " Hola Wolf, da wartet ein ganzer Haufen Weiber auf Dich! ", aber boah, auf die Dauer geht sowas an die Substanz!
Aber jetzt sitze ich in "meinem" Living und schaue zwischen den Sätzen, die ich in das powerbook tippe, immer mal hinüber zum Cerro Colorado, hinauf zum Chapelco Chico.
lazy sunday afternoon
Wie war das mit dem Leben? Meist passiert ja dann doch das Richtige, trotz aller Pläne!
Gut, der Einstieg war erstmal gesichert, da war ich in einer der cabañas von Claudia untergekommen.
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Cabañas del Bosque, Claudia's Hosteria --- und mein Frühstück
Und Claudia war es ja auch, die in der Vorbereitungsphase immer wieder mit neuen Ideen überraschte und so für Optimismus gesorgt hatte. Kaum war ich angekommen hing sie schon am Telefon und durchkämmte ihr Netzwerk nach Optionen. Die tauchten auch immer wieder auf - wie Seifenblasen zerplatzten sie aber zuverlässig, sobald man sie greifen wollte.
Da war zum Beispiel das "Luftschloss" (siehe "Die Idee"):
Das Traumhaus auf den Tierras del Sol
insgeheim hatte ich den Traum in diesem Haus an diesem Ort zu wohnen, nie ganz aufgeben können. Zwar war der Palast inzwischen verkauft, gehörte aber bis März '08 noch einer Freundin Claudias - vielleicht gab es da ja noch eine Chance für eine mehrmonatige Wohn-Ouvertüre. Wir vereinbarten ein Rendezvous, um zu besprechen ob und wie man Wunsch und Wirklichkeit zusammen bringen könnte und trafen uns im Wohnsalon auf den Tierras del Sol. Der Verhandlungsort weckte wieder altes Verlangen, die ersten Mietvorschläge aber auch alte Befürchtungen: 1800 echte (US) $ pro Monat lagen weit ausserhalb meiner Reichweite. Die Begründung, die mir Angeles für die exorbitante Miete anbot, sollte zum Präzedenzfall werden: "..wenn wir (das Haus) an Touristen vermieten, können wir 4 - 500 US$ pro Woche verlangen." Die Frage, ob sie für das Haus während der ganzen Zeit, immerhin November bis Februar, zahlungskräftige und - willige Feriengäste finden würde, beantwortete sie mit Achselzucken. Am 11.Oktober, dem Tag unseres Treffens, hatte sie offenbar noch keine Anmeldungen...
Als sich dann während der folgenden Tage nichts weiter ergab, wurde Claudia langsam nervös, schliesslich stand ein Wochenende mit Grossansturm bevor: Saisonschluss am Chapelco (Skigebiet), der mit vielen Events spezielle Attraktionen bot. Da wollten alle Hotels, Herbergen und Hosterias, die bis jetzt durchgehalten hatten, nochmal abkassieren und natürlich auch diejenigen, die ein (Ferien-)Haus zu 'vermieten' hatten. Und ich 'blockierte' eine ihrer Vierbett-Hütten.
Da stellte sich plötzlich heraus, dass eine der früher anvisierten Möglichkeiten wieder verfügbar war: zwar nicht das Haus auf Dauer, aber sicher mal eine Unterkunft bis Ende November, also nix wie hin!
Schritt Nummer 2: das Ferienhaus
Ich war einen Schritt weiter im Projekt "Einleben". Das Ferienhäuschen hatte alles, was man so bei einem Aufenthalt von 2 bis 4 Wochen braucht, war ganz nett und das, was in meinen 2 Koffern Platz hatte, brachte ich auch hier unter. Aber irgendwann sollte da ja noch eine Kiste aus der Schweiz ankommen, mit Computer, Mountainbike, ein paar Büchern, etwas Musik. Da würde es dann doch sehr schnell sehr eng. Und für einen Lebensmittelpunkt - ich gehe hier schliesslich nicht jeden Morgen um 9 auf Arbeit und verbringe den grössten Teil des Tages in einem Büro - fehlten einfach Ecken und Räume, um alte Pläne zu verfolgen, auf neue Chancen einzugehen. Also weiter suchen.
Nach 2 Wochen TIme-out ging ich das Thema wieder an. Claudia schaltete sich ein, ich begann Immoblien-Büros aufzusuchen und auch Kompatriot Martin aus Nürnberg, der in San Martin eine Hosteria betreibt und mich nach unserer Fliegerexpedition vor acht Jahren kontaktiert hatte, lieferte ein paar Tips. "Dank" meiner Sprachkenntnisse war es mal schwierig, mal interessant, mal peinlich, oft auch lustig die Hinweise und Angebote zu verfolgen, die eher spärlich aus den veschiedenen Quellen tröpfelten. Daniel wirkte durch meine Anfrage eher gestört und versuchte mich mit Mangel an geeigneten Objekten, hohen Mieten und unverständlichem Nuscheln ab zu wimmeln, Karina wollte mich mit Fotos einer tief verschneiten Zweiraum-Hütte für 1000 US$ pro Monat (inklusive internet) und dem unscharfen Schnappschuss einer attraktiven Frau (Selbstportrait?) ködern und Pamela fuhr mich spontan zum einzigen (Miet-)Haus in ihren Akten, als sie hörte, dass ich einer der pilotos locos bin, die immer bei Frühlingssturm ohne Motor auf irgendwelchen ondas im Himmel surfen.
Die Cabaña mit Seeblick(?) --- und das Haus, das schliesslich doch nicht vermietet wurde.
All diese kleinen Abenteuer gaben mir für ein, zwei Tage Hoffnung und hielten mich auf Trab, aber Aussicht auf eine etwas längerfristige Bleibe? Fehlanzeige!
Und die Zeit drängte, spätestens ab Weihnachten ist Hochsaison und dann wird den reichen Urlaubern aus Buenos Aires noch der letzte Schuppen für einen Haufen Peseten angeboten. Das fegt den Markt erst richtig leer. Ich wurde unruhig, da ich keinen anderen Weg sah um an neue Adressen zu kommen. Die Immobilarias hatten nichts und schienen an Vermittlung von Mietgesuchen wenig interessiert. Auch die privaten Kontakte über Claudia, Martin und deren Freunde und Freundesfreunde halfen nicht weiter. Eine Woche oder zwei? für je drei- oder vierhundert Dollar? no problemo! Aber länger für weniger? no señor! Langsam baute sich eine Krisenstimmung auf.
Um überhaupt eine Chance zu haben, musste ich wohl oder übel mein Budget nach oben anpassen.
Ja, und dann ging alles plötzlich ungewöhnlich schnell, für hiesige Verhältnisse. Eine Freundin der Mutter der Freundin von Claudias Sohn wollte angeblich ein Haus vermieten, etwa 15km ausserhalb, im Gelände des Golfplatzes. Ob ich Interesse hätte? Interesse hatte ich, musste ich haben, es war inzwischen Mitte November und mehr als fraglich ob ich im Dezember noch in Mima's Ferienhäuschen würde bleiben können. Zwei Tage später hielten Claudia und ich am frühen Abend an der Einfahrt zum Chapelco Golf & Resort und liessen uns von der Wachfrau erklären, wie man zum Haus E24 kommt. Ich war gespannt. Wie ich inzwischen heraus bekommen hatte, war der Chapelco Golf ein gemeinsames Projekt der Golflegende Jack Nicklaus und der britischen Familie Taylor, deren Grossvater Don Santiago Taylor 1918 nach San Martin de los Andes gekommen war. Die beiden Familien waren sich offenbar immobilienmässig in Miami näher gekommen und hatten sich geeinigt, auf dem Gelände der Estancia Chapelco von Don Santiago einen 18 Loch Golfplatz (par 72, für die, die es genau wissen wollen) zu bauen, über den 430 private Grundstücksparzellen verstreut sind.
Dass das hier keine Schrebergarten-Vorstadtsiedlung war, sah man sofort. Die "Residenzen" erinnerten mich eher an das Haus auf der Tierra del Sol. Die meist stattlichen Konstruktionen aus Holz und Stein hatten riesigen Glasfronten, die das Panorama vom "Chapelco chico" im Süden über das Tal nach San Martin und die Schneegipfel an der Grenze zu Chile im Westen bis zum Hausberg, dem Cerro Colorado im Nordwesten, auf die Fauteuils der "Livings" (argentinisch für Wohnzimmer ) fokussierten. Und hier sollte es etwas für mich geben? Als wir in die Einfahrt zu Virginias Haus einbogen, fasste ich wieder Mut. Ich sah keinen riesigen Palast, sondern ein nettes Haus, bei dem - wie das hier sehr verbreitet ist - jedes Zimmer sein eigenes Dach hat. Aussicht: spektakulär, Grösse: angemessen, Möblierung: praktisch, Ausrüstung: alles Nötige vorhanden. Das wär's doch, oder?
Jedem Raum sein Dach: 1, 2, 3, 4 (incl. Küche) --- und el "Living" mit el "Eating", beide mit el Aussicht !
Die Tage danach haben wir diskutiert, verhandelt, Verträge aufgesetzt, Dokumente besorgt, Geld über den Tisch geschoben, am Schluss sogar unterschrieben. War ziemlich anstrengend; andere Länder, andere Sitten, anderes Recht auch - und immer saß ich drei Frauen gegenüber (mindestens!). Anfangs klang das ja noch lustig, als mich Adriel beim ersten Termin im Haus seiner künftigen Schwiegermutter mit den Worten begrüsste (ich übersetze mal salopp): " Hola Wolf, da wartet ein ganzer Haufen Weiber auf Dich! ", aber boah, auf die Dauer geht sowas an die Substanz!
Aber jetzt sitze ich in "meinem" Living und schaue zwischen den Sätzen, die ich in das powerbook tippe, immer mal hinüber zum Cerro Colorado, hinauf zum Chapelco Chico.
lazy sunday afternoon
Wie war das mit dem Leben? Meist passiert ja dann doch das Richtige, trotz aller Pläne!