Sie liebt mich....
Sie liebt mich nicht...
Sie liebt mich...
Anstatt Blätter aus der Blüte zu zupfen um den Stand ihrer Zuneigung zu bestimmen lege ich vorsichtig Haar um Haar von links nach rechts über die kaum sichtbare Linie, die mal mein Scheitel war.
Vor drei Monaten war das noch unmöglich. Die längsten Stoppel waren 5mm, präzise getrimmt von Javier's Haarschneide-máquina.
Dann fragte sie mich eines Abends:" Wo ist eigentlich Dein Haar? Lass' es mal wachsen, ich will da mal hineinlangen!"
Wie bitte?
Ok, weiblicher Charme schaffte mich - aber erst als ich Agustina zu einer Stimulationsmassage überredet hatte, mit der sie die schlummernden(?) Wachstumsprozesse heraus fordern sollte.
Nach sechs Wochen gab's den ersten kritischen Kommentar, aus berufenem Mund: " Das steht Dir, aber da fehlt noch viel..."
Die Stimmen einer impromptu Jury aus alten Abiturkollegen zwei Monate später klangen indifferent - bestenfalls! - womöglich weil das stilbewusste weibliche Element fehlte?
Es muss der Zeitraffer-Effekt gewesen sein, der dann plötzlich den Durchbruch brachte.
"Que bueno!" war die Begrüssung, als ich nach meiner Reise wieder in den sozialen Zirkel eintrat.
"Carito war auch ganz weg, viel jünger, attraktiver siehst Du aus... und Celi, Josefina, Damasia, alle sind begeistert!"
Ich komme mir vor wie eine verzweifelte Kopie eines alternden Rockstars und mein Fan-Club ist aus dem Häuschen?
Was geht da ab?
Könnte mir eigentlich egal sein, die Damen sind alle unter 40, sind alle Argentinierinnen, fahren also voll auf das Wichtige ab: cooles Aussehen, cooler Kopfschmuck, vor allem....
Gewissse Zweifel am Schmeichelfaktor von Veronica et al kommen mir allerdings immer beim Rasieren, wenn ich die neue spärliche Pracht so nahe im Spiegel vor mir sehe - und mich dann an die leicht ironisch schmunzelnden Blicke und Gesten von Maggie, Melanie und Christina in Zürich erinnere.
Drei Gin Tonic's in relaxtem Ambiente brachten mich schliesslich der Erleuchtung näher - oder besser: der Ernüchterung.
Hinter den Komplimenten steckten keine geheimen patagonischen Sexualphantasien, die mit der Anziehungskraft eines wild bezottelten Wolfs spielten. Es war viel banaler, leider: einmal mehr kam der kulturell-historische Hintergrund ins Spiel.
" Kurze Haare, ordentlicher Schnitt, präziser Scheitel, das sind die Militärs, die Quadratschädel! Niemand will mit solchen Köpfen was zu tun haben; die hacken dir doch nur die Finger ab wenn du mit ihnen durch ihre Bürstenhaare fährst!" klärt mich Agu auf und testet meine Strähnen.
Das alte Trauma!!
In den Massakern der Todesschwadronen der Militärjuntas vor allem gegen die linke Opposition in den sieben Jahren nach 1976 "verschwanden" über 30 Tausend Menschen, verdächtig war man schon wenn man einen Bart trug...
Das kann niemand vergessen, daran will aber auch niemand dauernd erinnert werden.
Kein Wunder, dass sich da Sympathien für eine andere Haartracht entwickeln.
Die einzige Gruppe, die sich auch hier mehr am internationalen "Standard" orientiert als an Assoziationen zur jüngsten Geschichte, ist die der Architekten und Vernissagen-Hüpfer: glattrasiert und schwarz von Kopf bis Fuss, weltweit geforderter Muss-Dress der "Kreativen".
Ich werde also Javier und seine 5mm máquina noch etwas warten lassen und mir im Gegenzug lieber noch ein paar Stimulationsmassagen verpassen lassen!
Liebt sie mich nun... oder nur mein Haar?
STANDBY
"Stand-By"
hätte der Titel eines Eintrags heissen sollen, den ich vor fast zwei Monaten schreiben wollte. Auf Deutsch: "Etwas Geduld bitte!".
Das wäre dann ein unverbindlicher Hinweis darauf gewesen, dass mit einer endlichen Sendepause auf WolfsView zu rechnen sei.
Die Chance das so locker anzukündigen habe ich verpasst, vor lauter Spannung ob das mit dem Standby wirklich klappen würde. Dem echten Standby..
Ich war nämlich mal wieder unterwegs.
Den Pflichtbesuch in Europa wollte ich kombinieren mit einem "Abstecher" nach Colorado und Vermont um dort Freunde zu besuchen. Terminwünsche und Flugpläne in die Budgetvorgaben zu zwängen kostete mich einige Nachtschichten im internet. Als ich dann alles so einigermassen auf die Reihe gebracht hatte tauchte der Euro ab und zog den Abstecher gleich mit.
Dass der dann wie eine Luftblase wieder hoch blubberte verdanke ich einem Epson Grossformatdrucker.
Eliseo, dem dieses Wunderteil gehört, hatte mich eingeladen ein paar meiner Fotos in anständiger Grösse zu drucken. Und während der Druckkopf hin und her raste und Picoliter der teueren Tinte auf noch teuereres Papier spritzte, erzählte mir 'Seo von seiner bevorstehenden Reise nach Seattle und New York und von Pablo, der ihm billige Standby Tickets organisiert.
Zwei emails und drei skype-chats später war eine neuer Plan geboren.
Ein ziemlich kurioser, diktiert von den Regeln des Reisens im Standby Modus - denen von American Airlines in diesem Fall.
Unterm Strich bot mir Pablo mehr Abenteuer für weniger Geld an - wer kann da schon widerstehen?
Dass dann auch noch mehr Luxus ins Spiel kam war echt cool.
Wofür Pablo nichts konnte war die unerwartete Verlängerung meines Trips. Die hatte mit Standby nämlich nichts zu tun, ist aber schuld daran, dass es noch ein paar Wochen länger gedauert hat, bis ich mich hier wieder melde. Sie hat also noch ein Extra an Geduld verlangt, oder auf Englisch: ein Extra an "Stand-By".
PS: gelegentlich hat mir die "By-Standerei" auch unerwartete Erlebnisse und Einsichten gebracht. Eine(s) davon in der nächsten Story, die ein Feature der kommenden Wolfsview Inkarnation einführt: den Mix von Artikeln auf Deutsch und Englisch.
Biscuit or Bagel ?
"Biscuit or bagel, butter or jam, water or juice?"
The words came out of her mouth as if she had swallowed a questioning machine: fast, monotonous, with a hollow, metallic sound. Then she stared at me waiting for an answer - three answers actually.
With the air rushing by at 485 miles per hour, barely one foot from my ears, I understood only half of her rap and had to ask her to repeat.
"Biscuit or bagel, butter or jam, … " she played the same soundtrack once more. Her face showed more than a touch of annoyance: Can't this guy hear me? Can't he just make up his mind, like right now? she seemed to think. With a brisk motion she dropped the breakfast tray with my selection on the foldout table and turned away.
Wow, what was that?
A new version of "Something Special In The Air"?
She couldn't possibly have been exhausted when she came to me. After all I was sitting in 3A and that made me her first customer, or client, or victim perhaps? 3A on this old MD80 was the foremost window seat, in First Class.
Yeah, you got it: I was flying First Class from Dallas to Denver.
I always fly FIrst Class - no more of this " buy your own water"-crap in Eco…
Just kidding, of course - but this time I really was flying in First.
Why and how? well, this is another story.
Anyway, I was somewhat confused, a little annoyed and definitely disappointed. What happened to the always friendly, most often even cheerful cabin crew? It was an eight AM flight, most likely the first departure of the day, but is that an explanation or excuse for almost rude behavior?
Was there possibly more blowing off than just temporary bad temper?
I had come into Dallas on an overnighter from Buenos Aires. Through the whole immigration shenanigans I had passed quickly, no grumpiness there. But then, out in the never ending corridors connecting hundreds of Terminals and Concourses with thousands of Gates, I sensed it again: a decidedly depressed, almost morose, undercurrent seemed to be flowing everywhere. People had sadness on their faces, worries in their eyes, they were hunched over half-empty paper-cups, talked absentmindedly into cellphones, dragged themselves and overstuffed carry-ons through the aisles. Their posture slouched, their movements jumpy, out of sync.
Nothing natural, fluid, much less elegant in their gestures.
An announcement added an aural aspect to that unexpected scene: " To all passengers: the level of security is orange…."
Was it the "security" which made everybody so preoccupied? the old American paranoia, the widespread fear of conspiracies?
I thought about it and then I realized: " It's the economy, stupid!"
Of course! All these confused ghosts were running around in stiff business attire, trying to project a busy-ness through clothing, accessories and behavior. How could I not have seen that right away?
It appeared as if everybody was driven by external demands - and internal fear of not meeting, not satisfying them.
Suddenly everything seemed obvious and consistent.
Obvious? Well, seen through my glasses, anyway, glasses which carried a distinct South American tint.
Had it perhaps always been like this?
Was it only a change in my angle of view after almost three years in Argentina which made this scene seem so unreal, so distinctly non-American?
Whatever it was - it definitely gave another spin to "Argentina is everywhere"
Argentinien ist überall
Ob es an der Inflation liegt? Oder am dünnen Papier? Oder an den löchrigen Hosentaschen?
Es fehlen einfach überall die monedas - Moneten. Damit sind hier nicht nur die kleinen, dünnen Hilfstaler gemeint, für die man fast nichts mehr kaufen kann, sondern auch die ausgefransten Scheine mit einem Wert von 20 Pesos und darunter. Besonders der Zweier, der kleinste Lappen, fehlt eigentlich immer.
An vielen Kassen klebt deswegen ein Fetzen Papier auf dem steht: No hay monedas! Was soviel bedeutet wie: Kein Wechselgeld, kaufen auf eigene Gefahr! Wenn Du das Kleingeld nicht passend hast kostet's entweder mehr oder Du kriegst anstelle Kleingeklimper in weicher Währung eine Handvoll harte caramelos (Bonbons) heraus.
Im "cole" (-ctivo), dem öffentlichen Bus, funktioniert das natürlich nicht. El chofer (der Chauffeur - die französischen Einwanderer lassen grüssen) hat keine caramelos und wenn seine Fahrgäste keine monedas mitbringen hat er auch davon keine. Dass er komplett blank ist kommt allerdings selten vor. Irgendwelche Pesitos und Centavos kugeln immer irgendwo rum. Die richtigen zu finden ist die Kunst. Kommt jemand, sagen wir mit einem Fünfer, dann fängt das Suchen nach dem Dos Pesos meist in einem Bündel von Scheinen an, das mit einem Gummibändel zusammen gehalten wird und links im Lüftungsgrill unter der Scheibe klemmt.
Und weil das dauern kann, fährt Capitan Facundo schon mal los.
Danach geht's in das Bastkörbchen, ausgeschlagen mit einem Rest Wachstuch, neben dem Schaltstock. Dort tummeln sich die 5er, 10er, 25er, 50er Knöpfe und die silbrig umrandete Ein-Peso Münze. Mit wirbelnden Fingern versucht der conductor die richtigen herauszusortieren, schiebt mit der Fertigkeit eines Taschenspielers die Chips hin und her unterbricht seine Suche nur wenn er mal kurz schalten muss. Wenn auch das ohne passenden Fund blieb fingert er nach seiner privaten Geldbörse. Um dazu an seine Gesäßtasche zu kommen muss er sich leicht aus dem Sitz stemmen. Dass er das schafft ohne dass der Uralt-Mercedes auch nur eine Sekunde aus Takt oder Richtung kommt, beweist sein Talent im Multitasking: Das Herumstöbern nach Wechselgeld ist Subroutine, im Hauptprogramm manövriert er ja den klapprigen Bus. In einer Staubwolke mit Sicht nahe Null fädelt er ihn in den ungezähmten Verkehr auf der Ruta 234 ein. Kurz danach bremst er aus voller Fahrt wieder herunter und dirigiert den Veteran durch Fußgänger, Schulkinder, Radfahrer und Gauchos hoch zu Ross über das holprige Bankett zielsicher zum nächsten Haltestellen-Hüttchen. Alle diese Kunststückchen für den Preis eines "Langstrecken-Tickets" von 50 Schweizer Räppchen, das bekommt man sonst nirgendwo geboten.
Sicher nicht in Colorado, wo ich den öffentlichen (RTD) Bus immer benutze, wenn ich vom Denver International Airport hinaus nach Boulder fahre. Die Strassen sind alle top, der Verkehr wohlgeordnet, Pferde im Gegenverkehr unbekannt und Probleme mit der Sicht gibt's höchstens, wenn ein Blizzard genau dann loslegt, wenn ich schon gelandet aber noch nicht "zuhause" bin.
Es ist eben alles typisch "Primer Mundo" - Erste Welt: bestens organisiert im Vertrauen auf das perfekte Zusammenspiel von erstklassiger Infrastruktur und zuverlässiger Technik. Virtuoses Improvisieren wie es Facundo und seine Kollegen so gut beherrschen ist nicht gefragt.
Kleine Unregelmäßigkeiten führen da schon mal zu unerwarteten Komplikationen.
Wie bei meinem letzten Besuch.
Da war ich mit schwerem Gepäck unterwegs und hatte deshalb Fahrplan und -preis vorab recherchiert. Mit Rucksack am Rücken, Stativsack über der Schulter und Kameratasche und Koffer in den Händen wollte ich mir last minute trouble ersparen.
Der freundliche alte Herr am Schalter von Welcome to Colorado zeigte mir den Weg zur platform 6a, von wo mein Bus in 10 Minuten abfahren sollte. 18 Dollar einfach, bestätigte er und ja, ich kann beim Fahrer zahlen.
Pünktlich rollt RTD 816 an. "Boulder Turnpike, Louisville, Broomfield, Boulder last", damit will der driver Ordnung in die Gepäckver - und später -entladung bekommen. Wir reihen uns ein, zuerst draußen mit unseren Koffern, dann beim Einstieg mit unseren Dollars. Ich bin der letzte und reiche ihm meine 20er Note, die ich mir vorher in die Tasche gesteckt hatte. Ohne aufzusehen deutet er auf die kleine Maschine neben sich. Ich entfalte den Schein, schiebe ihn in den Schlitz, die Maschine zieht ihn rein, stößt ihn wieder aus. Ich probiere noch mal, diesmal Zahl nach oben: gleiches Resultat. Mister driver blickt auf: " Sorry, nur genauer Fahrpreis in Fünf-Dollar Noten oder kleiner! ". Habe ich nicht, ob er mir wechseln kann? Nein, erstens kann er nicht und wenn er könnte dürfte er nicht.
Was machen wir jetzt?
Ich habe eine Idee: " Kann ich beim Aussteigen zahlen? Ein Freund holt mich ab und hat es sicher passend?"
"Geht nicht! Wenn ein Kontrolleur kommt und Sie ohne Ticket erwischt zahlen Sie den Fahrpreis und 50 Dollar extra!"
Typisch Dienst nach Vorschrift.
Aber dann bietet er doch noch eine Art Kompromiss an: " Sie können mitfahren, aber auf eigenes Risiko!" Dieses Risiko gehe ich ein - andere Optionen sehe ich gerade nicht, nach 40 Stunden Reisezeit bröckelt meine spontane Kreativität gerade etwas ab.
Unsere Verhandlung hatte die Abfahrt leicht verzögert - kein Multitasking hier - und die Passagiere in den vorderen Sitzen aufmerksam gemacht. Eine Frau spricht mich an als ich mich auf einen der freien Plätze fallen lasse: "Fragen Sie doch mal rum, vielleicht kann Ihnen jemand wechseln!" " Ja, kommen Sie mal her, ich habe eine Menge Kleingeld!" meldet sich der, der zwei Reihen hinter ihr am Fenster sitzt. Er zieht ein Lederetui raus, in dem ein dickes Bündel Noten klemmt. Wir zählen die Kleinen und kommen genau auf 18 Dollar, zwei Fünfer und acht Einer. "Okay, zwei Dollar Wechselgebühr, kein Problem!", grinse ich ihn an als wir die Scheine tauschen.
Ich lege die Grünen sauber aufeinander und füttere die Maschine einmal mehr. Sie frisst den obersten Fünfer halb, den zweiten knabbert sie an, dann hat sie sich verschluckt und wimmert nur noch vor sich hin. Wieder rausziehen geht auch nicht, das Wimmern wird nur lauter.
Das hört auch der Fahrer und blickt irritiert herüber. "Oh Mann, erst können Sie nicht bezahlen und dann machen Sie mir auch noch den Apparat kaputt! Und jetzt?"
Er klopft an die Box, haut oben drauf und schaut mich verärgert an. Sie wimmert weiter.
Ich habe im Moment genug von der Primer Mundo, in der alles immer perfekt funktioniert.
" I'm sorry" bringe ich noch raus, dann schleiche ich zu meinem Sitz.
Und denke an Facundo und seine Wechselgeld-Probleme.
Argentinien ist überall, scheint mir.
Nur kommen damit nicht alle gleich gut zurecht.
Another day in Paradise
Nicht nur ein Tag, es waren drei. Und keiner so wie ihn Phil Collins in seinem berühmten Ohrwurm besingt: nichts von Großstadt-Solitüde oder Pflaster-Tristesse.
Es waren vielmehr drei Tage im Kreis einer befreundeten Familie, drei Tage an einem Ort in einer Welt jenseits.
Jenseits des Flusses, wohin kein Auto findet. Auch keine Stromleitung, kein Handy-Signal, kein Telefondraht. Das Wasser kommt aus dem Berg oder aus dem Fluss, das Brot aus dem Backofen, die Zwetschgen vom Baum.
Zum Nachbarn, fünf Kilometer flussabwärts, kommt man mit dem Pferd, zurück in das Diesseits mit Hilfe von Fidel, dem Mapuche-Indianer, und seinem kleinen Boot, an dem ein 18 PS Außenborder hängt.
Hat der Rio allerdings gerade auf wild geschaltet, dann schaffen es auch 50 Pferde nicht. Man bleibt im Jenseits und freut sich, dass man one more day in paradise erleben darf.
"Nun mal langsam" höre ich da einen spötteln, "paradiesisch mag als Metapher ganz gut funktionieren, aber Du tust ja so als wäre das Land, in dem man riskiert von gebratenen Wachteln erschlagen zu werden, gleich um die Ecke!"
Ach, ihr Spötter und Skeptiker!
Erstens liegt "Las Breñas" tatsächlich gleich um die Ecke, nach argentinischen Maßstäben jedenfalls: keine 120km sind es von San Martin aus, nach nur knapp zwei Stunden auf Asphalt und Waschbrett Richtung Norden bin ich dort.
Und zweitens ist es vor allem eine Sache der (Ein)Bildung und Ansicht, was man als Metapher versteht.
"Las Breñas" ist nicht der Garten Eden, das verrät schon der Name: "Land zwischen Felsen, voller Gestrüpp", so könnte man Breñas übersetzen. Klingt ziemlich wild, ist es auch - wenigstens auf 99,9 Prozent seiner knapp 2000 Hektar. Gerade das macht für mich einen Teil seines paradiesischen Charakters aus. Natur pur, ohne irgendwelche Modifikationen durch den Menschen. Und so weit weg von allem, dass mich keine Nebeneffekte der Zivilisation stören. Kein Licht einer nahen Stadt, kein Lärm von Verkehr, kein Dunst und Gestank von Fabriken oder Kläranlagen. Und der Himmel leer und weit. Paradies, Teil A.
Teil B hat mit den weniger wilden 0,1 Prozent seiner Fläche zu tun. Genauer gesagt mit einem Stück Land ungefähr 200m lang und 100m breit, das sich wie eine unkomplizierte Mischung aus Country Club, Freigehege und Obstgarten präsentiert.
Ist man nicht gerade in Wanderstiefeln oder Pferdesattel unterwegs lebt man dort.
Im Haupthaus gibt's das Frühstück in einer urigen Küche mit einem großen Herd, der hier cocina economica genannt und mit Holz befeuert wird. Im stattlichen Speisesaal nebenan wird getafelt.

Getafelt sage ich - und meine ich. Nicht gegessen wie im "El Regional" in San Martin, oder im Frohsinn in Würenlingen. Ich kann mich nur an ein dîner erinnern, das der Genuss-Erfahrung in diesem Ambiente nahe kommt und das gab's am table d'hôte einer Ferme in den Bergen der Haute Provence.
Hat sich der Wind bis zur spätabendlichen Essenszeit - so gegen halb Zehn - gelegt, gibt's im Sommer die halbe Kuh im Freien, gleich neben dem gemauerten Grill, der parilla. Und weil wir im Paradies sind ist auch der Wein vom Feinsten. Dafür garantiert Señor Jorge, der Senior am Tisch und in der Familie. Er ist nicht nur ein Kenner, Liebhaber und Genießer von argentinischem Wein, in seinem Keller lagern auch die besten Flaschen aus den berühmten Bodegas in Mendoza und San Juan.
Als er mir ein Glas Malbec einschenkt zwinkert er mir zu und sagt: " Den trinken sie im Himmel am Sonntag!"
Na dann: "Salud" - Prost !
Paradies, Teile A und B: man spürt sie sofort, sie sind so was wie der erste Eindruck der einen verzaubert kaum dass man angekommen ist, die unerwarteten Erfahrungen, die man macht noch bevor man sich in der ersten Nacht in den Schlafsack kuschelt.
Am zweiten Abend weiß ich genauer warum ich mich hier wie im Paradies fühle:
Ich genieße die Natur, ohne es zu planen, es bewusst zu wollen - es passiert sozusagen ganz natürlich. Ich reite, schwimme, wandere, schaue später in den tiefschwarzen Himmel und sehe Sterne als wäre ich mit Saint-Exupéry auf Nachtflug.
Ich genieße die Köstlichkeiten auf dem Tisch, die mal lockeren, mal interessanten Gespräche und merke nicht einmal, dass es keine der täglichen Sensationsmeldungen bis hierher schafft.
Aber da ist noch mehr Paradiesisches, subtiler in der Wahrnehmung, schwieriger in der Beschreibung. Nach der Siesta bummelte ich den Trampelpfad am Flussufer entlang. Immer weiter, noch zur nächsten Stromschnelle, zum nächsten Bach, der aus einem der kleinen Seitencanyons herunter kam. Hinter jedem Baum, jeder Biegung des Weges sah es anders aus. Das Licht der Spätnachmittagssonne blinzelte auf Zypressen und Robles (eine hier verbreitete Eiche), nichts war zu hören außer dem Knacken der Äste im Wind, dem Rauschen des Flusses. Endlich konnte ich mal einfach so durch die Landschaft tigern. Kein Schild "Propiedad Privada, No Pasar", etc. verbot mir den Zugang. Ich war quasi auf der anderen Seite all dieser Verbote. Die wenigen Gatter und Zäune sollten Pferde und Rinder am Ausbüchsen hindern und nicht Eigentum abgrenzen. Die 'paisaje' war weit offen. Grenzenlos.
Als ich mir das klar machte blieb ich beim Wort Eigentum hängen.
Ja, tatsächlich, diese Landschaft gehört jemandem. Das Flussufer, die Wälder daneben, die Hügel dahinter. Sogar die paar Bergspitzen, die am Ende eines Seitentals in der Sonne glühten. Soweit ich sehen konnte: alles gehört jemandem.
Unvorstellbar! Wie kann Landschaft jemandem gehören?
Ein Stück Land? ja das schon. Aber die ganze Landschaft? Einem einzigen Eigentümer? Und die dahinter einem anderen?
Ich bekam diesen Gedanken nicht in den Griff. Sobald ich mir vorzustellen versuchte, dass mir mehr von dieser Landschaft gehörte als ich sehen konnte, versagte die Ein-Bildung. Wäre das toll? oder ungerecht? Gehört die Landschaft nicht allen?
Wo ist die Grenze zwischen Land(besitz) und Landschaft?
Was einem im Paradies so alles durch den Kopf geht….
Demnächst: Umzug nach Timbuktu
"Sie finden Dein Leben in Argentinien ziemlich exotisch" wurde mir neulich über Verwandte aus Zürich und seiner Agglo berichtet.
Wow, auf "exotisch" wäre ich nie gekommen. Nichts sehe ich, fühle ich, erlebe ich hier als exotisch.
Ich bin nach wie vor von Europäern umgeben, freilich vor allem von solchen, die sich auf eine lockerere Lebensform eingelassen haben. Die hier leben, weil sie mit einem recht grossmaschig gehäkelten Regelkorsett und nur wenigen verpflichtenden Normen auskommen und nicht der Illusion erliegen mit einer geschickt kombinierten Policenauswahl liessen sich die Unwägbarkeiten des Schicksals kompensieren.
Und die Gegend hier, Patagonien, ist höchstens in der wörtlichen Übersetzung - und dann trivialerweise - exotisch: fremdländisch nämlich.
Das haben die Zürcher sicher nicht gemeint.
Die Steigerung von exotisch kam schon ein paar Wochen später während eines kurzen chats mit einem anderen Freund: "..wir leben hier viel irdischer als Du!" las ich da. Wenn ich das richtig verstehe dann wollte er sagen, dass ich weniger irdisch lebe, also irgendwie "un-irdisch", oder vielleicht sogar leicht ausser-irdisch.
Auf was habe ich mich da bloss eingelassen? Warum hat mir das niemand vorher gesagt?
Als ich mich vor zehn Jahren zur ersten Expedition des Mountain Wave Project nach Argentinien, nach Patagonien, ja genau nach dem San Martin de los Andes auf machte, wo ich jetzt lebe, fand das niemand exotisch, geschweige denn weniger irdisch.
Am Ort kann es also nicht liegen wenn meine Freunde mein Leben so anders ein- oder besser aus-ordnen. Das war mir natürlich klar.
Was sie wohl meinten brachte ein Bekannter aus Florida auf den Punkt: "Wolf, was sagen eigentlich Deine Freunde zu dem Leben, das Du führst? Mir scheint es echt interessant und spannend!"
Als ich ihm exotic und non-terrestrial (zu extra-terrestrial habe ich mich doch nicht verleiten lassen!) als Antwort anbot, kam sowas wie ein verhaltenes Lachen aus dem headset. "I didn't think it would be that bad" meinte er dann und schob nach: "This does not only tell me something about your friends but about you, as well, I'm afraid". Tim ist Engländer und sowas wie ein Lebensberater, da muss man hin und wieder mit leicht verbogenen Bemerkungen rechnen.
Immerhin hatte ich jetzt einen Gegenpol zu exotisch und weniger irdisch: interessant und spannend.
Wie relativ doch alles ist! Und um Tim's Worte zu gebrauchen: das sagt mir einiges über die Authoren dieser Kommentare. Und sie scheinen mir da plötzlich völlig verständlich, ja sogar logisch.
Aus Sicht der Freunde und Verwandten, die in solides Berufs- und Familienleben nach Schweizer Muster verstrickt sind, hat mein Leben etwas, das so garnicht ins Endemische, Heimische passt.
Für Tim dagegen, der vor 5 Jahren seinen gut bezahlten Sales-Job in England hingeschmissen hat und in Florida ein eigenes Business aufbaut, bin ich ja fast jemand aus der Clique, in der Begriffe wie Lust auf Neues, Offenheit und Abenteuer zu wichtigen Kategorien eines intensiv gelebten Lebens gehören.
Jetzt warte ich auf die Frage, wie ich selbst denn mein Leben sehe.
Das kommt darauf an!
Manchmal noch ein bisschen ala exotisch, immer öfter aber ala spannend, interessant. Offen, herausfordernd, "packend" füge ich da noch hinzu.
Ich spüre, wie sich meine Perspektive langsam aber bestimmt ändert. Die hiesigen Verhältnisse fordern diese Änderung nicht, sie fördern sie vielmehr.
Ich werde auch kein anderer durch diesen Sichtwechsel, ich werde mehr der, der ich bin.
Ein Filter, durch den ich mich sehe, verschwindet langsam, die Brillengläser verlieren etwas von ihrer Farbe.
"Die Landkarte ist nicht das Gebiet" hat ein Semantiker mal festgestellt. Als Metapher heisst das hier: das Gebiet, nämlich das Ich, ist nach wie vor dasselbe, die Landkarte ist allerdings etwas genauer geworden.
Auf der geografischen Landkarte liegt Timbuktu viel näher bei der Schweiz als San Martin. Auf dem Globus auch. Ist ein Leben dort deswegen auch näher an dem in der Schweiz?
Ich kann mir ohne grosse Anstrengung ausmalen wie Tim's Kommentar ausfällt, wenn ich nächstens bekenne, dass ich meinen Umzug nach Timbuktu plane.
Aber was die Schweizer dazu sagen, wenn ich wieder "in die Nähe" komme?
Keine Ahnung, mit "exotisch" und "ausser"-irdisch haben sie ihr Pulver ja schon weitgehend verschossen.
Billiges Leben
Ein Kilo Lomo, Steak vom Feinsten, kostet keine 7 Euro, der Sack Kartoffeln (5kg) 3 Euro und die gute Flasche Malbec dazu 3 Euro.
Das Leben ist billig in San Martin.
Will ich mir ein zwei Finger dickes, butterweiches Stück Fleisch jugoso/rare/bleu an den Tisch bringen lassen, die Flasche Wein mit jemand teilen und dann noch einen Espresso mit Brownie nachschieben, muss ich etwa 85 Pesos aus dem Portmonnaie ziehen. Das sind etwas mehr als 16 Eu. Das Taxi die sieben Kilometer hinaus zum Bärenhaus bringt die Kosten des Abends an die 20 Euro Marke. Fahre ich mit dem Bus (35 Cent) muss ich nur in den Taschen nach den Münzen kramen.
Auch so einen Abend kann ich mir leisten, selbst wenn ich - unter anderem - hier lebe, weil das Leben billig ist.
Ich brauche hier also viel weniger "mango" als zuhause. "Mango" ist der Lumfardo-Ausdruck für Knete, Geld. "Lumfardo" ist der Dialekt in den Barrios der inmigrantes von B'Aires. Und "zuhause" steht für droben, drüben, die Nordhalbkugel, Deutschland, die Schweiz, auch die USA.
Wenn ich hier weniger mango brauche dann hat das allerdings nur zum Teil damit zu tun, dass das Leben hier billiger ist.
Es hängt auch damit zusammen, dass es in San Martin keinen Krauthammer gibt, keinen English Bookstore, keine Tonhalle, kein Kunstmuseum, keinen Apple Store und Foto Bären, weder Schiffbau noch Widder Bar.
(Kurze Erklärung für die Nicht-Zürcher: Krauthammer ist ein Fass ohne Boden für die, die Bücher über Fotografie, Grafik, Architektur und andere Kreative Künste lieben, der Schiffbau hat nichts mit Ingenierkunst zu tun, sondern ist ein Ort für Theater, Performance und Musik und die Widder Bar definiert die Züri-Variante eines veredelten, non-smoking Jazz Clubs).
Es gibt also weniger Verführungen, weniger Gelegenheiten mal schnell einen Hunderter liegen zu lassen. Um einen Ausgang in Zürich, zwei in Boulder oder drei in Berlin aufzuwiegen müsste ich im Cinco Sentidos zwei Monate lang ununterbrochen cortados hinunter stürzen.
Ein Abend im Casino um die Tango-Old Stars zu bewundern, das Konzert des Cuarteto de cuerdas mit der Suite Patagonica fällt da nicht ins Gewicht.
Wie lange das so bleibt ist eine andere Frage.
Mein erster Haarschnitt hier kostete 21 Pesos, gestern wollte Javier 29 - ohne Dauerwelle und Farbeffekte.
Die Haftpflichtversicherung für Big Blue begann bei 65 im Monat, jetzt bleche ich dafür 113 - ok, man hat eine Kompensation im Fall spontaner Selbstentzündung des Vehikels eingeschlossen, ohne mich zu fragen. Und das Gas zum Heizen und Kochen hat gerade, je nach Region und Verbrauch, um 50 bis 100% aufgeschlagen. Es gibt auch Beispiele von Abnehmern, deren Rechnung auf einmal viermal so hoch war wie vor einem Jahr.
Auch wenn dank schleichender Abwertung des Peso nur ein Teil der Inflation bei mir ankommt, sie fällt mir auf. Besonders, weil ich zuhause darauf trainiert wurde eine Preissteigerung von mehr als 2% als Aufforderung zu deuten den Gürtel zwei Löcher enger zu schnallen.
Hier scheint das niemand zu beunruhigen. Nach wie vor "todo bien". Die Einkaufswagen auch derer, die nicht in Designer-Jeans oder Northface-Jackets im Supermarkt rumstöbern, sind voll wie eh und je.
Wo das Geld herkommt? Aus dem Sparstrumpf, aus der Matraze, von der Nische hinter der Treppe, keine Ahnung.
Von der Bank kommt es jedenfalls nicht. Das Verdiente und Gesparte bleibt zuhause, seit vor knapp 10 Jahren "höhere Gewalt" den Peso plötzlich aus der 1:1 Bindung an den US-$ warf und der Durchschnittsbürger fast ein Drittel seines Vermögens verlor, weil die Banken "rechtzeitig" den Zugang zu den Sparkonten sperrten.
Damals wäre das Leben in San Martin echt spottbillig gewesen.
Das Kreuz des Südens...
Dank dieser Definition ist mir auch klar, warum mir immer mal wieder das Wort Konstellation über die Lippen rutscht, wenn ich erklären will, wie sich plötzliche Einsicht, Überraschendes ergeben hat. Ich sehe da eine spezielle Stellung oder Kombination verschiedener Faktoren, die sich vielleicht nur mir so erschließt.
Wie zum Beispiel vor 4 Monaten. Da erzählt mir Carlos, dass er gerne ein Video machen würde, das für sein Buch-Cafe im Kino wirbt. Ich hätte doch eine Kamera, ob ich das Video nicht filmen wolle?
Ah, das Kreuz des Südens! Mit Carlos als Basis-Stern Acrux, und Truji, Curri und Brian, den Stars der Show - alle so konstelliert, dass sie nach "Süden" zeigen, auf meine Sony und mich.
Es hat seine Zeit gedauert, bis wir im Nebel der funkelnden Ideen, im Sternhaufen der tausend Möglichkeiten, diese Anordnung entdeckt hatten. Zwei Abende lang haben wir sie intensiv beobachtet, studiert, haben uns in einen brainstorm gestürzt. Dann war alles klar, dann ging's los, das Schauspielern, das Filmen, das Schneiden und Editieren.
Zwei Monate dauerte das "Making of".
Jetzt ist es (fast) fertig und wartet darauf, dass auch die Kinoleute den neuen Star leuchten lassen.
Administración a la Argentina
Man muss nicht über den Pass fahren um zu erkennen, dass das Leben auf der anderen Seite der Anden, in Chile, anders - besser? - organisiert ist. Es genügt ein Blick auf die Autos der Chilenos, die nach San Martin kommen: jede Menge offizieller Stempel, Kleber, Pickerl an Front- und Heckscheiben. Sie erinnern an Termine, bestätigen einen Zustand, fordern auf zur Erledigung.
Aufgeklebtes an argentinischen Autos verdeckt meist einen Schaden, gelegentlich hält es auch etwas zusammen.
Offiziellen Charakter hat es selten.
Das soll sich ändern. Ein Gesetz, das bisher nur in der Provinz Buenos Aires galt, wird jetzt landesweit eingeführt: Autos, die älter als 10 Jahre sind, müssen eine technische Inspektion überstehen!
Diese Neuigkeit hat Carlos von seinem jüngsten Besuch in der Hauptstadt mit gebracht, zusammen mit einem kleinen blauen Papierfetzen, der mit Tesa an die hintere Seitenscheibe seines 96er VW Gol (nicht Golf!) gepappt ist.
Good News - Bad News !
Die Mechaniker werden sich die Hände reiben, die Oldtimer-Fans werden sie wohl gen Himmel werfen.
Oldtimer-Fan ist in San Martin ungefähr jeder zweite. Nicht aus Passion, sondern aus Notwendigkeit - alles was jünger als 20 Jahre ist kann oder will er sich nicht leisten. Sein Oldtimer ist auch kein Ausstellungsstück, sondern meist ein (ur)alter Karren, der alle Wartungsversuche überstanden hat und die wesentlichen Fortbewegungsfunktionen zum Transport von Personen und Waren gerade noch ausführen kann.
Erfährt so ein Oldtimer-Fan von der neuen Anordnung wird er sich ganz im Sinne eines früheren Eintrags nach der ersten Panikattacke schnell beruhigen - kein Grund zur Sorge.
San Martin ist immerhin 1600 Kilometer von BsAs entfernt, es wird seine Zeit brauchen bis das Gesetz hier eingetrudelt ist. Und dann muss erstmal irgendwo ein Prüfstand improvisiert werden.
Bis jemand (wer?) unseren Fan nach seinem neuen documento fragt, wird also noch so mancher Reifen abgefahren werden.
Und was dann abläuft hat Carlos auch beschrieben:
Man bringt sein Gefährt zur Untersuchung. Dort wird gecheckt, geprüft, gemessen und gesucht. Kostet alles zusammen 90 Pesos (knapp 20 Eu).
Nach Gesetz.
In der Praxis kommt der ingeniero am Ende auf einen zu und sagt:" Alles prima, nur das mit den Bremsen.... und der linke Scheinwerfer.... Sie müssen das in Ordnung bringen lassen und noch mal vorbei kommen. Aber vielleicht ist es für Sie einfacher 120 Pesos zu zahlen. Dann kriegen Sie Ihren Kleber jetzt. Sie sollten die Defekte zwar auch reparieren lassen, aber dann müssen Sie sich nicht wieder da vorne anstellen......!"
Claro?
Administración a la Argentina!
Läuft wie "geschmiert”!
¡No te preocupes!
Don't worry!
"¡No te preocupes!" - "Don't worry!" - beschwört mich Carlos immer, wenn ich ihn daran erinnere, dass er mir versprochen hat, bis Weihnachten ('08 !!) die Übersetzung eines Bankdokuments für die Verlängerung meines Visums zu organisieren.
"Don't worry!" heißt es jedes Mal, wenn ich ihn auf Anzeichen drohenden Unglücks hinweise. Die (Welt-)Krise etwa, das (Un-)Wetter, die Schieflage eines Buchregals oder die im Winde strauchelnden Sonnenschirme über den Kaffeetischen draußen vor der Buchhandlung.
"Don't worry!" erwidert er mir, wenn ich ihn auch nur frage, ob er mir ein kühles Bier bringen kann, oder ob er für morgen seine Freunde zum Video-shoot einladen wird.
Es wirkt inzwischen auf mich fast wie eine nachgeschobene, etwas persönlichere Begrüßung. Er bringt sie an bei der ersten Gelegenheit nach dem " Che Wolf, como andás?", das er mit seinem breiten Grinsen offeriert, wenn ich über die Schwelle des Cinco Sentidos in sein Blickfeld trete.
"Alles wird gut" übersetze ich ¡No te preocupes! mal salopp. Das trifft die subtilen Untertöne ziemlich gut, die in meiner Wahrnehmung da mitschwingen. Inklusive die milden Zweifel, oder die Ironie, die ich spüre, weil ich mich dabei an das famose Graffiti erinnere, das jahrelang die Front eines Abbruchhauses neben der Einfahrt zum Zürcher Hauptbahnhof auszeichnete. Da hatte der Künstler eine Kugelbombe mit brennender Zündschnur neben diesen Satz gemalt.
Diese Ambivalenz geht an den meisten Argentiniern glatt vorbei. "¡No te preocupes!" ist das Lebensmotto, der Leitfaden, an dem sich das Volk über die Krisen hinweg hangelt. Und da es Krisen hier alle fünf bis zehn Jahre gibt, hat die große Mehrheit schon echte Bewältigungserfahrung gesammelt. Haben alle gelernt, dass es zu den Eigenschaften einer Krise gehört, dass man sie überlebt, irgendwie. Warum sich also Sorgen machen?
Kurze Klarstellung: neben Krisen gibt es auch Katastrophen. Diese fallen in eine andere Kategorie. Und je nach Ursache wird man dann ärgerlich, wütend (nach Naturkatastrophen z.B., wie dem letzten Vulkanausbruch knapp jenseits der Grenze, in Chile. Dank Westwind fallen dann Tonnen von Asche auf argentinische Touristengebiete) oder melancholisch und nachdenklich (nach politischen, gesellschaftlichen Katastrophen z.B., wie dem Militärputsch von 1976, bei dem etwa 30'000 Bürger "verschwanden").
Mit dem ¡No te preocupes! kokettieren die Argentinier auch mit ihrer (selbst gewählten) Hilflosigkeit, besser: mit der Unlust, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Geht mal was nicht leicht und locker von der Hand, dann überlässt man es sich selbst, der Regierung, dem Schicksal, Gott. Irgendwer wird's schon richten - ¡No te preocupes! Es klingt dann wie eine Entschuldigung.
Wendet Carlos sein "Don't worry!" an, dann will er damit höchstens entschuldigen, dass nichts so reibungslos funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Oder wie er sich vorstellt, dass ich mir das vorstelle.
Sieht er mir meine Vorstellung etwa an? Sehe ich so "worried", so besorgt aus?
Oder beunruhigt ihn vielleicht, daß er von mir nicht jeden Tag das gewohnte "todo bien" - "alles bestens" - hört, das hier die Pflichtantwort ist auf die Begrüßung "wie geht's?" ?
Sollte ich ihm etwa öfters versichern, dass zwar nicht alles bestens ist, sondern "nur" durch und durch normal, dass keine Desaster drohen also kein Grund zur Sorge besteht?
Also auch kein Grund für sein "Don't worry!"
Müsste am Ende ich ihn begrüssen mit " Don't worry about my worries!"
Ach - ich glaube ich werde mir darüber mal echt keine Sorgen machen...
Ordnung muss her!
Und das heißt Regeln müssen her.
Ohne Regeln keine Ordnung.
Warum sie diesem abgedroschenen Slogan auf den Leim gingen wissen die Götter. Jahrzehntelang, ja sogar über ein Jahrhundert lang, haben die Väter und Verwalter der Stadt San Martin de los Andes den Verkehr sich selbst überlassen. (Ich rede hier vom Straßen-Verkehr!). Es gab nie Probleme: nach der Gründung der Siedlung vor ziemlich genau 111 Jahren be-weg-te man sich, buchstäblich. Man ging, oder ritt, die wenigen Wege entlang. Das Verkehrsaufkommen war gering - für wichtige Reisen und Transporte nahm man das Boot - und die Geschwindigkeit begrenzt, ein gelegentlicher Streit um den Vor-Tritt konnte en passant geregelt werden.
Klar, seither hat sich einiges geändert. Wie ich in einem früheren Eintrag (Ungeschützter Verkehr) beschrieb, haben sich die - nun Vor-Fahrt - Regeln organisch mit dem Ausbau des Straßennetzes entwickelt. Von selbst. Ohne Intervention der lokalen, provinziellen oder föderalen Autoritäten.
Es entstand ein Satz von pragmatischen Verhaltensmustern destilliert aus Überlebensinstinkt, den lokalen, geografischen Eigenheiten, den Möglichkeiten zwanzig Jahre alter Automobiltechnik, und aus der Kerneigenschaft der argentinischen Fahrkünstler: der Arroganz.
Eine Mischung, die funktioniert.
Und nun das!
Gestern Abend war noch alles beim Alten, nicht das geringste Zeichen, dass die Welt bald eine andere sein würde.
Ich fahre also heute Morgen Richtung "downtown" um einzukaufen und sehe schon kurz nach dem Kontrolposten der Policia caminera, gleich beim ersten Nachbarschafts-Supermarkt, die neuen Schilder.
Nicht eines, oder zwei, nein, gleich sechs Verkehrszeichen wachsen da aus dem staubigen Bankett, auf den letzten 50 Metern vor der neuen "rotunda", dem Kreisverkehr, an dem seit einem halben Jahr gelegentlich gebaut wird.
Sie stören das gewohnte Panorama, wirken fremd und fehl am Platz. Unnütz, überflüssig. Denn erstens sucht sich jeder den Weg durch den Hindernisparcour der Baustellen und Schlaglöcher, der am besten seiner Laune und der Tagesform seines Mobils entspricht. Und zweitens schafft es kein Schilderwald der Welt Riesenbusse, Pferde und aufgemotzte kleine Fiats ohne Konflikte aneinander vorbei zu regeln.
Verstehen doch bei weitem nicht alle Verkehrsteilnehmer - und ich rede da nicht nur von Pferden! - was die bunten Zeichen bedeuten. Vorfahrt im Kreisverkehr? wie ging das schon wieder? Das Lokalradio versucht da (wie schon anderer Stelle beschrieben) Hilfestellung zu leisten. A la Werbespot kündigt der Sprecher die jüngsten Errungenschaften bei der Verbesserung des Verkehrsflusses an, lobt die Entschärfung der kritischen Kreuzungen. Und erklärt dann, wie das in der rotunda funktionieren soll: "..lasst bitte die Vorfahrt denen, die den Kreisel verlassen!"
Eine interessante Formulierung.
Läuft im Ende auf die bekannte Regel hinaus: Wer kreist hat Vorfahrt. Ich muss ja wohl annehmen, dass der, der da kreist, irgendwann mal damit aufhört. Spätestens wenn das Benzin alle ist.
Aber Logik beiseite.
Es stellt sich die Frage, ob die Einführung der Verkehrszeichen ein Fortschritt ist. Ist der Verkehr strikter geregelt? Ist er sicherer? Fließt er schneller?
Nichts dergleichen!
Regeln müssen durchgesetzt werden - das interessiert hier aber niemanden.
Sicherheit lässt sich durch Vorschriften nur begrenzt verbessern. Vorschriften, die nur wenige verstehen, nur einige akzeptieren, erhöhen die Konfusion. Es weiß ja niemand, ob der andere versteht, akzeptiert und befolgt.
Der Überlebensinstinkt diktiert da zögerndes Herantasten an den potenziellen Konflikt.
Und das hemmt den Fluss.
Da funktionierten die alten Gewohnheiten eindeutig besser, alles floss instinktiv, ohne Regeln, in natürlicher Ordnung.
Von wegen: ohne Regeln keine Ordnung!
Friday, the thirteenth..
Where am I? What time is it, what day? Is this a bad dream?
I pinch myself, finger for the watch on the bedside table:
07:35 am, 3/13, Fr I read, when my eyes finally focus.
Well, that explains something: Friday, the thirteenth! This dreadful weather is nothing but a subtle hint in the sky of the black Friday.
Ok, for the less superstitious I offer a different interpretation: I'm "over the hill", geographically speaking.
On the western slope of the Andes, in Chile, the wind pushes the moist Pacific air up the mountains. And that means upslope, blocked flow, clouds, fog, rain. All well known from weather forecasts for the Alps, the Rockies, mountain ranges anywhere.
No reason to worry, all has its straightforward logical explanation.
An hour later Jeff and I are having breakfast. We enjoy our smoothies, warm brownies, homemade plum marmalade, and fresh coffee. Something Tchaikovsky wafts through the air - until a sudden "plop" and the sound of rushing water disrupt the idyllic scene. Is there somebody taking a shower in an upstairs room?
Two minutes later water comes running down the beams from the ceiling.
We're already moving chairs, couches and sound equipment out of the area of precipitation when the manager storms through the door. Stunned and bewildered she looks up. "El tanque, se rompió el tanque" she cries - the tank, the tank burst - and off she runs to close the valve.
Then we follow her up the stairs, through one of the guest rooms, up a ladder, through a hatch into the attic to the place where the catastrophe began. Everything is quiet - and wet. A short brainstorming leads us to the following conclusion: the repair patch of a leak in the tank a couple of days ago couldn't take the regular pressure delivered by the pump. Once Lilian opened the feeder line for hot water from the boiler the leak sprung up again.
Why did she open this feeder today?
Today, on Friday, the thirteenth?
Perhaps we should approach the drive back with an extra dose of caution.
As we reach the border station on the Chilean side there's no queue, not a single person ahead of us. We get our stamps from the lady at immigration and the guy at customs without any delay and five minutes later we're on our way through 10 miles of no-mans land. Over on the other side the Argentinean colleagues deliver a repeat performance. Incredible! We make record time to "chori-pan" (chorizo sausages in a roll) and our favorite lunch spot in Villa Angostura.
Is Fortuna trying to compensate for the water accident during breakfast? Is this dreaded combination of Friday and the Thirteen plain nonsense after all?
While waiting for traffic at a stop sign Jeff asks me to rev up the engine. Is there an unusual knocking sound? Normally this wouldn't surprise me, only two days ago Jeff had the valves adjusted.
But on this Friday?
At our next photo-stop the clack-clack got louder. Jeff believes.
I keep driving the way I always do and get us to San Martin without additional incidents.
At the first intersection Jeff asks me to turn right: " Let's just swing by my mechanic.."
Mauricio, the mechanic, doesn't believe in a misadjusted valve. " Could be one of the injection nozzles, or..., and the crankshaft appears to wobble a tiny bit, must have taken a pretty bad hit once."
That doesn't sound good, it seems like serious maintenance is called for, better now than later. Jeff makes an appointment and climbs in the driver's seat himself, just in case...
At least we'd made it home!
I move camera gear and bags into my car and drive over to Carlos' to schedule the next shoot for our video project. As I start the car again I hear - once more - a short "plop", just like this morning. No rushing sound this time, no water either. Instead, I can hardly move the steering wheel. Turn off the engine, open the hood, and check hydraulic fluid: everything ok. But why does the v-belt hang so loosely between the pulleys? It hasn't torn, where did its tension go?
Then I see the pulley under the car! The tension arm is broken!
"Can be fixed in half an hour" diagnoses the mechanic, whom Carlos had miraculously conjured up at 8pm this haunted Friday!
"Provided you find the appropriate spare part" he adds quickly.
Oh no! Not again!
The last time it took six weeks to find a part! And we just came back from Chile, where you can get anything at your friendly Ford dealer right around the corner!
Que mala suerte! What bad luck!
And today, of all days!
I leave the car in the parking lot and take the bus. Only ten minutes later I'm at my front door and turn the key in the lock. Well, I try to turn the key.
But no cigar - nothing moves. The key remains solidly in its vertical position. I rattle the key, the lock, the door, finally the entire house. Nothing moves.
It's 9pm by now! Do I have to wait another 3 hours for this damned Friday to pass? Will the key, the lock know then, too, that the Thirteenth has passed? Will they then give up their stubborn resistance?
I decide to look for an "alternate" entrance. And, lo and behold, I manage to make my way to a door on the balcony, which appears to be unlocked. I know that the alarm is set, but shouldn't I have the regular 30 seconds to enter the password?
Slowly I slide the door open and tiptoe in the kitchen,...YEWYEW-CHIPCHIP..the f@#$$ horn screams like it wants to waken the dead.
Twenty seconds later I have the code punched in and everything returns to silence.
Two minutes later the phone rings:" Hola, how are you? This is your alarm monitor, everything ok?"
The fact that I know the proper password convinces the guardian angel. He buys into my story and advises to call a locksmith first ting next morning.
Next morning?
On Saturday?
Forget it! Tomorrow the lock is going to work like it should!
Tomorrow I'm going to find the spare part for my vehicle!
Tomorrow the sky is going to be blue again!
But now, today? On Friday, the thirteenth?
No way I'm going to cook dinner - I don’t' want to burn this place down!
No way I'm going to take shower - let's leave the water tank alone!
Nothing but into bed and under the covers!
Freitag, der Dreizehnte
Wo bin ich? Wie viel Uhr ist es, welcher Tag? Ist das ein Alptraum?
Ich zwicke mich in die Backe, taste nach der Uhr auf dem Tischchen:
07:45, Fr. 13.3 - kann ich nach ein paar Mal Blinzeln entziffern.
Aahhh, das erklärt einiges: Freitag, der Dreizehnte! Deswegen dieses aargrauische Wetter, nichts anderes also als ein mildes Zeichen des Schwarzen Freitags am Himmel.
Gut, für die weniger abergläubischen biete ich eine andere Interpretation an:
Ich bin "über dem Berg"! Geografisch gesehen! Ganz einfach!
Auf der Westseite der Anden, in Chile, treibt der Wind die feuchte Pazifikluft die Berge hoch. Das gibt Stau, Wolken, Nebel, Regen. Kennen wir ja vom Wetterbericht für die Alpen.
Kein Grund zur Sorge, alles hat seine rein logische Erklärung.
Eine Stunde später sitze ich mit Jeff beim Frühstück. Wir genießen unseren "Smoothie", den Bananen-Orangen-Birnen Saft, die warmen Brownies und die hausgemachte Pflaumen-Marmelade. Irgendwas Tschaikowsky schwebt durch den Raum. Bis ein trockenes "blop" und Wasserrauschen die Idylle stört. Duscht da jemand im Obergeschoss? Zwei Minuten später läuft Wasser die Balken runter, es tropft durch die Decke.
Wir sind schon dabei Polstermöbel und Lautsprecher aus der Niederschlagszone zu schieben als die Chefin hereinstürmt. Fassungslos blickt sie nach oben. "El tanque, se rompió el tanque" stößt sie hervor - der Tank, der Tank ist geborsten - und rennt zur Hausecke um das Ventil an der Wasserpumpe zu schließen.
Wir folgen ihr über die Treppe, durch ein Gästezimmer, auf die Leiter durch die Luke unters Dach, wo die Katastrophe ihren Anfang nahm. Alles ist ruhig - und nass. Kurzes Brainstorming bringt uns zu folgendem Schluss: Die Reparatur eines Lecks im Tank hielt dem normalen Überdruck, den die Pumpe liefert, nicht stand. In dem Moment, in dem sie die Zuleitung von Warmwasser aus dem Boiler öffnete, platzte das Leck wieder auf.
Warum sie die Zuleitung gerade heute öffnete?
Heute, am Freitag, dem Dreizehnten?
Vielleicht sollten wir den Heimweg eher vorsichtig angehen.
Als wir die chilenische Grenzstation erreichen, nehmen uns die Zöllner sofort dran. Kein Anstehen, kein Warten, nichts. Nach 5 Minuten sind wir schon auf dem Weg über die 16 Kilometer durchs "Niemandsland". Dito bei den argentinischen Kollegen. In Rekordzeit schaffen wir es zum chori-pan (chorizo im Brot) Lunch in Villa Angostura.
Ausgleichendes Glück? Alles Quatsch mit dem kombinierten Effekt von Freitag und der Dreizehn?
Als wir am nächsten Stoppschild warten glaubt Jeff ein ungewohntes Klopfen im Motor zu hören. Nicht gerade Besorgnis erregend, schließlich hatte er erst vorgestern die Ventile einstellen lassen.
Aber an diesem Freitag?
Beim nächsten Fotostop, klackert es etwas lauter. Meint Jeff.
Ich übernehme das Steuer und bringe den Hyundai ohne weitere Zwischenfälle nach San Martin.
Kurz vor dem Ortseingang lässt mich Jeff nach rechts abbiegen: " Fahren wir doch schnell beim mecanico vorbei.."
Und der glaubt nicht an ein Ventil-Problem. "Könnte eine Einspritzdüse sein, oder aber auch....!
Und die Kurbelwelle hat offenbar mal eine Schlag ab bekommen."
Klingt nicht gut, klingt nach seriösem Wartungsbedarf und zwar pronto!
Die letzten fünf Kilometer chauffiert wieder Jeff, just in case...
Immerhin, wir haben's nach hause geschafft!
Ich lade mein Gepäck um und fahre noch kurz bei Carlos vorbei um den nächsten Drehtag für unser Video zu planen. Als wir fertig sind und ich den Motor anlasse höre ich wieder so ein trockenes "blop" wie heute morgen schon mal. Kein Rauschen folgt, Wasser ist auch nicht zu sehen. Dafür kann ich das Biest kaum mehr lenken. Motor abstellen, Haube auf, Lenkhydraulik checken: alles i.O.
Nur der Keilriemen hängt schlaff und lustlos in seinen Rollen. Gerissen ist er nicht, wieso ist er also so spannungslos?
Dann sehe ich die Scheibe unter dem Auto! Der Spannarm ist abgebrochen!
"Repariert ist das in einer halben Stunde" findet der mecanico, den Truji wunderbarerweise um 8 Uhr abends, an diesem Freitag, noch herbei zaubern konnte. " Aber Du musst das Ersatzteil finden! ".
Nicht schon wieder! Nicht noch einmal!
Das letzte Mal hat das 6 Wochen gedauert! Und in Chile, wo es das beim Ford-Händler um die Ecke gibt, waren wir gerade! Que mala suerte! Welch' Unglück! Ausgerechnet heute.
Die Karre lasse ich stehen und fahre mit dem Bus nach Hause.
Schon 10 Minuten später drehe ich den Schlüssel im Schloss. Hm - versuche den Schlüssel im Schloss zu drehen. Aber nichts rührt sich, satt und fest hält der Schlüssel an seiner senkrechten Lage fest. Ich wackle am Schloss, an der Tür, an der Wand, schließlich am ganzen Haus. Nichts rührt sich. Es ist 21 Uhr! Muss ich jetzt noch 3 Stunden warten bis dieser verdammte Dreizehnte endlich vorbei ist? Weiß der Schlüssel, das Schloss, das auch? Gibt es dann auch nach?
Ich entscheide mich nach einem andern Zutritt zu suchen. Und tatsächlich: mit ein paar Tricks arbeite ich mich zu einer Balkontür vor und kriege sie auf. Der Alarm ist scharf, klar, aber ich müsste doch die 30 Sekunden Verzögerungszeit haben um den Code einzutippen?
Ich schleiche mich hinein,...BRÄÄ-HUIHUI - das Scheißhorn blärrt doch los.
Nach 20 Sekunden habe ich es ruhig gestellt.
Nach 2 Minuten klingelt das Telefon: "Hola, wie geht's? hier ist die Alarmzentrale. Alles in Ordnung?"Dank Passwort glaubt er schließlich meine Story und rät mir, morgen den Schlüsseldienst anzurufen.
Morgen?
Nee! Morgen funktioniert das Schloss ja wieder!
Morgen werde ich das Ersatzteil auftreiben!
Morgen ist auch der Himmel wieder blau!
Aber jetzt, heute? Am Freitag, den Dreizehnten?
Nix mehr mit Kochen - ich will ja nicht die Hütte abfackeln!
Nix mehr mit Duschen - lassen wir um Gotteswillen den Wassertank in Frieden!
Ab ins Bett unter die Decke!
ach! - das "A C H"
A nother C ortado H igh - oder auf Deutsch: der Kaffee-Turbo!
Nach einer kurzen argentinischen Nacht früh aufgestanden, die 50 Liegestütze und 80 sit-ups durch gepeitscht (;-), raus in den Garten, Rasen und Rosen gewässert, Wasser auf- und Tee angesetzt, den compu und das wifi eingeschaltet: die ganz normale morgendliche Hektik.
Dann einmal, zweimal, dreimal ganz langsam, ganz tief einatmen, auf den Teppich setzen, den ersten Schluck Tee probieren, das Räucherstäbchen anzünden, entspannen, einmal, zweimal, dreimal ganz tief ausatmen, auf das Blaurosa am Morgenhimmel konzentrieren, das Mantra chanten.
Und das alles vor dem Frühstück!
Kein Wunder, dass ich um elf schon erste Erschöpfungssymptome spüre - nach dem Staubsaugen im "Loft", dem Abarbeiten der E-Mails, dem Einsortieren der Fotos von gestern, dem Korrigieren der letzten Schreibversuche, dem Durchchecken und Anpassen der to-do Liste..
- Autoversicherung zahlen - lese ich da. In den Ort fahren heißt das, Internet-Banking oder gar so was wie automatische Einzugsverfahren gibt's ja hier nicht. Das passt gut, da komme ich so gegen zwölf in das Buch-Cafe zu Carlos, kann mich mit einem schnellen Cortado wieder etwas "aufrüsten".
Alles läuft wie geplant, ich finde meinen "Stamm"-Tisch frei, Marian bringt den café - so was wie eine Mischung aus Wiener Melange und italienischem Cappuccino - und stellt das Gläschen mit dem agua con gas daneben. Ein Wurf Zucker auf den Schaum, warten bis er im Hellbraun darunter verschwunden ist und dann ein erstes Mal nippen.....
Es dauert meist so fünf, sechs Minuten.
Dann höre ich es: die Musik, die Carlos aufgelegt hat. Heute ist es "Sympathy for the Devil", die Bossa Nova Version (ja, so was gibt es hier!!)
Dann komme ich auf Gedanken: wo und wann habe ich diesen Song schon gehört? (Jetzt rede ich vom Original, Rolling Stones, por supuesto! )
was ging mir dabei durch den Kopf - oder durch die Beine? welche Assoziationen kommen hoch, wozu haben sie mich inspiriert?
Dann treibt es mich vorwärts: ich sollte etwas im blog darüber schreiben, könnte wilde Fotos dazu schießen, ein paar Video-Clips zusammen basteln und dazu verlinken.
Und überhaupt: mal alle meine all time favorite Rock Classics auflisten, dazu Stimmungsbilder schreiben, der Intuition, der Assoziation freien Lauf lassen. Oder anders rum: über die highlights der letzten Woche phantasieren und den passenden Song dazu "erinnern".
Die Ideen brechen über mich herein. Ein kreativer Sturm tobt in meinem Kopf. Tausend Einfällen sollte ich nach gehen.
ACH - Another Cortado High, ich kenne das. Passiert ab und zu, kommt so unvorhersehbar wie das nächste Subpolar-Tief.
Ich muss dann ganz schnell eines meiner Kritzelbücher zücken und drauf los notieren. Denn in ein paar Minuten ist der Spuk vorbei. Nur wenn ich die Skizzen in Cortado-Trance hin gesudelt habe, können sie morgen, nächste Woche, oder nächstes Jahr noch mal den Funken der Begeisterung zünden.
Wird das Trippeln und Trommeln der Füße aber schon langsamer, versuchen die auf Routine getrimmten Neuronen im Hinterkopf erste Kritiken anzubringen und Zweifel vor zu schieben, dann finde ich später nur noch Spuren flüchtiger Rauchschwaden auf den Seiten. Vom Feuer der kreativen Inspiration ist nichts mehr zu sehen.
Dann hat die selbst erdachte Realität meinen spontanen Enthusiasmus in einen Zerfall mit kurzer Halbwertszeit gedrückt.
Ein zweiter cafecito vielleicht? Als Nachbrenner sozusagen?
Nee - funktioniert nie! Die Musen sind schon weiter gesegelt.
¡Que Calor!
würden die Amis sagen. Jaja, die Funkstille - dafür gibt's eine ganze Reihe von Gründen, oder Ausreden...
Aber jetzt geht's wieder los. In der neuen Residenz ist endlich auch ADSL angekommen und macht das Hochladen von etwas mehr als nur kleinen E-mail Dateien möglich.
Es wird also Neues zu lesen und zu sehen geben, nach und nach werde ich auch das Design, die Struktur von "wolfsview" etwas umbauen.
Schon vor knapp zwei Wochen habe ich begonnen darüber zu schreiben, über die Kälte dort, die Hitze hier. Inzwischen ist der erste Paragraph wohl nicht mehr so aktuell, als Einleitung taugt er aber immer noch, oder?
Dreizehn Eistage in Folge in la Suiza, fünfunddreißig unter Null in Vermont, Kältewellen auf Kärntner Seen, zehn Zentimeter Schnee auf Mallorca - ich wette, da wünschen sich mehr als ein paar ganz weit in den Süden.
Sie sollten sich gut informieren bevor sie allzu heftig wünschen. Ein bisschen zu weit nach links oder rechts gezielt und die Sache geht in die Hosen.
Jedenfalls wenn man die Südhalbkugel im Visier hat. Australien - das Südliche - könnte einem in den Sinn kommen. Aber aufgepasst: sind mehr als 40 Grad C über Tage (im Süden: Melbourne, Adelaide) wirklich das passende Kontrastprogramm zum ersten richtigen Winter seit Jahren? Locken tatsächlich die überdurchschnittlichen Regenmengen im Osten und Norden (Darwin), über die sich die Farmer freuen?
Erste Zweifel kommen auf, führen zur Änderung des Planes: bueno, vamos al America del Sur, besuchen wir Wolf in Argentinien! Prima, da freue ich mich! Nur: den idealen Sommer gibt's heuer hier auch nicht.
Verdurstende Rinder in der Pampa, hungernde Bauern, 5 Milliarden Dollar Schaden in der Landwirtschaft - die schlimmste Dürre seit fast 40 Jahren. Da kommt keine tolle Stimmung auf.
Hier in Patagonia gibt's genug Trinkwasser und auch für die Autowäsche und den Rasen langt's längstens. Aber das Land, die Bäume! Wohin man schaut, überall ein starker Braunstich. Am Abend sogar in der Atmosphäre. Und dafür ist diesmal keiner der vielen Vulkane in der Gegend verantwortlich, sondern der Gemeinderat, die Provinzregierung, das Parlament in Buenos Aires, möglicherweise auch Hugo Chavez, oder die Chinesen. Kommt darauf an, wen man fragt.
Für mich ist der Fall klar: es sind die Touristen! Die ganze kleine Stadt ist voller Busse, Autos, und fourwheel-bikes. Und die müssen ja jeden Tag irgendwo hin fahren, über trockene, holprige Panzerpisten. Andere Strassen gibt's ja nicht (außer der Ruta 234, die San Martin de los Andes mit dem Rest des riesigen Landes verbindet). Und das staubt eben zum Himmel. Der Wind, der jeden zweiten, dritten Tag von Chile herüber weht, sorgt dann für eine interessante Verteilung. Am Boden liegt ein feiner Teppich, in 20m Höhe markiert eine Staubspur jede Strasse und am Abend schweben in 200m alle Feinpartikel, die der "Höhenwind" mitgerissen hat.
Ach ja, Staub und Wind ist natürlich kein Filter, keine Dichtung gewachsen, Putzsüchtige können sich bei mir in der Hosteria zu Intensiv-Wochen anmelden.
Downtown San Martin spürt man vor allem die Hitze. Auch wenn's über Nacht richtig kühl wird, in den Kessel zwischen der montaña Curuhuinca, dem Cerro Comandante und dem See brennt die Sonne so richtig rein und ab high noon flüchtet jeder der kann in den Schatten oder den See.
Und je nach Zweck ihres Da-seins klingt ihr "¡Que Calor! " wie der Stossseufzer eines Straßenarbeiters oder die Mantra einer Sonnenanbeterin.
Von Klimawandel sprechen auch ein paar, schließlich ist es schon der zweite außergewöhnlich trockene und heiße Sommer im ganzen Land. Es ist auch eine Periode mit - für Patagonien - wenig Wind. Als jemand, der mal hier her kam um mit dem Segelflugzeug diesen Wind zu erforschen, habe ich da eine spezielle Sensibilität. Ich vermisse einfach die wilden Wolken am Himmel. Und Klaus, mein Pilotenfreund, der auch heuer wieder in San Martin nach Weltrekordwindwetter auf der Lauer lag, erzählte nur von einzelnen verzweifelten Versuchen wenigstens ein paar Mini-Strecken abzuspulen. Was entgegne ich also denen, die mir immer mit Erderwärmung und Apokalypse kommen?
Ich habe das Schlagwort gefunden: "La Niña"!
Klingt so ähnlich wie der bekanntere "El Niño", ist aber genau das Gegenteil. In der Meteorologie jedenfalls. Bei beiden geht es, einfach ausgedrückt, um die Wassertemperatur an der Oberfläche des Pazifiks. Ist sie im Ostpazifik, also drüben an Chiles Westküste, eher hoch, regnet es viel, ist sie niedrig, regnet es wenig. Im Westpazifik, also bei den Aussies, ist es gerade umgekehrt. Passt also alles zusammen: hier trocken, an Australiens Ostküste feucht - muss La Niña sein. Und die Wassertemperatur ist tatsächlich tief - na also! Genau wie letztes Jahr, wo's hier auch so gestaubt hat.
Die Experten prophezeien, dass es mit dem "kleinen Mädchen" noch bis in den (Nord-)Frühling weiter gehen wird. Und da die World Meteorological Organisation (WMO) den eisigen Winter in Europa auch "La Niña" in die Schuhe schiebt, könnte es mit mildem Frühlingswetter zwischen Berlin und Barcelona noch ein bisschen dauern. Hier in Patagonien steht uns dagegen wohl auch ein schöner Herbst bevor.
Vielleicht ist Ostern ja der richtige Zeitpunkt für eine Aus-Flucht Richtung Süden...
Ungeschützter Verkehr
Jeder hier hat sich schon mal darauf eingelassen. Viele treiben es sogar täglich. Kein Wunder, hat man doch an kaum einem anderen Ort soviel Gelegenheit dazu wie in San Martin. Und weil sich alle irgendwie daran gewöhnt haben, gelernt haben damit umzugehen, gibt's auch wenig "Probleme". Trotzdem versuchen Versicherungen tagtäglich mit spots im Radio auf die Gefahren hinzuweisen, geben Ratschläge, wie man sich verhalten soll.
Als ich mich soweit an den lokalen Dialekt gewöhnt hatte, dass ich verstand was der Mann da jeden Morgen im "105.1 Radio de la Montaña" nach dem Schneebericht sagte, traute ich meinen Ohren nicht:
"Verhalten Sie sich verantwortungsbewusst im Verkehr. Wenn Sie an ein Stopp-Schild kommen halten Sie bitte an. Wir raten Ihnen auch vor dem Rotlicht einer Ampel anzuhalten. Dies sind Empfehlungen ihrer Versicherung San Cristobal"
Wie bitte? Soll das heißen, dass andernorts verbindliche Verkehrsregeln hier lediglich Empfehlungen sind? Dass sich das Verhalten auf den Avenidas, Calles und Rutas eher an lokalen Gewohnheiten orientiert? Dass keine Autorität etwa die Vorfahrtsgesetze überwacht und durchsetzt? Dass ich ungeschützt dem teilweise höchst kreativen Fahrstil aller Straßenbenutzer ausgesetzt bin, der Tagesform und -laune von Mann und Maschine (und fairerweise will ich erwähnen: sie auch mir und meinem alten Zweitonner)? Dass es sich hier also um bona fide ungeschützten Verkehr handelt?
In Gedanken fahre ich noch mal durch meine letzte kritische rechts-vor-links-vor-rechts Begegnung in downtown San Martin und da wird mir schlagartig die volle Ironie der Empfehlung von San Cristobal Seguros bewusst: in ganz San Martin gibt es kein Stoppschild, erst recht keine Ampel. Abgesehen von zwei Schildern zur Geschwindigkeitsbegrenzung und je einem Park- und Halteverbot findet man überhaupt keine Verkehrsschilder! Man hält sich stattdessen an überliefertes Gewohnheitsrecht.
Dies erklärt die Avenida San Martin zur Haupt- und Vorfahrtsstraße - zu Recht, gemessen an ihrem Status als Einkaufs- und Verpflegungsmeile. Schon ihre beiden Parallelstraßen je einen Block nördlich und südlich spielen da eindeutig zweite Geige. Meist kann man auch auf Villegas und General Roca durchfahren ohne anzuhalten, denn sie fallen unter Vorfahrtsregel eins:
"zum See" fährt vor "zum Berg".
(Alle Verkehrswege führen hier entweder zum See hin, bzw. vom See weg, oder laufen rechtwinklig dazu und verbinden die beiden Hügelketten, die den Kessel von San Martin im Norden und Süden begrenzen. Regel #1 ist also eine hoch spezialisierte Version des bekannten Rechts-vor-Links Gebots. )
Höchste Bremsbereitschaft ist aber geboten, wenn man auf irgendeiner der Strassen "zum See" die Rivadavia, Elordi oder Colonel Perez kreuzt. Die laufen zwar von Berg zu Berg, sind aber die einzigen, die das per Brücke über den Trabunco auch nonstop hinkriegen. Was ihnen einen speziellen Status im Straßennetz von San Martin sichert.
Unabhängig von lokaler Geographie, näher am Herz, sind Regeln zwei und drei, beziehen sie sich doch auf das Objekt, mit dem man verkehrt:
2) groß fährt vor klein,
3) alt fährt vor neu.
(Bei diesen Regeln gilt: #3 schlägt #2 schlägt #1 !!)
Diese beiden gehören vermutlich zu den Überlebensinstinkten zweiter Ordnung der lateinamerikanischen Verkehrsteilnehmer und werden beinahe automatisch befolgt.
Auch ein Porteño - Einwohner von Buenos Aires (Definition hier, auf Englisch) - wird sich nach den ersten überraschenden Begegnungen darauf eingestellt haben.
Regel #1 ist aber auch er ungeschützt ausgeliefert, wie alle, die zum ersten Mal an den Lago Lacar kommen.
Dass trotz allem selbst in der Hochsaison kaum etwas passiert liegt vor allem an "Überregel" 3.
Ein großer Teil der Vehikel auf dem rechtwinkligen Straßennetz von San Martin ist locker über zwanzig Jahre alt. Ich spreche hier nicht von Oldtimern oder Antiques sondern von mehr als ausgelutschten alten Schesen. Bewegt sich so ein Veteran mit großem Getöse und subtilen Raucheffekten auf eine Kreuzung zu löst das in jedem modernen Gefährt sofort die Notbremse aus, befürchten doch die hoch entwickelten Sensoren bei Berührung den gemeinen Rostfraß oder gar einen üblen mechanischen Virus aufzulesen. Sollte dieses System doch einmal versagen, so garantiert die Schreckreaktion seines Fahrers meist um allzu intimem Kontakt auszuweichen.
Ganz im Gegensatz übrigens zu der anderen Art des ungeschützten Verkehrs, wo die Schreckreaktion immer viel zu spät kommt .
GOOOOL...
Aus gegebenem Anlass haben sich deswegen die Kollegen der argentinischen Canales eine kleine aber entscheidende Modifikation einfallen lassen:
GOOOOOOLLLLDD...
haben sie diesmal gebrüllt, immer wieder, am letzten Freitag, 02:51 Ortszeit Argentina. So habe ich sie und die achtzig oder hundert Gäste vom "Dublin" jedenfalls verstanden. Und mit einem Gooool haben wir ja auch Gold gewonnen, mit einem einzigen gol, das erst noch durch einen krassen Torwartfehler zustande kam. Meiner Meinung nach.
Besser waren wir nicht, Lionel (Messi) hat sein Doppelpass-Spiel nicht durch die Nigerianischen Beine gebracht, Juan (Riquelme) weder einen Freistoss reingehämmert noch geniale Pässe getreten und Agüero nicht einen genialen Haken geschlagen.
Bueno, jetzt müssten es alle gemerkt haben: ich spreche vom Fußball-Finale in Peking.
Olympia hat meinen Tagesablauf nicht groß beeindruckt, aber als sich Archentiiina in die Medaillenränge gekickt hatte, wurde ich schon aufmerksam. War ja auch kaum zu vermeiden: alle Titelseiten, Überschriften, Kommentare konnten sich endlich mal um das Eine und Einzige kümmern, was der Bevölkerung des zweitgrößten Staates in Südamerika Grund und Chance gibt, sich mit dem Namen Argentina, mit der blau-weiß-blauen Flagge mit der Inka-Sonne in der Mitte zu identifizieren.
Es war also eine seltene Demonstration des Nationalstolzes zu erwarten und die wollte ich mir anschauen. Und außerdem: die meisten Argentinier wären ja am liebsten Italiener, was auch ein lebhaftes Ereignis versprach.
Da China auf dem Globus ziemlich genau "gegenüber" liegt, fiel der Spielbeginn um 12:00 Beijing-Time perfekt in die Kernzeit des nightlife in San Martin. Nach meiner Deutschstunde hatte ich also genügend Zeit meiner Vermieterin die letzten Raten zu zahlen, bei einem Kaffee zu überlegen, in welchem Restaurant ich mir die Zeit bis zum Anstoß vertreiben wollte und dann einen guten Platz vor der Leinwand zu sichern. "Leinwand" klingt nach Fan-Zone und public viewing und das war es wohl auch, aber nicht im Euro '08 Stil wie etwa in Zürich.
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Ein paar große LCD-Fernseher in den populären "Restos" und Bars mussten genügen. Meiner hing an der Holzwand im ersten Stock vom "Dublin", des größten Pubs hier. "Du-blin"! okay! nicht "Dabln" - auch wenn der Name der irischen Stadt andeuten soll, dass es hier viele Biere gibt und ein paar Whiskies.
Kurz vor Mitternacht fand ich noch einen leeren Tisch in einer Nische und bestellte einen Gin-Tonic um in Stimmung zu kommen. Ich hatte mehr Volk erwartet und war extra eine Stunde vor Anpfiff gekommen, aber die Argentinos saßen wohl alle noch beim Steak. Auf dem Bildschirm interviewten sich zwei Herren in gesetztem Alter und gestreiften Anzügen. Mit ihren riesigen Kopfhörern und den gurkengroßen Mikrofonen glichen sie Außerirdischen, die man aus einem SciFi-Film der 50er Jahre heraus kopiert hatte. Aber das brachte wohl nur mich zum Schmunzeln, alle anderen konzentrierten sich auf Drinks, Zigaretten oder den irischen Country, der von der Bar im Erdgeschoss herauf dudelte.
In den 60 Minuten bis zum Einlauf der Gladiatoren übte ich Spanisch. Adrian, der Zahnarzt/kosmetiker und Angel, ein Student der "interdisziplinären Allgemeinbildung" an einer der kleineren Unis in Buenos Aires, hatten mich nach der Adresse eines Nachtclubs gefragt und sich dann zu mir gesetzt. Unser Gespräch streifte alles, was sich im Leben der beiden so ereignete, bei ihren "Tagesjobs" ein beachtliches Spektrum. Auch deswegen, weil zu Adrian gewisse Personen aus dem Dunstkreis der VIPs kamen. Der Bruder des argentinischen Fußballstars Gago zum Beispiel. Aber das war die einzige Referenz zum Thema des Abends. An Fußball war keiner der beiden interessiert, auch nicht an Olympia. Als es auf der Leinwand los ging verabschiedeten sie sich ins nightlife. Das war schon mal eine Fehlanzeige re: futbol als nationales Identifikations- und Begeisterungsmedium.
Versäumt haben die beiden, ehrlich gesagt, nicht viel. Das Spiel ging hin und her wie andere auch, hatte keine Phasen, die mich meinen Drink vergessen ließen, keinen Moment, der mich emotionell herausforderte. Die Argentinas/-os offenbar auch nicht, denn es blieb ziemlich ruhig. Gelegentlich mal anerkennendes Klatschen (!) oder ein kurzer Aufschrei bei einem Foul. Waren denn die hier alle nur zum Trinken? Immerhin tranken sie mit dem Gesicht zur Leinwand...
Auch bei Halbzeit nicht der run auf die Toiletten um die durch Spannung gereizte Blase zu beruhigen. Man hätte vermuten können, dass da vorne ein Dokumentarfilm aus dem Reich der Ameisen gezeigt würde. Aber es blieben ja noch mindestens 45 Minuten und die Hoffnung auf ein paar Tore.
Eines schossen wir dann ja auch - na ja, "schossen" ist der falsche Ausdruck, einfach über den Torwart gehoben hat er die pelota, ins leere Tor, so muss es heißen. Da merkte ich dann, dass die meisten doch auf den Bildschirm schauten. Es wurde kurz gejubelt, getrampelt, geklatscht. Aber das war's dann auch schon. Und beim Abpfiff das gleiche noch mal. Kein Tanzen, Pfeifen, Singen. Ich war enttäuscht. Das war soweit weg von einer begeisterten Medaillen-Feier wie Buenos Aires von Rom. Von wegen italienischer Begeisterung, von wegen Fähnchen-Konvoi und Hupkonzert in allen Strassen - nada, niente. Von stolzer Identifikation nichts zu spüren, weder mit dem Land hier noch den geliebten "Ahnen" in Europa. Mag ja vielleicht was damit zu tun haben, dass die Nationalhymne offenbar ziemlich schwierig zu singen ist (zumindest für die Fußballer, die blieben nämlich stumm). Oder damit, dass die Masse zum Schifahren hier ist und nicht um ihre Nationalmannschaft zu feiern. Oder was weiß ich...
Meinen Versuch mit der Identifikation werde ich jetzt auch abbrechen: ".. haben wir ja auch Gold gewonnen..", "Eines schossen wir dann ja auch..." habe ich oben geschrieben. Aber so richtig gefunkt hat's da bei mir nicht.
Gomez dice...
".. ja, so ist es, leider! Wir haben da ein Problem mit den vielen propietarios. Aber hier sind wir doch im Parque Nacional Lanin, da gibt's schon ein paar Wege."
Im Parque Nacional? ein paar? Wege?
Habe ich das richtig verstanden?
Mein Ärger kommt schon wieder hoch, diesmal verkleidet als Enttäuschung. Hatte ich doch gehofft meine frustrierende Er-fahrung und Er-wanderung am Lago Melinquina (s.u.) sei das Resultat eines Mißverständnisses, oder eines Noch-nicht-verstehens der lokalen Verhältnisse und Gewohnheiten; dass ich hier einfach falsch lag mit der aus D, CH, F, A gewohnten Spazier-Spontaneität: raus fahren, am Waldrand anhalten, los laufen. Aber eine patagonische Version davon muss es doch geben, hier, in dieser wild-leeren Gegend, es ging doch wohl nur darum sie zu finden?
Und so fuhr ich nach dem Melinquina-Debakel directamente zu Carlos. Meine ARG-Liaison musste es wissen, oder wenigstens ein Buch, eine Karte im Regal stehen haben.
Hatte er aber nicht! Immerhin er wusste Rat: "Gehen wir doch rüber und fragen Gomez! Vamos, Wolf, vamos!"
El Gomez ist einer aus der "Solar Roca"- Clique, den 15, 20 Leuten, die die Kleider-, Wein-, Chocolate-, Designmöbel- und Buch-"Boutiquen" in dem hippen, neuen Geschäftskomplex am Westrand der Plaza San Martin betreiben. In seinen Cargo-Hosen und den Raichle Wanderstiefeln würde man ihn nicht gerade bei der Damenmode erwarten, aber hey, vielleicht ist das ja gerade das clevere Patagonia-Marketing.
Minuten später stehe ich im spotlight zwischen Kleiderständern voller chicer Blusen und knapper Röckchen und warte darauf, dass sich der unscheinbare Gomez von einer Brasilianerin "im besten Alter" los eisen kann, die irgendwas Passendes für den Apres-Ski braucht. Truji schiebt mir einstweilen einen Mate rüber: "Toma, Wolf, toma - bist ja schon halber Argentinier!"
Als Gomez mich bemerkt blinzelt er mir zu, deutet mit dem Kopf Richtung Brasillien und rollt mit den Augen. Fünf Minuten später hat er's geschafft: " Che, Wolf, como te anda?"
Es geht eben nicht so gut, oder besser: ich weiss nicht wo "es geht". Ich berichte von den Zäunen und Gattern. Gomez nickt, es scheint ihm peinlich zu sein. Dann bringt er den Parque Nacional ins Spiel, mit seinen "paar Wegen".
"Jetzt ist es sowieso schwierig, über 800m bleibst Du irgendwann in einem Schneeloch stecken, der Weg am Lago Faulkner fällt also aus." Er denkt nach, die Auswahl scheint tatsächlich nicht so groß zu sein.
"Sabes Laguna Rodales?" fährt er dann fort. No, kenne ich nicht, ist offenbar gerade um's Eck. Gomez beschreibt die Anfahrt, ich folge seinen wilden Handbewegungen und versuche, mir den Weg zu merken. Morgen soll's ja nochmal schön werden. Und "morgen" fahre ich am Nachmittag los.
"Nach dem kleinen Barrio links den Weg nehmen und dann bei der Brücke über den arroyo parken" hatte Gomez gesagt. Nach dem dritten Barrio werde ich unsicher, biege ab, finde keine Brücke, keinen Bach, halte trotzdem an und laufe - mal wieder - einfach los.
Es geht hinauf in den Wald, durch's Unterholz auf eine Lichtung hinaus, an steilem Hang. Die Aussicht ist schon mal nicht schlecht, über La Vega hinüber zum Chapelco. Eine Viertelstunde bin ich schon unterwegs, kein Wegweiser zur Laguna, auch kein Hinweis auf eine propiedad privada. Nochmal 500 Meter und meine gespannte Skepsis beginn sich langsam aufzulösen. Da stören mich selbst die Pfosten eines alten Feldzaunes kaum noch.
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Es geht wieder in den Wald. Das Sonnenlicht bricht sich in den Schneekristallen, die noch in den Zypressen hängen, und bringt die immergrünen Bambusblätter zum Leuchten. Eine unerwartete Kombination: Schnee, Sonne und Bambus. Ich komme mir ein bisschen wie ein Entdecker vor, der ich ja hier auch bin. Aus dem Weg ist inzwischen ein schmaler Pfad geworden. Im Schnee erkenne ich ab und zu Fussspuren, was mich hoffen lässt, doch einen sendero gefunden zu haben, vielleicht sogar den zur Laguna Rosales.
Doch dann stehe ich plötzlich vor einem steilen Ansteig, keine Spuren mehr, kein Pfad, bestenfalls noch ein Wildwechsel, der sich zehn Meter weiter gabelt. Okay, lieber durch die Natur gestoppt als durch einen Zaun, hundertmal lieber. Aufgeben will ich eigentlich noch nicht, schliesslich bin ich ja genau deswegen hier: einfach loslaufen und erkunden, einfach voll rein in die Wildnis. Ich will die Freiheit noch ein bisschen geniessen, habe noch nicht genug von (der) Natur. Als ich mich umdrehe um mir den Rückweg einzuprägen merke ich, dass es ziemlich düster geworden ist. Bei meinem Vorwärtsdrang ist mir garnicht aufgefallen, dass sich von Chile her eine Wolkendecke vor die Sonne geschoben hat. Die Spuren sind im Schnee kaum mehr zu erkennen. Also doch umkehren. Ich rutsche den Abhang wieder hinunter, muss ein bisschen Pfadfinder spielen um die Spur zu meinem Pfad, den Pfad zu meinem Weg zu finden. "Meinem Weg"? Ja, heute hatte ich einen Weg gefunden, der mir, zu mir passte, der heute nur mir gehörte, der mich ein paar Stunden durch Wildnis und Natur führte. Und jetzt konnte ich das Ganze nochmal im Rückwärtsgang erleben - so muss es sein, oder? Keine Spur von Frustration, nichts als Zufriedenheit.
Und für den nächsten Ausflug hatte ich ja immer noch Laguna Rosales.
Aber da muss mir Gomez nochmal genau die Anfahrt erklären.
Hinter Gittern..
Na gut: "hinter Zäunen" ist vielleicht besser. Und das "manchmal" ist eigentlich ein "immer": ich stoße immer dann auf Zäune, wenn ich zu Fuß in der Landschaft herumstrolche. Das ist in letzter Zeit nicht sehr oft vorgekommen, zu viel zu tun, zu viel Regen, zu wenig Impuls - also doch "manchmal". Am Wochenende habe ich's endlich geschafft. Die Sonne kam durch, ein paar "to-do's" waren abgehakt, also nichts wie die Nikon gepackt und raus.
Die Gegend hier ist voller Seen - die Haupt-Straße nach Bariloche heißt "Ruta de siete lagos" und damit sind nur die sieben gemeint, die man vom Auto aus sehen kann. Richtig erkundet habe ich noch keinen davon. Es gibt ja noch andere, die gerade um die Ecke liegen und so den spontanen Entdeckergeist anziehen. Aber heute wollte ich mal die Nachbarschaft verlassen: Lago Melinquina hieß das Ziel, auch nur knapp 30 Kilometer entfernt. Er liegt an einer Alternativ-Route nach Bariloche, die den großen Bogen der "Siete lagos" abkürzt. Streckenmäßig abkürzt. Die Fahrzeit ist um ein ganzes Stück länger. Um wieviel länger hängt vor allem vom persönlichen Risikoverhalten und der Sorge um das eigene Auto ab. Die Straße ist nämlich in Wirklichkeit keine, sondern ein Panzerübungsgelände. Mit Hochgeschwindigkeitspassagen (eben: für Panzer!) und Rütteltests, Bachdurchquerungen und Hindernisparcour. Sehr unterhaltsam! Sie verlangt volle Konzentration, so dass man trotz Kriechgang von den landschaftlichen Schönheiten nicht sehr viel mit bekommt. Nur gerade soviel, dass es links durch Urwald steil zum See runter geht und rechts zu den Gipfeln hinauf. Beides lässt spektakuläre vistas erwarten, wenn man denn mal von der Straße weg käme. Aber da sind die Zäune. Stetiger Begleiter, selten mal unterbrochen von einem Gatter, an dem ein großes Holzschild lehnt. "propiedad privada" ist da eingeschnitzt und "cuidado perros" - Vorsicht Hunde.
Eigentlich bin ich ja hierher gekommen um zu laufen und nicht um meinen Oldtimer einem Härtetest zu unterziehen, aber bis jetzt habe ich nicht einmal eine Möglichkeit gefunden, die Karre zu parken. Meine Frustration wächst. Wir sind ja hier nicht am Genfer See oder Lago Maggiore, an deren Ufer sich die Dörfer reihen und Villen die Zwischenräume besetzt halten. Meine Güte! Hier ist ja alles leer, alles weit und wild und leer!
Aber eben auch fast alles "besessen", im großen Stil.
Mehr als 1,8 Millionen Hektar besitzen reiche Ausländer, ein paar reiche Ausländer, im Süden von Chile und Argentinien, eine Fläche fast halb so groß wie die Schweiz! Sylvester Stallone gehört zu ihnen und Modemacher Luciano Benetton, CNN Gründer Ted Turner und Douglas Tompkins, der von "North Face" und "Esprit". Ihm allein gehören inzwischen mehr als 400 000 Hektar - und hunderte von Kilometern an Zäunen.
Hier am Lago Melinquina sind die Grundstücke kleiner, aber eines grenzt ans andere. Als ich einen Weg erkenne, der zu einer der cabañas am Strand führt, quetsche ich den Ford an den Straßenrand und laufe los.
Zwischen Zäunen schlängeln sich die Furchen nach unten. Plastiktüten hängen in den Büschen, Grüße vom ewigen Wind und dem Anonyma-Supermercado. Je länger ich durch die Halbzivilisation in der Wildnis trotte um so schlechter wird meine Laune. Irgendwie passt hier nichts zusammen. Die Satelliten-Schüssel passt nicht zu dem baufälligen Schuppen, der verschimmelte Wohnwagen nicht zum glasklaren Bach, das protzige Tor nicht zum offenen Gelände. Endlich komme ich zum See. Fünf Meter - oder waren es drei? - entlang jedem Gewässer gehören dem Volk, hat mir mal ein Argentinier erklärt und auf ein Gesetz verwiesen. Aber gilt das bei Hochwasser oder bei Niedrigstand?
Ich folge dem Ufer, in der Hoffnung nun endlich die Natur zu finden, ohne Plastikbottles, Zigarettenschachteln und Glassplittern. Nach 400 Metern ist Schluss. Kein Zaun. Reine Natur. Urwald, Steilküste und Hochwasser treffen sich, das stoppt sogar meinen Querfeldein-Ehrgeiz.
Es ist nicht mein Tag. Ich kämpfe mit meinem Ärger. Schließlich fällt mir eine alte Weisheit ein: "Man ärgert sich ja nicht über eine Person, eine Situation, sondern über sich selbst, weil man mit dieser Person, dieser Situation nicht umgehen kann." Also anders mit der Situation umgehen? die Situation umdrehen? Ich drehe mich mal um, weg vom "Strand", weg vom Barrio der Hütten und Paläste, hinaus auf den See.
Und sehe nur Natur, Weite und Leere, Wasser, Berge und Himmel. Ich greife zur Nikon und drücke ab.
Es wird ein Foto von der Landschaft, das sieht jeder. In meinem Kopf aber wird es zu einem Bild, einem Stimmungsbild. Eines, das mir klar macht, mich immer daran erinnern wird, was es bedeutet die Perspektive zu wechseln. Und wie man damit sich und seinen Blick von Gittern befreit.
The four pillars of a successful day
The other day I spent a whole day in "el pueblo" as they say here. In "downtown" San Martin, that is.
I had a full list of to-do's, running from drawing money at an ATM to spending same money at an agency for personal improvement (hairdresser) and everything in between: grocery shopping, checking with the mecanico if the spare parts for my "antique" had finally been found, getting photocopies of my passport at one of the print-shops (for the 7th time), more shopping, checking my POB and on and on.
All in all, I figured, it would take me the better part of the Argentinean business morning.
No such luck! At 1:30 pm I was not even half way through my list. Rather than driving the 10 miles back to the house and return for a second attempt in the afternoon I decided to stay in town until it was scheduled to wake from its 3 hour siesta around 5pm.
I hiked a couple of blocks to my favored take-out kitchen only to find the doors locked.
Sh.., of course, it was Monday, which for "Los Patos" is the day off. No lunch!
I opted for a couple of the excellent 'media lunas" - the local version of a small Danish - for a quick sugar boost instead and headed over to La Pasteleria Piamontesa.
Success! The sweet half moons were deee-li-cious.
Off towards the lake, camera at the ready. But nothing struck my photographic eye. The streets were deserted - claro! Siesta! - the sun hid behind a thick grey overcast - no more radiant sky, no colors at all - and even my most reliable protagonists, the street dogs, had disappeared.
The hours dragged along.
Five o'clock, finally. I called the mecanico. No answer. I walked over, in the hope that he was working in the electromagnetic shade of his hydraulic lift so that only his cell phone was incommunicado. Nada!
Slowly, but inevitably, the level of my frustration rose.
Next stop: post office. Dios mios! A queue of about thirty people! I couldn't even get through the door!
Was it worth the wait to ask for the key to my box? when the chance to find something was perhaps fifty percent? No! (stupid me - why did I forget my key at home in the first place?)
Enough is enough! I decided to call it a day. A pit stop over at Cinco Sentidos and then back to the Golf was the plan
As I walk through the door of my favorite bookstore/cafe in San Martin I hear Ella's "Bewitched, Bothered and Bewildered" waft thru the air. Ah! music is going to save me - and the day - once more! Now a cortado and the world is back in harmony again. I pick a heavy photo book from the shelves for entertainment and climb the stairs up to the cafe. As the smell of coffee hit's my nostrils and stimulates yet another 'sentido' a memory flashes through my mind: isn't this here almost like another place I love some 80 degrees of latitude to the North? Books, pleasant music, interesting clientele, great coffee, more books - The Boulder Bookstore, of course! How many Java's, Darjeeling's, Mary Jane's and pumpkin bars have I consumed in the Bookends Cafe, enhanced by whatever songs the crew behind the counter sent to the speakers. Not that I needed to be rescued from deep frustration very often, no, not in Boulder. Instead it was - and still is - a place, which rarely failed to inspire me in some way or other.
There are a few other 'hot spots' in Boulder, which are definitely capable to put a positive spin on any given day. Hit one of them and the day will be a success, because you know that you'll find what you've been looking for. And if you're not looking for anything, you'll find something all the same. In my book three stand out: Eads, the empire of magazines, periodicals and newspapers, Liquor Mart with its unequalled selection of wines of the world and McGuckins, which calls itself a hardware store - in unsurpassed understatement.
The second sip from my cortado, which would be something between "ein kleiner Brauner" (a little brown one) in Vienna and a mini-cappuccino in Italy, pulled my mind back to San Martin: could anything be found here, which is vaguely equivalent to those four pillars of a successful day in Boulder? I asked myself.
Sure can! I was enjoying the supportive action of one pillar right at this moment: the soothing atmosphere at Cinco Sentidos.
Sitting above the bookshelves, nibbling on a ham and cheese tostada, checking emails or surfing the web on the gratis wifi, having a brief chat with Niko or Carlos who own and run the place and watching customers rummaging through literature and asking for recommendations, proved time and again to be the perfect time-out on a day filled with - mostly frustrating - chores downtown.
And then there is "La Piamontesa".
For little more than a buck one gets four small pieces of pastry. Absolutely the best in town. And, believe me, I've checked out all the pastelerias within walking distance from the usual parking spots, all of them! The perfect supplement to bring the glucose level back into "feel good" territory. Fortunately, "La Piamontesa" is about as far west as you can walk in San Martin. Therefore, to succumb to the sweet seduction involves a modest stroll almost all the way to the lake. Pick up your media lunas and enjoy them at the beach. This little deviation powers you through the remaining tasks as if on turbo..
Shopping is the prevalent reason to drive down from the Golf, and often it's the little things, which I desperately need. Paper for the printer, form such and such for a rental contract, batteries. Shopping is also definitely different here. The 'all under one roof' supermarket does exist and is called Anonyma (how about that for branding...!) but often one is much better off searching for those little things in small shops.
One such small shop is Nehüen Yavü, which in the Mapuche Indian idiom means something like strong fight. Nehüen Yavü is as much 'only' a stationery shop, as McGuckins is 'only' a hardware store. You find everything from needles to wrapping paper to laptop bags to telescopes in the unfathomable depth of the establishment. While you're on treasure hunt they copy all your documents in triplicate, replace the cartridge in your fountain pen and count out the 17 paper clips you wanted.
Ah yes, of course: the standard amount everything is sold in, and priced, is 1, one unit, one single piece. You want a box of 100 sheets of photo quality ink jet paper? How many do you really need? 23?, fine, so let's get you the 23 sheets. Very interesting business practice, saves the customer money, costs the shop time - but works somehow. Without Nehüen Yavü I'd still be waiting for my "Social Security"-id: a quick run over from the office and I had the five copies of my visa in no time, which convinced the bureaucrat behind the desk that I knew my way around San Martin and therefore had to have lived here for some time.
And without the "Yavü" more than one trip to el pueblo would have been in vain. When the queue at the banco, the office of migraciones, or wherever was too long for my patience, I went there and took a quick trip around the store and left with one piece of something that made the 20mile roundtrip worthwhile. So this makes three pillars.
"Caso Commercial" completes he quartet. Even in what around here is considered an upscale residence (my casa at the Golf) a lot of little details need constant attention. Some of the light fixtures, for example, date back to the late 90's - of the 19th century! - and have to be replaced. And when the wind picks up the curtains start to move, telling me that I'd better buy 'burletes' and seal the frames and windows.
It was Carlos who directed me to the Caso as the one-stop for all things house and garden. With the stuff in its historic warehouse - and archives - one could probably built the house from ground up, provided one understands the recommendations of the immensely competent sales people given in rapid fire local lingo.
So there you have it, the four pillars of a "successful" day in San Martin de los Andes.
Not that I have to rely on them every day, but I know they are there when I need them.
Out ouf Rhythm...
The first quarter of '08 is already past, as is a trip to Europe. Two weeks in Germany and Switzerland require three weeks on the road - traveling my way, that is. Add to that a couple of days to get organized and packed (- all more complicated and time consuming when 'embedded' in the Argentinean way of living -) and a couple of days to get back into that Patagonian rhythm and it leaves you with more than a month out of sync with regular activities. Like writing a blog.
So it was "back to the old routines" when I came back to summer after my long journey. Or so I thought. But those routines were nowhere to be found.
A couple of days in "my old neighborhood" had obviously been enough to flip a hidden switch back to its "Standard" setting. "Standard" as in "normal Swiss operating procedures", where published opening hours and time tables were not used as rough guidance but as precise criteria to organize the tasks of a day. Where one could simply buy whenever and whatever was needed and (therefore) achieve with reasonable reliability what had been planned for a given period of time. In short, my expectations had realigned themselves with the experiences, which I had gathered within the well-oiled Swiss system over more than two decades.
On my way back this change of paradigm survived two Atlantic crossings without noticeable damage. In Patagonia, however, it was confronted with a different definition of "Standard" or "normal": more than three weeks after I had dropped off my car at the shop it was still 'out of service'. I was annoyed, to say the least. It didn't matter at all, when Pablo tried to explain that my Explorer with its manual shift was a rather unique specimen and to find spare parts for it was high-level detective work. I just wanted my car in drivable condition! But now it looked like I had to go back into hitch-hiking mode again with the ensuing lack of flexibility.
Then the story with my "office furniture"..
A scant 24 hours before my departure for Europe a truck had shown up with my household goods from Switzerland! Finally, after more than three months! So now, there were things to do: assemble the mountain bike, set up the stereo, install computer, printer, scanner... and buy a table/desk and a small shelf and my workspace would be ready to go. I had seen something suitable in an office in San Martin. I went back there and asked the lady at the desk where she bought it. " Well, if you want to buy it, you have to go to Buenos Aires." she said. What? Is the señora trying to tell me, that I have to drive 1000 miles to shop for a simple office desk? Yep, that's what she was trying to - but she offered an alternative: "We had this one done by a local carpenter, takes about two to three months." Oh great!
Within a mere couple of days San Martin had dialed down my speed of living, had forced back the hidden switch to its "Patagonia" position.
It took almost a week until I had rearranged myself with the local rhythm, until I had accepted, once more, that a leisurely trot allows for a better view of roadside details than a full gallop, until I had truly arrived a second time.
Volcano Lanin
Well, there I was and realized that the quick back and forth between summer and winter had been a contrast enhancing experience. The mild temperatures in Switzerland in February should have made the transfer to the Argentinean summer easy, but the heat hit me with full blast. Not only me, the locals were complaining, too. Nobody could remember such an extended period of above 90F, the drought was t h e topic on the local station Radio Montaña. Heaven and earth assumed an almost New Mexico-like appearance: on the ground the grass had withered, whatever little humidity was left had retreated to the sky and boiled up in wild clouds. Boiled up, not boiled over: the occasional high altitude precipitation rarely made it to the ground.
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Afternoon clouds near the Chapelco airport - - - - - - and the evening "development" as seen from the porch
The perfect set up for what had to happen eventually, and quite "naturally": lightning provided the initiating spark and it took off from there. One evening a little bit of smoke, which seemed to have died off the next morning…then the wind picked up and in the afternoon the flames ran wild. The forest fire was about fifteen miles away but on its second day I had soot on the porch, the smell of cinder in the house and the visibility had dropped to three miles.
The fire at Lago Lolog in its early stage
Apparently, the Indians knew which dance to dance. The following day a front moved in and brought the first rain in about two months. It really poured, flushed the dirt out of the atmosphere and helped the guys at the forefront to gain control. About 2500 hectares of brush and forest had gone up in flames, all of it in the Lanin National Park; fortunately, without casualties or damage to property.
The two wet days didn't bring true relief, however. As soon as the last cloud had disappeared we were back to " high desert mode", sky clear, winds light and variable, temperatures in the high eighties and relative humidity at about 30%.
Well, this was about six weeks ago. I'm posting it anyway to maintain a somewhat coherent style - and also because I had to catch up with the "German-speaking" part of my blog - and link to new photos.
¿Habla Inglés?
...wie bitte? hatte ich das richtig verstanden? Kaum war ich zu dem alten Gaucho ins Auto gestiegen und hatte ihm mit " muchas gracias, señor" (das ich inzwischen akzentfrei raus bringe) gedankt, antwortete er mit der unerwarteten Frage: "¿Habla inglés?" Englisch sprechen? mit einem Gaucho? Na gut, mit einem vielleicht schon, aber wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass ich gerade hier an den einen geraten würde? Und wollte er tatsächlich lieber englisch sprechen, oder sah er mir nur irgendwie an, dass mir eine flüssige Unterhaltung nicht so locker von der Zunge gehen würde, wie die gängigen Floskeln?
Ich war mal wieder " zu Finger " unterwegs - ir al dedo, wie die Argentinier sagen - und hatte mich vor "dem Golf" an der ruta aufgestellt. In einer Viertelstunde sollte der Kleinbus aus Junin vorbeifahren, aber vielleicht kam ich ja noch vorher zu einem etwas individuelleren Transporterlebnis a la "Alternative Verkehrsmittel". Ich hatte Glück. Kaum war der Rucksack abgesetzt und der Daumen gehoben, fuhr ein blitzsauberer, kastanienbrauner Citroén langsam durch das gate. Bevor er auf die ruta einbog, blieb er stehen, als ob er sich auf eine lange Reise vorbereiten wollte, und setzte sich dann vorsichtig wieder in Bewegung. Als ich meinen Arm fragend langsam auf und ab schwenkte, lenkte der Fahrer ein, hielt an und räumte etwas vom Beifahrersitz.
Ich öffnete die Tür und stieg ein. Neben mir saß ein gepflegter, schmächtiger Mann. Ein alter Mann. Wie alt konnte ich schlecht schätzen. Die Falten in seinem braungebrannten Gesicht verloren sich in einem kurz getrimmten, weißen Bart, die dunkle Oakley wölbte sich von Ohr zu Ohr und verbarg seine Augen und ein Campesino-Hut mit der typisch breiten, flachen Krempe hütete das Geheimnis seines Haarwuchses. War er auf Ausgang? Mit seinem weißen, frisch gebügelten Hemd aus dessen Kragen ein modisches, braun gemustertes Halstuch herausquoll und der eleganten beigen Hose, die in gut gewichsten schwarzen Schaftstiefeln steckte, wäre er dafür jedenfalls perfekt gekleidet gewesen. Vielleicht ein bisschen zu perfekt? Je mehr ich von ihm wahrnahm, umso weniger schien mein Bild von einem Gaucho auf ihn zu passen.
Er sah mich immer noch neugierig an und ich antwortete: "Yes, certainly, Sir!" Behutsam beschleunigte er auf 70km/h. Dann fragte er in einem leicht amerikanisch angehauchten Englisch: " Sind Sie einer der glücklichen Besitzer eines Hauses an diesem wunderbaren Ort?"
"Nein, ich bin vermutlich der einzige - und glückliche - Mieter eines Hauses" gab ich zurück und drehte den Spieß um: "Und Sie? Wohnen Sie hier?"
"Well, mir gehörte einmal all dieses Land!" kam als Antwort. Wow, der Mann hatte mich zum zweiten Mal überrascht: es war also Don (Buster) Taylor persönlich, der mich aufgelesen hatte. Sein Vater James Taylor war 1896 aus den USA eingewandert und hatte 1918 die 1000ha der Estancia Chapelco gekauft, auf denen der "wunderbare Ort" lag. Meine Gaucho-Hypothese traf also doch zu, allerdings weniger in der umgangssprachlichen Bedeutung "argentinischer Cowboy", als vielmehr im Sinne eines angesehenen Viehzüchters aus Patagonien oder dem weiten Gebiet der Pampa.
Im PR-Prospekt über den Chapelco Golf Ressort hatte ich schon ein paar Sätze über die Taylors gelesen, jetzt war die Gelegenheit gekommen, ein paar "intimere" Einzelheiten zu erfahren. Dazu wollte ich mit Respekt vorgehen. Einmal, aus rein pragmatischen Gründen, mit Respekt vor dem Alter meines Chauffeurs: keine Fragen angesichts fordernder Verkehrssituationen. Und zum andern mit Respekt vor einem Gaucho, der einen Teil seines Landes einem eher artfremden Geschäftszweig geöffnet hat, mit Respekt gegenüber meinem Patron sozusagen.
Vor neunzig Jahren sei er aus der Provinz Buenos Aires nach San Martin gekommen, mit vier Jahren, (Aha, Altersfrage gelöst!) und habe eine herrliche Kindheit in Patagonien erlebt. Gerade mal 72 Familien habe es damals in San Martin gegeben, die meisten aus Chile, ein paar aus Spanien, 3 Familien aus Germany und 2 aus dem französisch-sprechenden Teil der Schweiz, die vor allem Gartengemüse, sowie Gerste, Weizen und Hafer angebaut hätten....
Aaaachtung - Baustelle !!! Eine Warnung war angebracht. Don Buster fuhr mit unvermindertem Elan auf die stehende Kolonne zu und ich fürchtete, dass ihm sein lebhaftes Erinnern nicht genügend processing power für die unmittelbare Gegenwart ließ.
Endlich bremste er!
Spät, aber nachhaltig.
Und ich schämte mich ein wenig für mein mangelndes Vertrauen.
"Mein Vater begann mit Schafzucht " fuhr er nach dem kurzen Stopp fort. ”Wolle war damals sehr gefragt, aber trotz unserer Zuchterfolge hat dieses Geschäft nie genug Geld eingebracht. In den Dreißigern startete er ein neues Experiment: Forstwirtschaft. Er pflanzte Nadelbäume als langfristige Investition in das Baugewerbe." Daher kam also der gepflegte Nadelwald auf dem Golfplatz. Anfangs hatte ich geglaubt, dass die 18 Greens geschickt um die großen und kleinen Baumgruppen herumgeführt seien. Dann war mir aber aufgefallen, dass die Bäume immer irgendwie in Reih' und Glied standen. Die "tree farm" war natürlich die Erklärung.
" Ende der Fünfziger Jahre hörten wir langsam mit den Schafen auf und ich kümmerte mich hauptsächlich um das Holz. Das war auch nicht einfach, aber allen unserer drei Kinder ging es immer gut - und das ist doch was, oder?" Er blickte mich fragend an - und ich blickte nervös voraus: die nächste einspurige Umleitung kam in Sicht. Diesmal war kein Auto vor uns, nur ein kleiner Indio, der wie wild mit einem roten Fetzen fuchtelte und uns damit zum Abwarten des Gegenverkehrs auffordern wollte. Nein! ich werde nichts sagen! ich werde ruhig bleiben! Aber wenn er den kleinen Mann nicht sieht? Und dann dem Bus nicht ausweichen kann? Oder ausweichen will und dann den Abhang hinunter lenkt?
Der Indio winkte energischer, rannte uns entgegen. Ich schaute Don Buster an, er schaute nach vorne! Sah er immer noch nicht, was da auf uns zu kam? Ich wendete mich zu ihm, holte Luft und - fiel fast in den Sicherheitsgurt.
Endlich bremste er!
Spät aber "nachhaltig".
Ich schämte mich nicht - ich verstand vielmehr: der Mann hatte einfach eine Optik, die nur bis etwa 50 Meter scharf zeichnet! Alles was weiter entfernt ist liegt für ihn in einer anderen Welt. Ist er dann mit 70km/h unterwegs und bleibt einen langen Moment unaufmerksam, findet er sich folglich in der anderen Welt. Das kann er nur vermeiden, wenn er jeden Moment mit voller Aufmerksamkeit lebt.
Das kam mir bekannt vor, hatte ich schon mal irgendwo gelesen: "Lebe jeden Moment mit voller Aufmerksamkeit!" Ist es das, was mir Don Buster mit seinen 94 Jahren Lebenserfahrung demonstrieren wollte?
Ich traute mich nicht ihn danach zu fragen. Es würde sein Geheimnis bleiben.
Als wir zum Stillstand gekommen waren, löste er seinen Gurt und stieg aus. Bedächtig ging er um das Auto, blieb bei jedem Rad stehen und inspizierte es eingehend. Hatte der Citroén etwa nicht so gebremst, wie er es erwartet hatte? Etwas zu spät vielleicht? Keine Ahnung! Als er bei Rad Nummer vier war, fing der Indio wieder an zu winken. Diesmal auffordernd, vorwärts, vorwärts. Señor Taylor stieg langsam ein und schnallte sich sorgfältig an. Dann gab er langsam Gas. Jemand hupte.
" Jetzt habe ich alle hinter uns aufgehalten, für ein paar Minuten. Well, wenn man 94 ist spielen ein paar Minuten keine so grosse Rolle mehr, I guess" bemerkte er. Eine plausible Einstellung für jemand, der sich den grössten Teil dieser 94 Jahre mit dem Wachstum von Holz beschäftigt hat - dachte ich mir. Fragte mich aber auch, ob in dieser Bemerkung nicht wieder eine tiefere Weisheit steckte.
Wir ereichten die ersten Siedlungen von San Martin, der Verkehr nahm zu, die Geschwindigkeit ab. Da blieb vielleicht noch Zeit für eine Frage: "Und wie kam es zu dem Golfplatz?"
"Diese Idee hatte mein Sohn Jorge. Dauerte fast 15 Jahre bis zur Einweihung. Das hat die Finanzen der Familie schon verbessert, meine Kinder und Enkel können jetzt davon profitieren. Aber für mich? - ich spiele ja kein Golf!" Seine knappe Antwort klang ambivalent. Ein Gaucho in Golfschuhen mit einem 7er Eisen?, das passte nicht zu Don Buster, der sich ein Leben lang um Schafe und Bäume gekümmert hatte. Ein bisschen stolz war er aber schon, wenn er hörte, wie "Bewohner" und Golfer schwärmten: von der einzigartigen Landschaft in und um seine Estancia, von der raffinierten Anlage der 18 Bahnen.
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Dass Jorge für deren Design den amerikanischen Meistergolfer Jack Nicklaus hatte gewinnen können, erwähnte er nicht. Es wäre der einzige Hinweis gewesen, dass er außerhalb der Gespräche im Elternhaus jemals mit der englischen Sprache in Kontakt gekommen wäre.
Und trotzdem, nach 90 Jahren in Patagonien: "¿Habla inglés? - sería mas facil!" ( - wäre einfacher!) - schon erstaunlich !
Rhythmusstörungen
Keines von beiden! - Wie viele von Euch wissen, war ich einfach auf Auslandsreise. Und um zwei Wochen in D und CH zu verbringen, ist man drei Wochen weg von San Martin. Dann braucht man noch ein paar Tage vorher um alles einzufädeln, zu packen und ein paar Wochen hinterher um sich wieder an den ritmo patagonico zu gewöhnen - und das bringt die bloggerei, jedenfalls so wie ich sie betreibe, etwas aus dem Tritt.
Na ja, die Welt ist deswegen nicht untergegangen und drängende, besorgte oder einfach nur neugierige E-mails habe ich dazu auch nicht bekommen. Was wiederum nicht viel bedeutet, da sich das feedback auf meine Schreiberei ohnehin mit minimalem Aufwand managen lässt.
Zurück zur Routine also, dachte ich mir, als ich nach langer Reise wieder in den Sommer zurückgekehrt war. Die aber wollte sich so schnell nicht wieder einstellen.
Schon nach ein paar Tagen in der Ferne war ich nämlich wieder in die ausgetretenen Furchen einer altgewohnten, nie in Frage gestellten "Normalität" geraten. Ich hatte mich wieder darauf eingestellt, dass Fahrpläne und Öffnungszeiten nicht nur bekannt sind, sondern auch eingehalten werden, dass ich das, was ich jetzt brauche, jetzt kaufe und das, was ich für einen Tag plane auch mit einiger Zuverlässigkeit erreiche. Meine Erwartungen orientierten sich wieder an den Erfahrungen, die ich über Jahre hinweg in dem gut geölten System Schweiz gemacht hatte.
Dieser Paradigmenwechsel hatte den Rückflug mit seinen zwei Transatlantiketappen ohne Schaden überstanden, hier in Patagonien wurde er dann allerdings mit einer anderen Version von "Normalität" konfrontiert.
So konnte ich erstmal überhaupt nicht verstehen, warum mein Auto nach drei Wochen Werkstattaufenthalt immer noch fahruntüchtig war. Dass so was hier eben vorkam, zum akzeptierten, manchmal auch unumgänglichen Lauf der Dinge gehörte, interessierte mich einfach nicht. Es ärgerte mich nur.
Daran änderte auch Diego nichts, der mir erklärte, dass das handgeschaltete Getriebe mein Detroit-Fließbandprodukt zu einem Liebhaberstück macht und Zahnräder dafür 'south of the border' kaum zu finden sind. Das hieß zurück zu den "Alternativen Verkehrsmitteln" (siehe dort) - auf unbestimmte Zeit - und damit zu reduzierter Mobilität, was schon mal einige Pläne über den Haufen warf.
Dann die Geschichte mit den "Büromöbeln".
Vierundzwanzig Stunden vor meiner Abreise war doch tatsächlich mein Umzugsgut noch eingetroffen. Es gab also zu tun: das mountain bike zusammen bauen, Stereoanlage in Betrieb nehmen und Computer, Drucker und Scanner installieren. Jetzt noch einen Tisch und ein Regal kaufen und wenigstens mein Arbeitsplatz ist ready to go. Etwas Passendes hatte ich in einem Büro in San Martin gesehen. Ich fragte die, die hinter dem Computer saß, wo man das kaufen könne. "Nicht hier, dafür müssen Sie schon nach Buenos Aires!" Wie bitte? Will die Senora mir etwa sagen, dass man 1500km fahren muss um einfache Büromöbel zu kaufen? Ja, das wollte sie, konnte mir aber auch noch eine andere Option anbieten: "Beim Schreiner dauert so was hier zwei bis drei Monate". Na super! Da war ich in kurzer Zeit in meiner alten Spur an zwei Prellböcke gefahren. Das System Argentina hatte mich in wenigen Tagen wieder auf die lokale Geschwindigkeit herunter gebremst.
Bis ich mich damit arrangiert hatte, mir wieder klar wurde, dass man im gemächlichen Trab die Details am Wegesrand besser sieht als im gestreckten Galopp, bis ich sozusagen zum zweiten Mal angekommen war, verging fast eine Woche.
Jetzt bin ich also wieder da...
Vulkan Lanin
...und merke, dass das kurzfristige Hin und Her vom Sommer in den Winter und wieder zurück eine kontrastverschärfende Erfahrung ist. Obwohl die milden Temperaturen im Schweizer Februar den Übergang in den argentinischen Sommer eigentlich hätten erleichtern sollen, traf mich die Hitze hier mit voller Wucht. Aber nicht nur mich, auch die Einheimischen stöhnten alle. Niemand konnte sich an eine derart lange Phase von Temperaturen deutlich über 30 Grad erinnern, die Trockenheit war d a s Thema im Lokalradio. Auch Himmel und Erde zeigten sich von einer Seite, die mich an New Mexico erinnerte.
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Wolken am Nachmittag beim Flugplatz Chapelco - - - - - - und - - - - - - am Abend von der Veranda
Am Boden verdörrte das Gras, die Restfeuchte verzog sich in den Himmel, wo sie in immer wilderen Wolken hochschoss. Was leider ohne die erhofften Konsequenzen blieb: nur selten schafften es mal ein paar Tropfen aus dem Grauschwarz bis nach unten.
Und so kam, was kommen musste - auf ganz natürlichem Weg. Ein paar Blitze legten die Initialzündung und dann ging's los. Eines Abends ein bisschen Rauch, der sich am nächsten Morgen schon wieder verzogen zu haben schien. Dann half der Wind nach und am Nachmittag ging's richtig los.
Waldbrand am Lago Lolog
Etwa zwanzig Kilometer war der Waldbrand entfernt, aber am zweiten Tag hatte ich die Asche auf der Veranda, den Rauchgestank im Haus und die Sicht war auf knapp fünf Kilometer gesunken.
Offenbar kannten die Indianer den richtigen Tanz, denn am nächsten Tag zog eine Front auf und brachte Regen, den ersten seit gut zwei Monaten. Und es goss, wusch den Dreck aus der Atmosphäre und half auch den Kämpfern an der Feuerfront der Lage langsam Herr zu werden. Etwas über 2000 Hektar Wald wurden zerstört, alle im Nationalpark Lanin.
Eine echte Entwarnung haben die zwei nassen Tage aber nicht gebracht. Inzwischen sind wir wieder im Modus "grand beau": herrliches Spätsommerwetter, bei 24 - 27 Grad.
Life near hole 18
Above all it's the scenery. The carefully designed and 'built' landscape around the eighteen holes with their greens, ponds and bunkers resembles an expansive park, which constantly invites to a leisurely stroll. Discovering small, surprising details, like a fairway mirrored in the pond or the shadow from a row of pine trees cast across a green, makes one appreciate the creative thought that went into the layout. In the case of the golf course here, at the entrance to the San Martin valley, there's also the location in the hilly terrain at the foot of Chapelco Mountain, (from which the "Chapelco Golf & Resort" borrowed his name) which in itself is enough to create an almost magical atmosphere. From 'my' house, up on the flank of the hill on the eastern boundary of the site, I have a superb view, which, especially during the evening hours, is the best tele-vision show on any channel.
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Foothills of Chapelco, just south of the valley to San Martin - - - wave over my porch - - - burning clouds
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my evening drink ( Mate tea) and evening clouds - - the last cumulus (for a change) - and lentis settling into the night
Secondly, there is a clubhouse. From its big saloon it affords magnificent views of lanes one, nine and eighteen with the mountains as backdrop and, as a kind of contrast program, one can watch the minors take their first swings on a little green serving as a kindergarten, while the majors battle it out between the hazards. Oh well, yes, of course, there is the food! This is a perfect place to get eyes and palate satisfied simultaneously. From the menu I conclude, that clubhouse and Hotel (five stars - Argentinean stars, that is) collaborate closely in the gourmet department: food and drink is excellent! Despite the upper class ambiance prices are very modest, at least when compared to a typical Swiss country diner.
So, theoretically, between working (writing stories, articles and blog entries), relaxing and eating, there is not much incentive to leave the place. In reality, things look different. A lot of those little errands, which I usually (in Europe or the US) took care of online, via phone or email, require personal presence in Argentina. Paying a bill, any bill, means handing over the dinero to the guy at the bank, the lady in the office of the phone- or insurance company. And for that one has to go downtown. Which is about 10 miles away. No problem, if one has a car. Most of the vehicles I see driving around the course are compatible with the upscale environment. Large SUV's, monster-pickup's and every once in a while something more sportive, a souped up Honda or a spiffy Beamer, 'spare'-mobiles should the family car require maintenance.
With respect to the automotive segment of the resorts inhabitants I fit in nicely with my '94 Explorer. I am lacking, however, the trendy ragtop to cover for the occasional time-out my "Big Blue" needs, when the oil needs changing or the wheels aligning.
And it's then, that there's something else to living on a golf course: the challenge to get around without a car.
The first time I had to take my car to Jorge, the mecanico whose grandpa lived in a small village near Luzerne, Switzerland, was about a month ago. So I dropped Big Blue off and took the colectivo downtown, had a coffee at my favorite bookstore and then took the bus to Junin, the next town about 30 miles east. I told the driver to add a stop enroute at the "golf" and from the gate it was a 25 minute stroll to la casa mia.
Of course, it was the other direction, which posed the real challenge. There is no official bus stop at the entrance to "Chapelco Golf&Resort". And since it sits at a long straight section of Routa 234, where everybody goes at least 70 mph one last time before hitting the brakes for the first S-turn down into the valley, there's little chance that anyone would see, much less stop for a lone hitchhiker. So the options are to somehow flag down the bus from Junin or to call a cab from San Martin, a 12 buck one way extravaganza, which I wanted to safe for real emergencies. I walked to the gate to inquire. The girls told me, that the bus would be leaving Junin in about 10 minutes and take roughly 20 minutes to get here. Why don't I sit down in their a/c-ed booth and listen to music on the Internet while waiting. With five minutes to go I walked away from Salsa out in the sun.
After a short while an ancient Jeep - vintage late fifties, I'd guess - came out of the gate, pulled up and the driver motioned me to "embark". The thing was painted in light blue - yes, painted, with paint runs and orange peel surface allover. Heavy shipyard-steel was welded in, where time and weather had eaten away the original parts. And, just like on a boat, there was a windscreen, but nothing one could describe as roof or cabin or doors. Only the roll bar made of heavy tubing didn't seem to fit the rather maritime appearance. I parked my backpack on a roll of heavy-duty steel rope and stowed my legs underneath two big loudspeakers dangling down on thin wiring from a steel plate serving as instrument panel and firewall. Then we got rolling. Up to about 30mph the Oldie accelerated rather smoothly, but then we seemed to hit something like the sound barrier. Our vehicle started to shake and rattle, vibrations ran through the chassis and I was glad I had a heavy bar right in front of me to hang on to and thus avoid going over board. Obviously it wasn't an atmospheric shockwave, which agitated the poor Jeep to such a degree, and the surface of the road had nothing to do with it either: only smooth asphalt. The way my driver clung onto the steering wheel and the cautious manner in which he lifted his foot from the accelerator pedal gave the clue: one of the wheels had started to run amok, due to an unfortunate resonance between spring forces in the suspension and the centrifugal forces on a rotating tire. After a hundred yards, the front axle had hardly started to behave, I felt the faint pressure of acceleration on my back again. The needle of the speedometer, the only instrument in the panel, approached in erratic motion once more the dreaded 30mph mark. I realized: my fearless pilot went for a second attempt to find a hole in the barrier - and by sheer magic he found it. This time our topless racer slid without even the slightest shiver across the critical threshold and reached an amazing 47mph.
Everything was cool. Almost everything. My chauffeur still worked that steering wheel like in frenzy but nothing much seemed to happen to the direction the Jeep was going. That steering must have had a play of at least half a turn! All the while he was whistling merrily - and now, as we approached the infamous S-turn, he began adjusting his New York Yankees baseball cap, with both hands, as if this thing was on full autopilot. With the confidence of a true master he negotiated the two curves at full speed but then our ride in the "zone" had to come to an end: "Road construction, one lane only" a big sign warned. On the washboard surface of a torn up section our mustang went into full rodeo mode. Señor New York Yankees fought and swore and almost ripped off that wheel, but we made it. He stopped in front of Jorge's shop and I disembarked. As I felt solid ground under my feet I thanked my stunt driver and wished him happy driving. " Only to my mecanico" he answered and added with a grin " no more Jimmie ", imitating with his hands the wild gyrations of the unbalanced wheel.
Übergangsphase
Um Mitternacht kam der Weihnachtsmann, man stiess an und verteilte ein paar Geschenke. Kein grosses Brimborium, kein hype um das teuerste Geschenk, die originellste Weihnachtskarte oder den schönsten Christbaum - sehr angenehm...
Tagsdarauf dann eine Art Kontrastprogramm: ich war zum lunch bei einem pensionierten Arzt eingeladen, der 15 Jahre in Boston gelebt und gearbeitet hatte. Der American Way of Life unter den NeoCons ging ihm dann aber so auf den Geist, dass er sich entschied in sein Heimatland zurückzukehren und sich in San Martin, besser: über San Martin, nieder zu lassen. Sein Haus liegt auf 1200m, bietet eine spektakuläre Aussicht und verlangt Gottvertrauen bei der Anfahrt - nach jeder Art von Niederschlag wohl auch einen robusten 4x4 und Pfadfinder-Qualitäten: den 6km langen, steilen "Wanderweg" muss man erstmal finden. Der Trek hatte sich aber gelohnt. Ich wurde bestens bewirtet, hervorragend beschallt und äusserst interessant unterhalten.
Über die letzten Tage des alten Jahres ist nicht viel passiert nur die Zeit verflog. Dann kam Sylvester und damit eine Art replay von Weihnachten: diesmal traf sich ein anderer Freundeskreis bei Claudia. Da das grosse Feuerwerk wegen erhöhter Waldbrandgefahr nach der langen Trockenperiode ausfiel, konnten wir uns voll auf Delikatessen und Wein konzentrieren; und auf die Tischnachbarn...
Danach verhielt ich mich ruhig und liess die Zeit rasen. Und jetzt sind wir schon tief im Januar des neuen Jahres. Höchste Zeit, die Neujahrsgrüsse loszulassen, denn mit der alten Sitte, dass die guten Wünsche bis zur ersten Heuernte akzeptiert werden, muss man hier vorsichtig umgehen. Gustavo kletterte nämlich schon zur Ernte in den Kirschbaum, da hing noch der Schmuck im Baum!
Also: Alles Gute für 2008 - Gesundheit, Erfolg, Spass, tollen Erlebnissen und profunden Erkenntnissen...
Transition period
Above all it's the scenery. The carefully designed and 'built' landscape around the eighteen holes with their greens, ponds and bunkers resembles an expansive park, which constantly invites to a leisurely stroll. Discovering small, surprising details, like a fairway mirrored in the pond or the shadow from a row of pine trees cast across a green, makes one appreciate the creative thought that went into the layout. In the case of the golf course here, at the entrance to the San Martin valley, there's also the location in the hilly terrain at the foot of Chapelco Mountain, (from which the "Chapelco Golf & Resort" borrowed his name) which in itself is enough to create an almost magical atmosphere. From 'my' house, up on the flank of the hill on the eastern boundary of the site, I have a superb view, which, especially during the evening hours, is the best tele-vision show on any channel.
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Foothills of Chapelco, just south of the valley to San Martin - - - wave over my porch - - - burning clouds
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my evening drink ( Mate tea) and evening clouds - - the last cumulus (for a change) - and lentis settling into the night
Secondly, there is a clubhouse. From its big saloon it affords magnificent views of lanes one, nine and eighteen with the mountains as backdrop and, as a kind of contrast program, one can watch the minors take their first swings on a little green serving as a kindergarten, while the majors battle it out between the hazards. Oh well, yes, of course, there is the food! This is a perfect place to get eyes and palate satisfied simultaneously. From the menu I conclude, that clubhouse and Hotel (five stars - Argentinean stars, that is) collaborate closely in the gourmet department: food and drink is excellent! Despite the upper class ambiance prices are very modest, at least when compared to a typical Swiss country diner.
So, theoretically, between working (writing stories, articles and blog entries), relaxing and eating, there is not much incentive to leave the place. In reality, things look different. A lot of those little errands, which I usually (in Europe or the US) took care of online, via phone or email, require personal presence in Argentina. Paying a bill, any bill, means handing over the dinero to the guy at the bank, the lady in the office of the phone- or insurance company. And for that one has to go downtown. Which is about 10 miles away. No problem, if one has a car. Most of the vehicles I see driving around the course are compatible with the upscale environment. Large SUV's, monster-pickup's and every once in a while something more sportive, a souped up Honda or a spiffy Beamer, 'spare'-mobiles should the family car require maintenance.
With respect to the automotive segment of the resorts inhabitants I fit in nicely with my '94 Explorer. I am lacking, however, the trendy ragtop to cover for the occasional time-out my "Big Blue" needs, when the oil needs changing or the wheels aligning.
And it's then, that there's something else to living on a golf course: the challenge to get around without a car.
The first time I had to take my car to Jorge, the mecanico whose grandpa lived in a small village near Luzerne, Switzerland, was about a month ago. So I dropped Big Blue off and took the colectivo downtown, had a coffee at my favorite bookstore and then took the bus to Junin, the next town about 30 miles east. I told the driver to add a stop enroute at the "golf" and from the gate it was a 25 minute stroll to la casa mia.
Of course, it was the other direction, which posed the real challenge. There is no official bus stop at the entrance to "Chapelco Golf&Resort". And since it sits at a long straight section of Routa 234, where everybody goes at least 70 mph one last time before hitting the brakes for the first S-turn down into the valley, there's little chance that anyone would see, much less stop for a lone hitchhiker. So the options are to somehow flag down the bus from Junin or to call a cab from San Martin, a 12 buck one way extravaganza, which I wanted to safe for real emergencies. I walked to the gate to inquire. The girls told me, that the bus would be leaving Junin in about 10 minutes and take roughly 20 minutes to get here. Why don't I sit down in their a/c-ed booth and listen to music on the Internet while waiting. With five minutes to go I walked away from Salsa out in the sun.
After a short while an ancient Jeep - vintage late fifties, I'd guess - came out of the gate, pulled up and the driver motioned me to "embark". The thing was painted in light blue - yes, painted, with paint runs and orange peel surface allover. Heavy shipyard-steel was welded in, where time and weather had eaten away the original parts. And, just like on a boat, there was a windscreen, but nothing one could describe as roof or cabin or doors. Only the roll bar made of heavy tubing didn't seem to fit the rather maritime appearance. I parked my backpack on a roll of heavy-duty steel rope and stowed my legs underneath two big loudspeakers dangling down on thin wiring from a steel plate serving as instrument panel and firewall. Then we got rolling. Up to about 30mph the Oldie accelerated rather smoothly, but then we seemed to hit something like the sound barrier. Our vehicle started to shake and rattle, vibrations ran through the chassis and I was glad I had a heavy bar right in front of me to hang on to and thus avoid going over board. Obviously it wasn't an atmospheric shockwave, which agitated the poor Jeep to such a degree, and the surface of the road had nothing to do with it either: only smooth asphalt. The way my driver clung onto the steering wheel and the cautious manner in which he lifted his foot from the accelerator pedal gave the clue: one of the wheels had started to run amok, due to an unfortunate resonance between spring forces in the suspension and the centrifugal forces on a rotating tire. After a hundred yards, the front axle had hardly started to behave, I felt the faint pressure of acceleration on my back again. The needle of the speedometer, the only instrument in the panel, approached in erratic motion once more the dreaded 30mph mark. I realized: my fearless pilot went for a second attempt to find a hole in the barrier - and by sheer magic he found it. This time our topless racer slid without even the slightest shiver across the critical threshold and reached an amazing 47mph.
Everything was cool. Almost everything. My chauffeur still worked that steering wheel like in frenzy but nothing much seemed to happen to the direction the Jeep was going. That steering must have had a play of at least half a turn! All the while he was whistling merrily - and now, as we approached the infamous S-turn, he began adjusting his New York Yankees baseball cap, with both hands, as if this thing was on full autopilot. With the confidence of a true master he negotiated the two curves at full speed but then our ride in the "zone" had to come to an end: "Road construction, one lane only" a big sign warned. On the washboard surface of a torn up section our mustang went into full rodeo mode. Señor New York Yankees fought and swore and almost ripped off that wheel, but we made it. He stopped in front of Jorge's shop and I disembarked. As I felt solid ground under my feet I thanked my stunt driver and wished him happy driving. " Only to my mecanico" he answered and added with a grin " no more Jimmie ", imitating with his hands the wild gyrations of the unbalanced wheel.
Alternative Verkehrsmittel
Eines der Klischees, das die Vorstellung zu „Wohnen auf dem Golfplatz“ presto und pronto präsentiert, ist das von einem vornehmen Habitat in einer manikürten Landschaft, weit draußen. Der Verstand assoziiert dann alles Nötige dazu um ein konsistentes Bild von einer privilegierten Lebenssituation zu entwerfen. Dazu gehört auch Mobilität vom Typ Porsche Cayenne oder Daimler M-Klasse, damit das Attribut "weit draußen" nicht als suboptimaler Teil eines teueren Kompromisses erscheint. Der tägliche Shopping-Trip, der monatliche Konzertbesuch muss stilgemäss und ohne Abhängigkeit von öffentlicher Infrastruktur garantiert sein.
In dieses Klischee passt meine Wirklichkeit überraschend gut. Sogar dem automobilen Aspekt der populären Vorstellung werde ich annähernd gerecht: mit meinem dreizehn Jahre alten Ford Explorer bewege ich mich zumindest im richtigen Typensegment. Im Unterschied zur gängigen Erwartung fehlt mir zu dem 4x4 Veteran allerdings das sportlich-schicke Zweitgefährt, das unabhängige Fortbewegung auch dann sicherstellt, wenn die Familienkutsche mal beim Ölwechsel ist. Anstatt auf Boxster oder SLK umzusteigen muss ich mir dann echt was überlegen. Das war neulich der Fall. "Big Blue", wie ich den truck getauft hatte ("Celeste" war die Alternative, aber das klang mir dann doch zu französisch für eine so ur-amerikanische Maschine), sollte die erste Dosis seiner Verjüngungstherapie bekommen und musste dafür ein paar Tage zum mecanico. Gut, der Kühlschrank war voll, administrative Verpflichtungen gab es nicht und den Besuch im der Buchcafe hatte ich verschoben. Kein großer Transportbedarf also. Aber einmal musste ich ja vom mecanico nach "weit draußen", das zweite Mal von dort wieder zur Werkstatt. Der erste Trip verlief erstaunlich reibungslos. Zu Jorge per Big Blue, dann mit dem colectivo in die Stadt und von dort wieder zurück mit dem Bus Richtung Junin, dem nächsten Ort etwa 40 Kilometer östlich. Blieb nur noch den Chauffeur rechtzeitig zu warnen, dass er mich auf freier Strecke "am Golf" raus lassen soll. Vom Einfahrtstor bis zu meinem Haus ist es dann noch ein Spaziergang von 25 Minuten.
Es war natürlich die Fahrt in die Gegenrichtung, die die Herausforderung stellte. Eine Haltestelle gibt's da nicht und die Einfahrt zum Chapelco Golf liegt etwas zurück versetzt von einer kilometerlangen Geraden der Ruta 234, auf der alle noch mal voll Stoff geben bevor sie in die erste S-Kurve hinunter in das Tal von San Martin hinein bremsen. Ob da jemand einen einzelnen Anhalter sehen, geschweige denn für ihn bremsen würde? Ein Taxi aus San Martin kommen lassen war die letzte, aber auch teuerste Lösung, die ich auf Notfälle beschränken wollte.
Ich wanderte zum gate und holte mir bei Fernanda, die gerade Dienst hatte, Rat. "No problemo" meinte sie, " in 10 Minuten verlässt der micro (Kleinbus) Junin und braucht genau 18 Minuten bis hierher. Du stellst Dich vorne an die Strasse und winkst einfach - und bis dahin kannst Du Dich hier auf den Gästestuhl setzen und mit uns Radio übers Internet hören. Welche Musik magst Du denn?" Na gut, wenn das so einfach ist...
Nach 20 Minuten Salsa stellte ich mich Sonne und Strasse. Nach fünf weiteren Minuten kam ein alter Jeep aus dem Golf, bog ab Richtung San Martin und fuhr langsam auf mich zu. Ein braungebrannter Arm zeigte auf den Beifahrersitz. Ich schulterte meinen Rucksack, stapfte die Böschung hinauf und kletterte an Bord. So kam es mir jedenfalls vor. Der Oldtimer war himmelblau gestrichen, jawohl: gestrichen! und die Farbtränen liefen an allen Planken und Schotten runter. Echter Schiffstahl war überall dort eingeschweißt, wo der Zahn der Zeit die Originalteile abgenagt hatte und wie auf einem Boot gab es außer der Windschutzscheibe nichts, was man mit Kabine, oder Dach und so weiter hätte bezeichnen können. Nur der Überrollbügel aus armdickem Rohr störte die eher maritime Kulisse. Ich parkte meinen Rucksack auf einem Stahlseil und zwängte die Beine unter zwei Riesenlautsprecher, die von dem Instrumentenbrett-Ersatz herunter hingen. Sicherheitsgurte gab es nicht, braucht man auf Binnengewässern ja auch nicht. Bevor wir los fuhren blickte ich kurz zurück und sah Fernanda in der Loge fröhlich winken. Aha, da war also etwas Transport-Management im Spiel..
Und dann fuhren wir los. Bis auf 50 beschleunigte der Alte ganz kultiviert aber dann schienen wir auf eine Art Schallmauer zu treffen. Es fing an zu rütteln und schütteln, Vibrationen jagten durch das Chassis und ich war froh, dass der dicke Bügel direkt vor mir auch aus dem Schiffsbau stammte: ich hatte da etwas Massiv-Zuverlässiges, an das ich mich klammern konnte um nicht über "die Reeling zu gehen".
Nun waren es keine atmosphärischen Schockwellen, die den Jeep so außer Fassung brachten und auch der Straßenbelag konnte es nicht sein, da war nichts als glatter Asphalt. Aus dem entschlossenen Griff ums Lenkrad und der behutsamen Art, mit der mein Chauffeur vom Gas ging, schloss ich, dass ein Rad etwas außer Kontrolle geraten war, sich eine unglückliche Resonanz zwischen Flieh- und Feder(ungs)kräften entwickelt hatte, die die Harmonie des Fahrerlebnisses störte. Kaum hatte sich die störrische Vorderachse etwas beruhigt, spürte ich erneut den leichten Druck von Beschleunigung im Rücken und sah die Nadel im einzigen Instrument unter dem Windabweiser auf die 50 zu zittern. Ich kapierte: mein unerschrockener Pilot suchte ein zweites Mal das Loch in der Mauer - und wie durch ein Wunder fand er es. Ohne zu bocken schlüpfte unser Cabrio über die kritische Schwelle und kämpfte sich bis auf 73 Kilometer pro Stunde hoch. Alles war dandy. Der Fahrtwind brauste von oben um die Scheibe und von unten in das Hosenbein, die Sonne stach vom tiefblauen Himmel herunter, ab und zu stieg eine Schwade rußiger Auspuffgase hinter dem Schaltknüppel hoch und el chófer begann ein Liedchen zu pfeifen. Langsam begann ich mich zu entspannen, das Ganze als Beteiligter und Beobachter gleichermaßen zu erfahren. Ich war in eine andere Welt geraten, vielleicht auch nur an einen anderen Ort zu einer anderen Zeit: Hier und Jetzt. Es ging darum an ein Ziel zu kommen und die Fahrt, den Weg dorthin mit all seinen Facetten zu erleben. Keine Hintergedanken oder Beurteilung der Situation: ist das jetzt gefährlich, cool, illegal, blödsinnig, berauschend, es ist einfach. "Laissez faire" kam mir in den Sinn und mit diesem Ausdruck eine vage Erinnerung: der erste Aufenthalt an der Cote d'Azur, vor fast 40 Jahren. Wie entspannt man dort lebte - und vor allem Auto fuhr! Mit Karossen, die ich in Deutschland nie gesehen hatte und die dort wohl auch über Nacht aus dem Verkehr gezogen worden wären. Renaults und 2CV's bei denen alles abmontiert oder abgesägt war, was man nicht brauchte, oft inklusive der gepolsterten Stoffsessel, an deren Stelle man ein paar alte Gartenstühle auf den Boden geschweißt hatte. Damit fuhr man vom Strand zum Pastis, danach zur Disco und dann wieder zum Strand. Das Leben schien locker, direkt und unberührt von Erfindungen oder Bestimmungen, die es "sicher" machen sollten.
Die Parallelen waren unübersehbar. Hätte mir jetzt noch der Duft der Eukalyptus-Bäume entgegen geweht, Johnny Halliday aus dem Radio geschrieen und mein Fahrer eine Baskenmütze getragen...
Hat er aber nicht! Es war eine baseball cap der New York Yankees, die er sich gerade mal wieder umständlich mit beiden Händen tiefer ins Gesicht zog und dazu natürlich das Steuerrad los ließ. Als ob es in unserem Oldtimer einen Autopilot gegeben hätte. Dann segelten wir schaukelnd durch die berüchtigte S-Kurve. Wie wir das schafften ist mir immer noch ein Rätsel. Schon auf gerader Strecke ruderte mein capitán nämlich mit wilden Bewegungen am Steuer, ohne dass das die Fahrtrichtung merklich beeinflusst hätte. Die Lenkung musste ein Spiel von mindestens einer halben Lenkradumdrehung gehabt haben.
Schließlich näherten wir uns dem Ortsschild von San Martin und es war abzusehen, dass unser Ritt in der vibrationsarmen Zone bald ein Ende haben würde. Vor uns, wo bis vor kurzem noch Querwellen durch den Straßenbelag liefen, die bei passender Geschwindigkeit wie Sprungschanzen wirkten, hatten Bulldozer tiefe Längsgräben aufgerissen und nur noch eine schmale Fahrrinne freigelassen. Reisezeit ist auch in San Martin Straßenbauzeit. Der Abbremsvorgang verlief glatt und auch den Schüttelbereich hatten wir ohne Folgen durchstoßen und bewegten uns nun eigentlich auf Terrain, für das unser Gefährt mal gedacht war: langsame Gangart auf rauem, unbefestigtem Untergrund. Daran schien es sich aber im hohen Alter nicht mehr zu erinnern. Es bockte und sprang und jedes kurze Stück von Waschbrettbelag, diese harten Querrippen, die auch moderne Stossdämpfer ins Stottern bringen, ließ das Vorderrad aufs Neue ausrasten. Nun hatten wir in einer Kolonne auf enger Fahrspur nicht viel Handlungsspielraum. Señor New York Yankees bot alle Fahrkunst auf um den Abflug in den Strassengraben zu vermeiden. "Jimmie, Jimmie" rief er mir zu und wedelte mit beiden Händen, um zu erklären, mit welchen Schlotterbewegungen das Vorderrad ihm zu schaffen machte. Das Wort kannte ich. Zwischen Lenzburg und Aarau hatte es mir Ueli vor Jahr(zehnt)en erschrocken zugerufen, als uns der gezogene Segelflugzeuganhänger auf der Autobahn zu überholen versuchte und Jim in Great Barrington warnte mich damit, mit dem Golfcart beim Bier holen nicht zu schnell zu fahren. Nur hier und jetzt schien damit aber eine unmittelbare Gefährdung verbunden. Das sahen die anderen Verkehrsteilnehmer wohl ähnlich. Im Gegensatz zu der sonst üblichen Dränglerei hielten die anderen Fahrzeuge jetzt einen respektvollen Abstand. Da nahte die Rettung: das Ende der Baustelle. Die Erleichterung war spür- und hörbar, als der Jeep wieder auf den Asphalt hinauf hoppelte: Ich empfand wieder die Freude an entspanntem open air cruising und mein Fahrer begann eine neue Melodie zu pfeifen.
Kurz danach deutete er fragend auf eine Gebäude rechts der Strasse: " Mecanico?" Ich nickte. Wir waren bei Jorge angekommen. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, bedankte ich mich und wünschte ihm eine gute Fahrt. "Bis zu meinem mecanico" antwortete er und fügte grinsend hinzu," al final, no quiero acabar en la cuneta " - schließlich will ich nicht im Strassengraben landen.
Als ich bei Jorge durch das Tor trat, stand Big Blue noch genau dort, wo ich ihn vor drei Tagen abgestellt hatte. "Nur die Bremsen eingestellt und das Kühlwasser gewechselt" erklärte der Señor mit dem Luzerner Namen Schnarwiler und entschuldigte sich: " auf einen Schlag alles Notreparaturen - und morgen beginnt mein Weihnachtsurlaub!"
Da werde ich also im Januar nochmal auf alternative Verkehrsmittel zurückgreifen müssen. Wird sicher wieder spannend..
Subprime lenting crisis..
The plan was all set, the plan concerning accommodation, apartment, house, the place to stay that is. But then reality interfered. Sounds familiar? Well, I for one have experienced this often enough: life is what happens while you're making plans! And what happened was, that all three or four rental objects from which I wanted to pick my final residence had disappeared from the market - and nothing new had popped up.
Ok, for the first couple of days everything was cool, it was low season in San Martin and Claudia had no problems offering me one of her cabañas.
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Claudia's "Cabañas del Bosque" - - - and my breakfast table there
During the preparation stage it had been Claudia, as well, who came up every other week with new ideas and possibilities for rental property and thus generated a sound optimism. Right after my arrival she hit the phone again and scanned her network of friends for new options. But this time it was different: whatever emerged popped like a soap bubble one tried to catch. Take the "dream-palace" for example (see also: " The Idea"):
The house on Tierra del Sol
up until now I hadn't been able to give up the dream of living in that house. Meanwhile the palace had been sold, but change of ownership was to take place only in March '08. Up to then, it belonged to one of Claudia's friends. So perhaps there was still a chance to spend a couple of months in an exquisite ambience. We set up a date to discuss if and how dream and reality could be merged. The place of the negotiations, the grandiose living room of the house up on the Tierra del Sol, renewed old desire, the first proposal for monthly rent payments confirmed old fears: 1800 US $ was way above my budget. The justification Angeles offered for this sum was to set a precedent for the weeks to come: "... if we rent to tourists we can get 4 - 500 US$ per week.." My question, whether she'd find enough tourists willing to pay that price for the entire period of November through February was left unanswered. Obviously, on Oct. 11, the day of our rendezvous, no reservations had been made.
Since nothing new showed up during the following week, Claudia began to get nervous. After all, a big weekend was about to come: official end of season, with lots of attractions, special events and one last run for slopes and accommodations. This was the big opportunity for all hotels and hosterias, which had not closed down yet, and all those, who had a free room to rent, to cash in one last time. And I was 'blocking' one of Claudia's two bedroom cabañas!
Just then, a friend of hers called up, indicating that her cabaña/vacation home had unexpectedly become available again. It wasn't going to be the final place for me, but at least a save haven until end of November. No use waiting any longer...
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The second step: my little vacation home
This was the second step of my project called "settling in". The little house offered everything needed for a stay of several weeks and all the stuff I had brought in two suitcases fit in somewhere. But once - or if ?? - my shipment with computer, books, music, mountain bike showed up, I'd be quickly running out of space. And apart from that, for a long term habitat it lacked room, the inspiring corners, nooks and crannies, where work in progress and future challenges could unfold. The search had to go on.
After a timeout of two weeks I started again. I visited real estate agencies, Claudia started a new round of calls and Martin, a compatriot from Nuremberg, who owns and runs a hosteria in San Martin, also contributed tips and tricks for a more efficient search. "Thanks" to the level of my language skills the communication was at times difficult, interesting, embarrassing, quite often funny, too. Daniel, in his cupboard-size office, appeared disturbed during more important work than trying to find rental property for a newcomer. He tried to discourage me with unacceptably high rents and an almost arrogantly fast and barely audible way of talking. Karina used romantic photos of a snowed in little two room hut and a slightly blurred shot of an attractive woman (selfportrait?) to entice me to her offering of country living for 1000 US$ a month (broadband connection included). Pamela invited me spontaneously for a drive to the only 'rentable' object in her files after she learned, that I was one of the mad pilots, who surf on strange waves in the sky whenever the wind drives everybody else crazy.
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the two room (skiing-?) hut - - - and the house that wasn't for rent - in the end
All these little adventures promised hope and kept me busy for a couple of days, but any prospect for something even remotely appropriate? no cigar!
And time was running out. Around Christmas the high season begins and that is the time when anything with a bed and a roof over it would be considered superb accommodation, command premium prices and nevertheless be picked up at first sight by the vacationers from Buenos Aires and abroad. I got nervous, as I couldn't imagine where new possibilities would come from. The real estate people were of no help, Claudia and Martin and their circle of friends hadn't produced anything either. A nice house for a week or two? to the tune of three or four hundred Dollars per? no problemo! but something for a little longer and little less? no señor! Obviously, everybody was holding out for the chance to make quick money over a short period of time and thus rather leave the house empty than committing to a longer-term rental.
On the market everything had become prime real estate. For me it had turned into a subprime-renting crisis.
To stand any chance at all I had to increase my budget.
And then, suddenly, things got rolling.
A friend of a friend of a friend... actually, it was a friend of the mother of Claudia's son Adriel's girlfriend - got it? - who apparently wanted to move to town from her house on a golf course about 10 miles east - and was looking for somebody to rent the house. Would I have any interest? Would I ? of course, I had to! For reasons explained above, it was unlikely that I'd be able to stay in my little vacation home into December. Two days later Claudia and I drove out to the Chapelco Golf & Resort, stopped at the gate and asked for directions to casa E24. I was excited. Chapelco Golf & Resort, I had found out, was a project of golf legend Jack Nicklaus and the British Taylor family. Grandpa Don Santiago Taylor had arrived in San Martin in 1918 and settled down on a ranch called " Estancia Chapelco". Both families had apparently gotten to know each other while being neighbours near Miami in Florida. About ten years ago they had started the project Golf and developed an 18-hole course (par 72, for those interested) with 430 private lots distributed over more than eleven hundred acres.
This wasn't a cheap neighbourhood. The residences reminded me of the beautiful house on the Tierra del Sol. Most of them showing off huge glass fronts, which opened up to a panoramic view spanning from "Chapelco Chico" in the south over the valley towards San Martin, the snow covered peaks at the Chilean border in the west to the local peak "Cerro Colorado" in the North. And among those "estates" there was allegedly something affordable? Hard to believe!
I relaxed as we entered the driveway to Virginia's casa. This was not one of those multi thousand square foot palacios, it seemed to be a cozy house in the local architectural style, in which each room sports his own roof. The view: nothing short of spectacular, the size: appropriate, the furniture: practical, the equipment: everything necessary available. Well, that's it, or what?
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To each room his roof (1, 2, 3, 4, - incl kitchen) - - - eating, living and viewing
The days after this visit were spent discussing, negotiating, drafting contracts, organizing documents, moving money across the table, and - in the end - even signing all necessary papers. Quite an effort: different countries, different customs, in parts even different regulations - and in all these meetings I faced three (at minimum) women. When I drove up to our first encounter Adriel greeted me in the driveway of his mother-in-law to be (I translate loosely): " Hola Wolf, there's quite a bunch of women waiting for you in the living room! " This sounded jokingly admiring at first. But after three days of talking business it had acquired a different flavor: whew, these women sure use up a lot of ones energy resources...
But now I sit on the couch facing huge windows and while I'm typing into my laptop my glance wanders up to "Chapelco Chico", over to "Cerro Colorado".
"...on a lazy sunday afternoon.."
Now, what was that quote about planning ones life?
Never mind: in most cases the right things happen in life, despite all plans!
Immobilienkrise
Gut, der Einstieg war erstmal gesichert, da war ich in einer der cabañas von Claudia untergekommen.
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Cabañas del Bosque, Claudia's Hosteria --- und mein Frühstück
Und Claudia war es ja auch, die in der Vorbereitungsphase immer wieder mit neuen Ideen überraschte und so für Optimismus gesorgt hatte. Kaum war ich angekommen hing sie schon am Telefon und durchkämmte ihr Netzwerk nach Optionen. Die tauchten auch immer wieder auf - wie Seifenblasen zerplatzten sie aber zuverlässig, sobald man sie greifen wollte.
Da war zum Beispiel das "Luftschloss" (siehe "Die Idee"):
Das Traumhaus auf den Tierras del Sol
insgeheim hatte ich den Traum in diesem Haus an diesem Ort zu wohnen, nie ganz aufgeben können. Zwar war der Palast inzwischen verkauft, gehörte aber bis März '08 noch einer Freundin Claudias - vielleicht gab es da ja noch eine Chance für eine mehrmonatige Wohn-Ouvertüre. Wir vereinbarten ein Rendezvous, um zu besprechen ob und wie man Wunsch und Wirklichkeit zusammen bringen könnte und trafen uns im Wohnsalon auf den Tierras del Sol. Der Verhandlungsort weckte wieder altes Verlangen, die ersten Mietvorschläge aber auch alte Befürchtungen: 1800 echte (US) $ pro Monat lagen weit ausserhalb meiner Reichweite. Die Begründung, die mir Angeles für die exorbitante Miete anbot, sollte zum Präzedenzfall werden: "..wenn wir (das Haus) an Touristen vermieten, können wir 4 - 500 US$ pro Woche verlangen." Die Frage, ob sie für das Haus während der ganzen Zeit, immerhin November bis Februar, zahlungskräftige und - willige Feriengäste finden würde, beantwortete sie mit Achselzucken. Am 11.Oktober, dem Tag unseres Treffens, hatte sie offenbar noch keine Anmeldungen...
Als sich dann während der folgenden Tage nichts weiter ergab, wurde Claudia langsam nervös, schliesslich stand ein Wochenende mit Grossansturm bevor: Saisonschluss am Chapelco (Skigebiet), der mit vielen Events spezielle Attraktionen bot. Da wollten alle Hotels, Herbergen und Hosterias, die bis jetzt durchgehalten hatten, nochmal abkassieren und natürlich auch diejenigen, die ein (Ferien-)Haus zu 'vermieten' hatten. Und ich 'blockierte' eine ihrer Vierbett-Hütten.
Da stellte sich plötzlich heraus, dass eine der früher anvisierten Möglichkeiten wieder verfügbar war: zwar nicht das Haus auf Dauer, aber sicher mal eine Unterkunft bis Ende November, also nix wie hin!
Schritt Nummer 2: das Ferienhaus
Ich war einen Schritt weiter im Projekt "Einleben". Das Ferienhäuschen hatte alles, was man so bei einem Aufenthalt von 2 bis 4 Wochen braucht, war ganz nett und das, was in meinen 2 Koffern Platz hatte, brachte ich auch hier unter. Aber irgendwann sollte da ja noch eine Kiste aus der Schweiz ankommen, mit Computer, Mountainbike, ein paar Büchern, etwas Musik. Da würde es dann doch sehr schnell sehr eng. Und für einen Lebensmittelpunkt - ich gehe hier schliesslich nicht jeden Morgen um 9 auf Arbeit und verbringe den grössten Teil des Tages in einem Büro - fehlten einfach Ecken und Räume, um alte Pläne zu verfolgen, auf neue Chancen einzugehen. Also weiter suchen.
Nach 2 Wochen TIme-out ging ich das Thema wieder an. Claudia schaltete sich ein, ich begann Immoblien-Büros aufzusuchen und auch Kompatriot Martin aus Nürnberg, der in San Martin eine Hosteria betreibt und mich nach unserer Fliegerexpedition vor acht Jahren kontaktiert hatte, lieferte ein paar Tips. "Dank" meiner Sprachkenntnisse war es mal schwierig, mal interessant, mal peinlich, oft auch lustig die Hinweise und Angebote zu verfolgen, die eher spärlich aus den veschiedenen Quellen tröpfelten. Daniel wirkte durch meine Anfrage eher gestört und versuchte mich mit Mangel an geeigneten Objekten, hohen Mieten und unverständlichem Nuscheln ab zu wimmeln, Karina wollte mich mit Fotos einer tief verschneiten Zweiraum-Hütte für 1000 US$ pro Monat (inklusive internet) und dem unscharfen Schnappschuss einer attraktiven Frau (Selbstportrait?) ködern und Pamela fuhr mich spontan zum einzigen (Miet-)Haus in ihren Akten, als sie hörte, dass ich einer der pilotos locos bin, die immer bei Frühlingssturm ohne Motor auf irgendwelchen ondas im Himmel surfen.
Die Cabaña mit Seeblick(?) --- und das Haus, das schliesslich doch nicht vermietet wurde.
All diese kleinen Abenteuer gaben mir für ein, zwei Tage Hoffnung und hielten mich auf Trab, aber Aussicht auf eine etwas längerfristige Bleibe? Fehlanzeige!
Und die Zeit drängte, spätestens ab Weihnachten ist Hochsaison und dann wird den reichen Urlaubern aus Buenos Aires noch der letzte Schuppen für einen Haufen Peseten angeboten. Das fegt den Markt erst richtig leer. Ich wurde unruhig, da ich keinen anderen Weg sah um an neue Adressen zu kommen. Die Immobilarias hatten nichts und schienen an Vermittlung von Mietgesuchen wenig interessiert. Auch die privaten Kontakte über Claudia, Martin und deren Freunde und Freundesfreunde halfen nicht weiter. Eine Woche oder zwei? für je drei- oder vierhundert Dollar? no problemo! Aber länger für weniger? no señor! Langsam baute sich eine Krisenstimmung auf.
Um überhaupt eine Chance zu haben, musste ich wohl oder übel mein Budget nach oben anpassen.
Ja, und dann ging alles plötzlich ungewöhnlich schnell, für hiesige Verhältnisse. Eine Freundin der Mutter der Freundin von Claudias Sohn wollte angeblich ein Haus vermieten, etwa 15km ausserhalb, im Gelände des Golfplatzes. Ob ich Interesse hätte? Interesse hatte ich, musste ich haben, es war inzwischen Mitte November und mehr als fraglich ob ich im Dezember noch in Mima's Ferienhäuschen würde bleiben können. Zwei Tage später hielten Claudia und ich am frühen Abend an der Einfahrt zum Chapelco Golf & Resort und liessen uns von der Wachfrau erklären, wie man zum Haus E24 kommt. Ich war gespannt. Wie ich inzwischen heraus bekommen hatte, war der Chapelco Golf ein gemeinsames Projekt der Golflegende Jack Nicklaus und der britischen Familie Taylor, deren Grossvater Don Santiago Taylor 1918 nach San Martin de los Andes gekommen war. Die beiden Familien waren sich offenbar immobilienmässig in Miami näher gekommen und hatten sich geeinigt, auf dem Gelände der Estancia Chapelco von Don Santiago einen 18 Loch Golfplatz (par 72, für die, die es genau wissen wollen) zu bauen, über den 430 private Grundstücksparzellen verstreut sind.
Dass das hier keine Schrebergarten-Vorstadtsiedlung war, sah man sofort. Die "Residenzen" erinnerten mich eher an das Haus auf der Tierra del Sol. Die meist stattlichen Konstruktionen aus Holz und Stein hatten riesigen Glasfronten, die das Panorama vom "Chapelco chico" im Süden über das Tal nach San Martin und die Schneegipfel an der Grenze zu Chile im Westen bis zum Hausberg, dem Cerro Colorado im Nordwesten, auf die Fauteuils der "Livings" (argentinisch für Wohnzimmer ) fokussierten. Und hier sollte es etwas für mich geben? Als wir in die Einfahrt zu Virginias Haus einbogen, fasste ich wieder Mut. Ich sah keinen riesigen Palast, sondern ein nettes Haus, bei dem - wie das hier sehr verbreitet ist - jedes Zimmer sein eigenes Dach hat. Aussicht: spektakulär, Grösse: angemessen, Möblierung: praktisch, Ausrüstung: alles Nötige vorhanden. Das wär's doch, oder?
Jedem Raum sein Dach: 1, 2, 3, 4 (incl. Küche) --- und el "Living" mit el "Eating", beide mit el Aussicht !
Die Tage danach haben wir diskutiert, verhandelt, Verträge aufgesetzt, Dokumente besorgt, Geld über den Tisch geschoben, am Schluss sogar unterschrieben. War ziemlich anstrengend; andere Länder, andere Sitten, anderes Recht auch - und immer saß ich drei Frauen gegenüber (mindestens!). Anfangs klang das ja noch lustig, als mich Adriel beim ersten Termin im Haus seiner künftigen Schwiegermutter mit den Worten begrüsste (ich übersetze mal salopp): " Hola Wolf, da wartet ein ganzer Haufen Weiber auf Dich! ", aber boah, auf die Dauer geht sowas an die Substanz!
Aber jetzt sitze ich in "meinem" Living und schaue zwischen den Sätzen, die ich in das powerbook tippe, immer mal hinüber zum Cerro Colorado, hinauf zum Chapelco Chico.
lazy sunday afternoon
Wie war das mit dem Leben? Meist passiert ja dann doch das Richtige, trotz aller Pläne!
Nederlan, Ward,..
For the time being I live in a 'suburb' of San Martin called "La Vega", which is the Spanish word for wetland or floodplain. Yes, I know, you would haver never guessed as the place whose name sounds so similar - and by using the plural: Las Vegas, even amplifies our expectation of an abundance of natural moisture - is known for exactly the opposite: an arid desert climate with the ensuing water resource issues.
Looking out the window and using a little imagination I can easily understand how this neighbourhood here acquired its name. Check out the place in Google Earth here: < 40° 7'42.38"S - 71°16'42.63"W > and you'll agree. Heading East out of the center of town, the main road climbs through a gap between two small hills reaching out from the ridges to the North and South. Then the valley opens up and its floor becomes flat as a pan. About 10 miles further East a hill, appropriately called "lomo atravesado" - the hill across - marks the end of this vega. A small river and runoff from the mountains in numerous creeks keep the water table high enough, so that parts of this plain have areas of standing water most of the year.
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La Vega - the wetlands and the ridge to the north
But I digress. I wanted to say, that my current place is about 4 or 5 miles out of town. There is public transportation and the buses, whose routes connect even the remote satellite villages, run frequently and reliably and are cheap. For 45 cents you get a tour through different suburbs and neighbourhoods and the entire stretch of downtown. All that often times in vehicles, which have apparently completed their first service-life in a city close to that I just arrived from. The emblem next to their front entrance identifies that as the City of Basel, Switzerland.
So, whenever I go downtown for a single purpose, like running one of my favorite administrative errands, and don't have to worry about carrying home five plastic bags full of groceries, I take the 'colectivo'. Since I never know to how many diffferent places over what stretch of time my bureaucrazy adventures take me, I go well prepared. My backpack holds something to read, a notebook and an assortment of pens to write, my laptop - in case there's a forced pit stop at a wifi cafe - and the Nikon. It's the latter, above all, which over time has helped me to gather some insight into the town of San Martin. I suspect that these impressions are of a snapshot quality in that they reflect a rather momentary interpretation of what I see. A couple of months down the road I might relate to them in an entirely different manner.
Anyway, what is San Martin de los Andes like? Three towns(?) kept popping up in my visual memory as I was trying to find someplace to compare it to and for today I will refer to two of them only: Nederland and Ward. I know: these are not hot spots on any tourist map of the (western) US. So I apologize: what follows has been written primarily with my Boulder friends in mind.
Nederland? Not that San Martin looks like Nederland, much rather, for me, in some ways it 'feels' like it. In one corner a tourist town: a couple of small, nice shops, sport equipment, skiing, snowboarding, hiking mostly. A cute Hamburger place, perhaps.
And across the main drag, along a dusty gravel road the hide-outs of ex-hippies, secondhand stores for this and that, books, clothes, CD's.
The studio of a local, "indie" radio station hidden behind a group of pine trees.
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A cute music-and-games bar - - - - and the "indie" radio station, in San Martin
What defines this town for me is the mix of expensive cars carrying skiers in expensive gear to the slopes of Eldora and the locals, discussing along the counter of a small diner with a dusty parking lot in the back the exceptional spring skiing of last winter or planning the backcountry hikes of the coming summer. The locals seem to be mostly aged college kids with their studies in an extended holding pattern.
Yes, this is Nederland..
Most of this I've found here in San Martin, as well
And sometimes even more: right downtown, across from a hotel, a shack, which must have been one of the first buildings when the early 'pioneers' set up shop along the shores of Lago Lacar. And that reminds me of Ward.
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looks like ? and is: San Martin
Of course, there's the other San Martin as well, playing in an entirely different league and reminding me of a town as different from Ward or Nederland as one part of San Martin is from another.
More on that in a later post.
Das blaue Wunder
Geht mein Blick dann nach oben, nimmt er oft die Kamera mit, die das Blau in allen Schattierungen einfängt - es zumindest versucht.
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Das Himmelsblau ist hier nämlich von einer hartnäckigen Intensität, an die man sich erst gewöhnen muss. Da hilft es garnichts, mal schnell mit dem Auge auf eine weisse Wolke oder den grünen Wald oder den gelb blühenden Ginster auszuweichen. Die kurze Erholung erkauft man sich mit einer Kontrastverstärkung, die das "azul" nur noch blendender, tiefer wirken lässt.
Dafür gibt es natürlich einen Grund: die Luft ist hier einfach so sauber, so unendlich klar. Dort, von wo sie an den meisten Tagen herkommt, gibt es wenig, was sie verschmutzen, mit Staub und Dreck impfen könnte. Tausende von Kilometern prescht sie über den Pazifik daher, dann ein bisschen Chile (knapp 200km) bevor sie über die Anden rauscht, wo die letzten Partikel - manchmal auch die letzten Tropfen - hängen bleiben.
Das Fotografieren macht das nicht einfacher. Das "tütsch-Blau" schrammt hart an der Grenze zum "Kitsch-Blau" entlang und oft weiss ich nicht, ob ich diese satte Färbung zum Blickfang machen oder sie mit allen Tricks herunter spielen soll. Da können auch Morgen- und Abendlicht nicht helfen. Wenn es in der Atmosphäre einfach nichts gibt, was das blaue Licht weg streut, dann nützt es auch nichts, wenn die flach einfallenden Sonnenstrahlen durch etwas mehr davon hindurch müssen.
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Nur der Wind sorgt manchmal für eine kleine Verschiebung des Spektrums. Hat er sich nach ein paar trockenen Tagen zum grossen Blasangriff entschlossen, dann treibt er soviel Staub und Sand vom Strassenrand vor sich her, dass sich ein sanfter Gelbschleier vor Sonnenlicht und Himmelsblau schiebt.
Im Flow - der Tagesrhythmus
Die Tage vergehen schnell, wenn man Nummer 127 in einer Schlange ist und jede Seite des Reisepasses in dreifacher Kopie braucht. Oder zwei Zeugen, die bei der Polizei versichern, dass man tatsächlich irgendwo wohnt, damit man von dem mit den buschigen Augenbrauen und dem störrischen Schnurrbart endlich die confirmacion domicilio erhält. Mit der man sich dann beim Registro Civil um das "Dokument nationaler Identität" (DNI) bemühen kann, vorausgesetzt, man hat vorher bei der Bank... aber das habe ich ja schon beschrieben.
Die hohe Kunst des "Erledigens" solcher Aufgaben liegt nun darin, all die Schalter, Büros, Kassen, Geschäfte und Terminkalender notwendiger Personen in einer halbwegs effizienten Reihenfolge in den argentinischen Business-Tag einzufädeln.
Der hat einen mañana (den Vormittag, nicht den unendlichen nächsten Tag), so von 8 oder 9 bis etwa 12 oder 1Uhr und einen tarde, der zwischen 4 und 5 beginnt und bis 8 oder 9 am Abend dauert. Manche Geschäfte haben aber auch bis 10Uhr geöffnet. Ungefähr genau so...
Das kann man leicht falsch verstehen: es ist nicht so, dass sich jeder jeden Tag auf's Neue entscheidet, wann er nun arbeiten will. Festgelegt haben sie sich alle, nur ist es für den Fremdling schwierig vorher zu sagen, was den nun wahrscheinlich an irgendeinem bestimmten Tag überhaupt und wenn, dann von wann bis wann geöffnet hat. Im 'vida comercial' scheint es da -weltweit ? - nur eine Konstante zu geben: die Friseure, coiffeurs, hairdresser, peluqueros haben einfach am Montag "Ruhetag", basta! Banken sind hier nachmittags geschlossen, machen dafür am Morgen schon um 8 auf, wenn alle, die nicht gerade bei der Administration angestellt sind - da geht die Tür um halb neun auf -, noch im Tiefschlaf liegen. Das Abendessen gibt's hier nämlich frühestens ab 9 - und gegen 10 haben die Restaurants Hochbetrieb. Dann noch zur Eisdiele, heim zu Sportschau und seriales (Seifenopern), ein bisschen tratschen, da wird es oft mal eins oder zwei. Und am Morgen dann entsprechend später.
Hat man das oben erwähnte Beispiel "DNI" dann mit Bank, Behörde und Bekannten optimal getimed, schafft man es vielleicht in 2 Tagen, absolutes Minimum.
Solange man keinen Vollzeitjob hat (den es ja eigentlich garnicht geben, kann: jeder muss mal zur Bank, vorallem weil es sowas wie Einzugsverfahren nicht gibt, alle Rechnungen persönlich bezahlt werden), öffnet das auch Freiräume: bis X aufmacht, meine Nummer bei Y an der Reihe ist, kann ich ja noch schnell einen cafecito nehmen, meine emails runterladen, ein paar Fotos schiessen,...
Also werfe ich mir zu allen meinen Dienstgängen den Rucksack mit powerbook und Nikon über und werde damit langsam aber sicher zu einem festen Bestandteil im "Stadt"-Bild: der mit dem mochila über der Schulter und der 'digital' am Handgelenk...
Downtown fasziniert mich das, was fehlt. In einem Touristenort, der zur Hochsaison aus allen Nähten platzt, erwarte ich keine Baulücken, Ruinen oder Waldhütten an bester Lage. Irgendetwas verstehe ich da noch nicht, vorallem, wenn ich bei meiner Wohnungssuche immer höre, dass der Markt für Langfrist- (mehr als nur Tage, Wochen..) Miete leergefegt ist. Es muss also jede Menge Bedarf für mehr Wohnraum geben, oder?
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Ist es dann mal überraschend schnell gegangen mit den Stempeln und ich bin noch voller Tatendrang wieder in meinem Vorort angekommen, tausche ich laptop gegen Weitwinkel und steige hinter meinem Häuschen hinauf ins Quartier am Hang.
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Zu Villen, Burgen, Schlössern und Aussicht auf Berg und Tal
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"How good is your Spanish?"
Today is one of those days, when one can easily fall in love with the place, the region. The first glance out of the window made the Patagonia hormones jump: from a faint red in the East to a bluish, almost pitch dark black over the lake to the West, the morning sky had painted a gradient over the mountains which would drive any Photoshop artist into desperation. No point in taking the Nikon out, either. But with my eyes I could take in the beauty, suck up more than enough energy for the day.
A couple of days ago the morning light had been compatible with digital photography. Compared to the view at a parking lot from my kitchen window in Brugg it was literally from a different world
My view from the kitchen window in San Martin - the clouds disappeared soon thereafter.
But view and clouds were not the highlight of that day - it was rather my first job interview!
And here's how that came about:
Shortly before my departure I had gotten a surprise call from Claudia in San Martin. All excited, she had told me about an unexpected - and rather unusual - solution to my search for an appropriate accommodation: for the off-season period I could be a live-in "caretaker", in what she called a "boutique bed and breakfast" in a spectacular location high above lake Lacar. There wouldn't be any caretaker obligations except the 'task' to live there, i.e. be present. In exchange for my being there and, obviously, making sure that nothing unjust was happening, I was offered the use of a small apartment in the adjacent Teahouse for free. Why not? after all the vistas were one of the reasons why I had been so intrigued by the region in the first place.
As it turned out, my short hours in Buenos Aires didn't match with the schedule of the contact person for the resort and a foreseen meeting had to be cancelled. So, once in San Martin, Gustavo, Claudia and I took the first opportunity to drive up on a steep, adventurous dirt road for a close inspection of the place.
Well, the view was certainly nothing short of spectacular - the view of lake, mountains and sky...
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As soon as I focused on the living quarters, however, it was a different story. A mattress on the floor and in front of it, on a small, old table, a big new TV set. Next to it an electric radiator/heater and close to the window a single chair. And that should be my residence for a couple of months? No way I could picture that, despite all the fringe benefits like free use of the Teahouse kitchen (a muscle-powered kitchen in the style of the Thirties with a large wooden oven and a small gas stove), the bar (the place, not the liquids) and the saloon.
To not leave under the impact of this - let's say: ambivalent - first impression, we decided to have tea and try the chocolate-coconut cake: absolutely delicious! For both I would - and most likely will - accept the challenging 4 mile drive up through potholes and washboard. But to live there?
Some of the magic of the place, however, kept stirring. As a studio for creative work, or a writer’s refuge, the attic would be hard to beat. Why not spend a couple of days, perhaps even nights, per week up there, so I dreamt, making sure everything is ok, and let the marvelous vistas inspire my creative mind, but keep the main residence somewhere else. This was what I intended to propose to the manager and agreed to meet for an informal interview during his visit to San Martin the following weekend.
Our conversation over coffee and brownies (more on those later) was conducted in English to avoid any misunderstandings with possibly far reaching consequences. It became clear quite quickly, that the situation at the resort really called for a full time professional caretaker/manager. So the questions were: would I want to be/do that? and would I feel up to it? - and my answers were simple and easy: No! With all these projects in photography, writing, video in the back of my mind I didn't want to commit too much of my time to running a "boutique bed and breakfast". I also considered the switch from scientist to hotel manager (in a region where I really wasn't versed well enough, yet, in either language or customs) to be a hairpin turn too tight to be successfully negotiated. This left a third question, which I then had to answer more for reasons of protocol: " And how good is your Spanish?"
When we parted, we agreed to stay in touch. Despite all, there was an area, where collaboration appeared quite feasible: after having enjoyed tea, cake and views while visiting the teahouse, I realized that my fifth sense had been totally neglected. There was a void waiting to be filled. How about some music, some gentle sounds? That would be fantastic. I could clearly see, how delightful a sunset with jazz and some exquisite wine from our "friends" at the Bodega Zuccardi near Mendoza (remember?) would be. And in order to announce "Take the A-Train", or "Blue Monk" or a Bossa Nova by Joe Henderson, "..my Spanish is certainly good enough".
Zahlenspiele
Heute geht's um Zahlenspiele,
nicht die mit Statistik oder Wechselkursen oder Inflation, die hier in den Medien, den Cafe's, ja sogar am Mittagstisch eifrig diskutiert wird, die es, wie ich von Freunden höre, sogar in die news "drüben" geschafft hat,
Nein, es geht um ein Zahlenspiel, das sich offenbar mehr und mehr global durchsetzt. Sogar nach Brugg ist es vor ein paar Jahren gekommen, per Post.
Nicht, dass es der Briefträger gebracht hätte, nein, die Post hat es in ihrer brandneuen Filiale eingeführt: um aus einem unbeachteten Passanten zu einem potenziellen Kunden zu werden, muss man sich in den 'business flow' einordnen, indem man ein Papierfetzchen zieht, auf dem eine Zahl steht. Erst damit legt man sich eine eindeutige Identität im Raum der Schalter zu, wird zur Nummer und dadurch erst wichtig und wahrgenommen.
Das ist auf der Post in Brugg eine akzeptierte, kaum kommentierte, nicht einmal als lästig empfundene Handlung, sicher kein Spiel.
Hier in San Martin ist das anders. Fast überall findet man die Abreissrollen, von der Bank bis zur Fleischabteilung im supermercado, vom Schreibwarengeschäft bis zur Eisdiele. Und oft noch clever versteckt. Mehr als einmal bin ich, voll guten Mutes meinen Wunsch einigermassen klar auf Spanisch äussern zu können, forsch zum Ladentisch geschritten. Noch bevor ich das erste Wort aussprechen konnte, blickte mich der Verkäufer schon verständnislos, alle anderen Kunden leicht erstaunt an. Manche hatten sogar eine Art Selbstverteidigungshaltung angenommen. Erst als irgendeiner mit seinem Papierfetzchen wedelte, wusste ich, dass ich auf dem falschen Feld stand: zurück zum Start! Aber wo bekomme ich meine Kundenidentität? Nach intensiver Suche finde ich die Rolle hinter der Eingangstüre...
Also hinten anstellen.
Ok, man lernt und das braucht Zeit. Meist handelt es sich dabei um fünf, zehn Minuten. Es kann aber auch ausarten, "entarten". Wie heute morgen zum Beispiel. Schon kurz nach dem offiziellen Beginn des Dienstbetriebes war ich beim Registro Civil um eine Identitätskarte zu beantragen. Schon zehn Leute vor mir? Wo ist die Rolle? ich kann sie einfach nicht finden. Von dem, der nach mir kommt, lerne ich wie's hier funktioniert: " Guten Tag, wer ist der Letzte?" Als sich niemand meldet, begreife ich, was er will: das bin ja ich. Also tatsächlich ohne Zahlenspiel? Warum hält dann mein Gegenüber so eine Marke in der Hand? Kaum hat er seine Audienz hinter sich, rennt er wie der Teufel die Treppe hinunter, hält seine Nummer hoch und stammelt was von "Banca Provincial".
Als ich dran bin, lerne ich wieder dazu: zu all den Formularen, Bestätigungen, Kopien und Passfotos brauche ich jetzt noch den Nachweis über eine bezahlte Stempelgebühr. Und die gibt's bei der Bank. Wo man natürlich erst zu einer Nummer werden muss. Ich renne also wie der Teufel die Treppe hinunter und rüber zur Bank, wo ein paar Leute vor der Türe stehen. Ich versuche mich vorbei zu drängen um an die Rolle zu kommen und sehe schon wieder diese eindeutige Abwehrhaltung um mich herum. Was soll denn das? Ich hole mir doch meine Nummer, und da vorne ist die Rolle...? Dann wird mir klar: die stehen hier an um sich ihre Nummer zu ziehen! Dios mios!
Als ich den Fetzen in der Hand halte, lese ich 361. Und oben an der Anzeigetafel steht 121- und an der Tür hängt ein Hinweis: ab 11Uhr geschlossen, wegen Stromabschaltung.
Die Rechnung ist schnell gemacht: 240 Kunden auf 6 Schalter in 90 Minuten - algo imposible!
Als ich mich wieder hinaus dränge, hält mir ein Alter mit listigen Augen erst eine Nummer entgegen - 237 - und dann, mit verlegenem Schulterzucken, seine andere Hand. Aha! hier gibt's Zeit zu kaufen! Und weiter hinten, wird eine Bank- gegen eine Metzger-Nummer getauscht, und dort drüben um eine Zahl in den hohen einhundertern gepokert...so sieht's jedenfalls aus. Zahlenspiele eben. Für heute habe ich genug davon.
Also ab ins Cafe.
Planes and Buses (wine in..)
Let's see: one suitcase of 50 lbs, the other one close to 60 that's 110lbs right there, then the huge bag with videocam, wide angle lens, 2 batteries, mic, cables, etc... that was the "carry on", plus my backpack, aka "personal item" holding - or hiding - my laptop, the Nikon, a couple of books, the Spanish dictionary and all that additional stuff like chargers, change, how many? ounces of eau de drinking and eau de smelling,...well, that adds up!
I paid an extra 100$ - only because I travelled via Atlanta, on Delta. Without the stopover in the USA, anything exceeding a 45lbs suitcase and a small beauty case would have been way beyond my financial reach. Yes, I read the fine print...
And I have to say: Delta was a pleasant surprise, really. Reasonable service, we got one, no: two, bottles of red wine for free - to "compensate" for a 30 minute delay on take off. This was the second time that happened to me this year - the delayed take off (last time, on my way to Denver we took off 4 (four!) hours late - on American) and the free drinks. The first I didn't mind, because my layover in ATL was scheduled to be 6 hrs anyway, the second quite agreeable.
Allright, Delta was most likely not responsible for my even more "agreeable" travel compañera.
Quite relaxed I continued at 8pm towards South America, night flight to BsAs. Tired as I was it took only a couple of sips from the Malbec - free again for some reason - and I fell into a doze-sleep, lasting a couple of hours.
I woke up right in time for sunrise.
Right in time, too, so that my new compañero de viaje, a decathlete of the Argentinian track and field team, could explain in necessary detail, where to best change the first traveller cheque and where to find the cheap "micro" (shuttle) to the huge bus terminal downtown.
Everything's cool!
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In Argentina, buses are the most popular and - for all those who cannot afford a First Class airline ticket - the by far most comfortable means of transportation.
I had realized that about a year ago, when I took the overnight bus from Mendoza to San Martin de los Andes. Consequently, I was really looking forward to the 20 hr trip. After all, there was a "Tutto Letto", a fully reclining seat-bed, waiting for me.
Right on time we departed at 4 pm. Five hours later dinner was served, then a whisky for digestion and a movie to fall asleep with.
When I woke up, another movie was flickering across the screen - or was it not? Wait a minute, these shots seemed familiar somehow, was I still dreaming?
Wasn't this right out of "Diarios de motocicleta" ?
And the dawn - exactly like in the movie!
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Oops, the pothole certainly was real reality!
Just before noon we arrived in San Martin, again right on time.
After 60 hrs of travelling I was still reasonably fit. Fit enough, anyway, so that Gustavo's overwhelming welcome hug didn't bring me to my knees.
At home, Claudia had already prepared a sumptuous lunch and one of her cabañas to crash after a last glass of wine from Gustavo's well stocked wine cellar.
I almost felt like the lost son - obviously, I had found(again) my Patagonian family.
" How good is your Spanish? "
Heute ist mal wieder ein Tag, an dem man sich in den Ort, die Gegend verlieben könnte. Schon der erste Blick aus dem Fenster brachte die Patagonia-Hormone auf Trab: vom Blassrot im Osten bis zum matten Schwarzblau in Richtung See hatte der Himmel einen Farbverlauf aufgelegt, der jeden Photoshop-Artisten zur Verzweiflung bringen würde. Die Nikon brauchte ich da garnicht erst zu bemühen. Aber durch das Auge konnte ich mir die Lust auf den Tag im Megapack rein ziehen.
Neulich, ja, da war das Morgenlicht digital kompatibel und, verglichen mit meiner Brugger Sicht auf Parkplatz vor und Parkplatz hinter der Strasse, von einer anderen Welt.
Blick aus dem Küchenfenster, 14.Oktober, fünf vor halb acht
Die Wolken haben sich dann später noch aufgelöst.
Das Besondere an diesem Tag war aber nicht das Wetter - ich hatte vielmehr mein erstes Job-Interview!
Und das kam so:
Kurz vor meiner Abreise hatte ich noch einen überraschenden Anruf aus San Martin bekommen. Ganz aufgeregt hatte mir Claudia von einer neuen Wohnmöglichkeit berichtet: ich könnte während der Nebensaison als "Hausmeister-Ersatz", sprich Präsenz ohne Verpflichtungen, ein kleines "Boutique Bed&Breakfast" an spektakulärer Lage hoch über dem Lago Lacar "betreuen" und würde dafür gratis in einer kleinen Wohnung im Teehaus unterkommen. Warum nicht? schliesslich waren die Aussichten in der Gegend der siete lagos eine der Attraktionen, weswegen ich mich auf den Weg gemacht hatte.
Da ein vorgesehener Kontakt mit dem Generalmanager des B&B in Buenos Aires nicht zustande kam, nahm ich die erstbeste Gelegenheit war und fuhr mit Clau und Gus zu einem Lokaltermin auf verwegenen Pfaden in die Berge hinauf.
Ja, die Aussicht war tatsächlich einmalig - die auf See, Berge, Himmel.
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Drehte ich mich aber vom Fenster weg, war sie alles andere als berauschend. Eine Matratze auf dem Boden, davor auf einem kleinen, alten Tisch ein neuer, grosser Fernseher. Daneben stand noch so ein elektrischer Heizkörper herum und vor dem Aussichtsfenster ein Stuhl.
Das als eine premanente Residenz für zwei, drei Monate? Konnte ich mir nicht vorstellen, trotz der gratis-Zusatzleistungen wie Mitbenutzung der Teehaus-Küche (klassische Muskelkraft-Küche im Pionierstil der Dreissiger Jahre mit grossem Holz- und kleinem Gasherd), der Teehaus-Bar und des Teehaus-Salons.
Um nicht der Wucht des ersten Eindrucks zu erliegen haben wir dann im Salon einen Tee getrunken und die Choco-Coco Torta probiert: einfach köstlich! Dafür würde - und werde - ich jederzeit die Anfahrt über 5km Gebirgspfad in Kauf nehmen. Aber hier "wohnen"??
Ganz konnte ich mich aber der Magie des Ortes nicht entziehen. Als Schreib- oder Kreativstudio wäre die Stube absolut unschlagbar. Warum also nicht zwei, drei mal pro Woche dort oben nach dem Rechten sehen, eventuell auch übernachten, und anderswo wohnen? Dies wollte ich dem Señor director vorschlagen und sagte einem "Interview" zu, als er am folgenden Wochenende zu einer Stippvisite in San Martin einflog. Unsere Unterhaltung bei Kaffee und Brownies (dazu mehr später) wickelten wir auf Englisch ab, um sicher zu stellen, dass sich keine Missverständnisse mit unbeabsichtigten Konsequenzen einschlichen. Schnell stellte sich heraus, dass Señor vom Zustand des "Resort" und der Arbeitsmoral des Personals eher unangenehm überrascht war. Und dass deswegen ein passiver Hausmeister nicht genügen würde. Hier wurde ein full time manager benötigt. Die entscheidenden Fragen waren: würde ich das wollen, würde ich mir das zutrauen? die Antworten einfach und klar: Nein ! Ich wollte mich, mit all meinen kreativ-Ideen im Hinterkopf, nicht jetzt schon so fest binden und hielt diese Haarnadelkurve vom Physiker zum Hotelmanager für etwas zu scharf. Die dritte Frage musste ich dann wohl eher protokoll-halber beantworten: "And how good is your Spanish?"
Wir verabschiedeten uns, versprachen aber in Kontakt zu bleiben. Es gab da nämlich etwas, wo er und ich uns eine Zusammenarbeit gut vorstellen konnten. Als bei meinem Besuch im Teehaus mit der grandiosen Aussicht die Wirkung von Tee und Torte langsam nachgelassen hatte, war so etwas wie ein Freiraum für andere Genüsse entstanden und ich hatte bemerkt, dass mein fünfter Sinn vollkommen unbeteiligt geblieben war. Jetzt die passenden Töne, das wäre genial! Ich konnte mir gut vorstellen, wie man dort bei und nach sunset einen rundherum genussvollen Jazz-Abend inszenieren würde. Und um "Take the A-Train" oder "Monkery's the Blues" oder einen Bossa Nova von Joe Henderson anzukündigen "...is my Spanish already good enough".
Angekommen, aber wo?
Kein Wunder, bin ich doch in den ersten Tagen kaum mit dem Erleben nachgekommen.
Wo war ich da eigentlich angekommen?
Im Frühling ?
Auf einer Spielwiese des Klimawandels ?
In den frühen Siebzigern?
Das Spektrum der Eindrücke war riesig, kein Wunder, dass es etwas länger dauerte, bis ich sie verarbeitet hatte, sie halbwegs zum ersten Bild meines Wohnsitzes südlich des Equators zusammengesetzt hatte. Klar, ich "kannte" den Ort. Durch die Brille eines Dauer-Aufenthalters sah aber einiges anders aus als durch die eines Besuchers.
Frühling: Die "Bläi", wie die Blütezeit auf gut fränkisch heisst, war zwar schon in vollem Gang, Flieder, Löwenzahn, der eine oder andere Obstbaum und vieles Einheimische blühte schon wild drauf los, die Temperatur liess sich allerdings von ihnen nicht zum Mitmachen animieren. Hin und wieder überraschte ein Tag mit fast vorsommerlicher Wärme und die Sonne, ungestört durch Dunst und Dreck, schaffte es dann rapidamente durch den UV20 Blocker. Aber das sind noch die Ausnahmen und man fragt sich hier schon, ob der primavera dieses Jahr ausfällt.
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Freilich, wenn das Wetter auf schön macht, dann aber mit voller Pulle. Mein zweiter Sonntag war so ein Supertag. Perfektes Timing, denn das war auch der Saisonausklang oben am Cerro Chapelco, dem Skigebiet. Aus Neugier und Lust auf Höhe bin ich rauf gefahren.
Oh well! Die allerletzte Abfahrt, das Sommerwedeln im T-shirt auf dem Gletscher war nie mein Ding. Schifahren ist Wintersport für mich, je mehr Weiss umso besser. Und hier? Das sah alles nach klimaverwandeltem Horrorszenario aus: die einigermassen Unentwegten schlurften in voller Montur mit Ski oder Snowboard unterm Arm durch den eingestaubten Parkplatz zur Poma-Gondel. Die total Unentwegten standen Stunden später plötzlich auf dem letzten Schneefleck hundert Meter oberhalb der Talstation. Wie sie es von dem noch halbwegs weissen Hang ganz oben bis hierher geschafft hatten blieb ein Rätsel.
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Ohne Ski war ich frei für eine andere Sicht der Dinge und konnte meine neuen Objektive ausprobieren.
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Auf der Fahrt zurück muss ich durch einen Zeittunnel gerauscht sein. Plötzlich waren nur noch die Unter- und Mittelklasse-Karren der späten Sechziger und frühen Siebziger auf der Strasse. Nicht die auf Oldtimer zurecht gemachten Concours-Preziosen, nee, die Kisten, die mir da entgegen kamen, konnten ihr Alter nicht verleugnen. Renaults von R4, natürlich mit Spoiler und zwei riesigen Auspuffrohren, bis zum R12 in allen Varianten der Modifikation. Dazwischen ein heisser Fiat 600, ein Ford Taunus und der Hippie-King, ein VW Bus.
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Aber das war ja alles topmodernes Gerät verglichen mit dem hier!
..und der war sogar zu verkaufen!
Für die Wahl meines Autos eröffneten sich da ganz unerwartete Optionen und Erinnerungen an die Autobastel-Weekends während der Studentenzeit wurden wach: kann ich noch die Zündung einstellen, den Vergaser tunen, den Keilriemen wechseln,..??
farewell
The more I put away, the more lies around - the emptier it looks, the more I see - the more I tick off, the more pops up - the longer I work, the more remains to be done - ...
Herakles had a similar problem with the Hydra: for each head he cut off two more grew back !
For my situation, however, his story can't offer a practical solution. In a condo, scorching what's left is likely to create more problems than it solves!
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Instead: one more trip to the dumpster, another load of "keep-it-stuff" to be taken to the studio. And in between: organize the farewell party, cancel the last subscriptions, pay the last ( don't I wish!) bills, put the last laundry in, oh, I almost forgot: pack the suitcases - but then: what do I wear when everything is either stored, packed, disposed off, given away, or in the machine, with the dry cleaners or, unfortunately, lost ?
Sounds just like the chicken and egg problem in reverse: not which was first, but what can go last...
Well, I made it, of course - else I wouldn't be able to write about it.
During the farewell party I was able to hand off most of my 'scheduled' good-bye's personally and collect all wishes for a successful launch of my Argentinian adventure.
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Well, and then it was time to leave.
The gods must have been smiling on me. Just when needed the appropriate angels showed up. The last one, called Andi, appeared at 6am in a Volvo to take me and 150lbs of luggage to the airport.
A last glance to the Swiss sky, which had it written all over: all tracks are heading south !
The idea
popped up while I was visiting old acquaintances.
Claudia and Gustavo had invited me to come down to San Martin de los Andes after our MWP (Mountain Wave Project) Expedition to Mendoza and the Aconcagua region in the fall of 2006 had ended (look for some english pages in my blog there).
Eight years ago our MWP team had stayed with them during our first ground (or "wave"..?) breaking expedition to the Argentinian Andes.
So one Friday evening about a year ago I boarded the overnight coach and rode it down south to northern Patagonia.
The spring sunshine, the scent of fresh blossoms, the cafecito in a chocolateria, after the intense weeks in Mendoza it was the laid back between-the-seasons atmosphere in San Martin, which helped me wind down in a hurry. A clear sky, wide open spaces and vistas invited eyes - and mind - to roam freely.
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During a chat with Claudia and her friends over one more cafe cortado, my thoughts suddenly latched onto an interesting question: how about spending a longer period of time here, at the shores of beautiful Lago Lacar? life is cheaper than back home, the scenery much more spectacular, the sky, well, much more alive. That much was obvious. But there was more: I couldn't get rid of the feeling that life here seemed to be more dynamic, offering more options. I smelled pioneer spirit, became intrigued.
A wild brainstorm kept me awake most of the following night. And the next day I saw my castle in the air, a house, in which I would have loved to live. Dios mio!
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20 hours later I started the 50hr trek back to Switzerland. How long would
this seductive idea, to spent one year, two, or more in San Martin, survive in the daily routine and comfort of my life in Brugg?
60 Stunden mit 70 Kilo
Wenn ich allerdings an die Schlepperei durch das Busterminal in Buenos Aires denke, würde ich vermuten, dass es mindestens 100 kg gewesen sein müssen.
Also gut: ein Koffer mit 23, einer mit 26, macht zusammen schon mal fast 60kg, dann noch die Tasche mit meiner Video-cam, incl. Weitwinkelvorsatz, 2 Batterien, etc. als carry-on und der Rucksack, ich meine das "personal item", mit laptop, der Nikon, ein paar Büchern, dem Spanischlexikon und all dem zusätzlichen Ramsch wie Ladegeräte, Kleingeld, soundsoviel Unzen Trink-und Duftwasser, das leppert sich eben.
100 $ extra hat mich das gekostet, aber nur weil ich via Atlanta geflogen bin, mit Delta. Ohne den Zwischenstopp in USA wäre alles jenseits von einem 20kg-Koffer und einem Rucksack unbezahlbar gewesen. Jaja, das Kleingedruckte...
Und ich muss sagen: Delta hat mich überrascht - positiv! War wirklich ganz ok, vernünftiger Service, ein Fläschchen Roten haben sie uns geschenkt - nee, sogar zwei - weil wir 30Minuten Verspätung beim Abflug hatten. Ist mir jetzt schon zum zweiten mal passiert, das mit der Verspätung (das letzte Mal nach Denver waren es sogar 4 Stunden) und das mit dem Rotwein. Das erstere war mir egal, da ich in ATL sowieso 6 Stunden Wartezeit hatte, das zweite ganz angenehm.
Na gut, für die nette Sitznachbarin konnte Delta wahrscheinlich nichts.
Ziemlich entspannt ging's dann in Atlanta um 8 pm local weiter, Nachtflug nach BsAs. Müde genug war ich, der Malbec - schon wieder gratis! auch wieder wegen irgendwas - hat dann noch etwas nachgeholfen und so konnte ich tatsächlich ein paar Stunden dös-schlafen. Rechtzeitig zum Sonnenaufgang war ich wieder wach.
Rechtzeitig auch, um mir von meinem companero de viaje, einem Zehnkämpfer im argentinischen Leichtathletik-Team, die beste Bank für den ersten Geldwechsel und die billigste Verbindung von Flughafen zum Busbahnhof empfehlen zu lassen.
Läuft ja alles bestens!
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BsAs Retiro Busterminal
Busy buses
Busse sind in Argentinien das populärste und für alle, die sich die First Class im Flieger nicht leisten können, auch das bei weitem komfortabelste Verkehrsmittel. Das hatte ich schon letztes Jahr auf der Fahrt von Mendoza nach San Martin de los Andes gelernt. Dem 20 Std. Trip sah ich also mehr als gelassen entgegen. Ja, ich konnte die Abfahrt kaum erwarten, schliesslich wartete ein "Tutto Letto", ein voll ausfaltbares Liegesitzbett, auf mich.
Pünktlich wie die (Schweizer) Eisenbahn ging's um 16:00 los, 5 Stunden später gab's Abendessen, einen Whisky zum Verdauen und ein Movie zum Einschlafen.
Als ich aufwachte lief schon ein anderer Film - ..?
Moment mal, diese Szene kam mir doch bekannt vor, träume ich etwa noch..? "Diarios de motocicleta", oder so ähnlich hiess das doch. Und die Morgendämmerung, genau wie im Kino!
Nur, oops, das Schlagloch war ungeschönte Realität.
Das Licht über der Pampa allerdings auch.
Kurz vor Mittag waren wir dann - immer noch pünktlich - in San Martin. Knapp 60 Reise Stunden lagen hinter mir. Offenbar war ich aber noch einigermassen fit, sodass es Gustavo nicht schaffte, mich mit seiner herzlich-stürmischen Begrüssungsumarmung in die Knie zu zwingen.
Zuhause hatte Claudia für mich schon eine ihrer cabañas vorbereitet und das Mittagessen auf dem Tisch - ich kam mir fast so vor wie der verlorene Sohn, hatte offenbar meine argentinische Familie (wieder) gefunden.
Abbruch, Abschied und Aufbruch
Je mehr ich wegräume, desto mehr bleibt übrig - je leerer es aussieht, desto mehr steht herum - je mehr ich abhake, desto mehr kommt hinzu - je länger ich arbeite, desto mehr gibt's zu tun - ...
Dem guten Herakles passierte sowas ähnliches mit der Hydra: je mehr Köpfe er abschlug, umso mehr wuchsen nach!
Für meine Situation kann seine Geschichte allerdings keine Lösung anbieten: den Rest auszubrennen schafft in einem 3 Zimmer-Appartment mehr Probleme als es löst!
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Bleibt also nur der nächste trip zur
Abfallmulde, der nächste Transport von "keep-it
stuff" ins Studio. Und dazwischen die Organisation
des Abschieds-Apero, das Kündigen der letzten Abos,
Bezahlen der letzten (denkste !!) Rechnungen, Waschen
der letzten Hemden, ach ja: Koffer packen muss ich
auch noch und wo, womit, wovon lebe ich denn
eigentlich, wenn alles irgendwo verpackt, verstaut,
ver- oder entsorgt und zum Teil auch verloren ist?
Kommt mir vor wie das "Huhn oder Ei" - Problem im
Rückwärtsgang, nicht: was war zuerst da, sondern: was
kann als letztes weg...
Ich hab's geschafft, klar - sonst würde ich jetzt
nicht davon schreiben.
Beim Apero konnte ich die meisten meiner geplanten
good-bye's persönlich an den Mann und die Frau
bringen, all die guten Wünsche für das Gelingen
meines "kleinen Abenteuers" selbst einsammeln.
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Ja, und dann ging's tatsächlich los!
Die Götter müssen es gut mit mir gemeint haben. Im
richtigen Moment kamen jedenfalls all die Engel, die
ich gebraucht habe. Der letzte hiess Andi und tauchte
kurz nach 6 Uhr morgens auf um mich samt 70kg Gepäck
zum Flughafen zu bringen.
Der letzte Blick an den Schweizer Himmel, der die
Zeichen schon gesetzt hatte: alle Spuren zeigen nach
Süden !
Die Idee
..kam mir bei einem Besuch.
Der Besuch folgte auf eine Einladung.
Die Einladung schickten Bekannte.
Die Bekannten hatte ich vor acht Jahren kennen gelernt.
Vor acht Jahren hatte ich sie nämlich besucht.
So schliessen sich manchmal Kreise.
Am letzten Tag unserer letzten MWP (Mountain Wave Project) Expedition im Herbst 2006 in Mendoza, Argentinien, (die stories dazu hier) setzte ich mich also in den Nachtbus und fuhr nach San Martin de los Andes. Dort hatten wir vor eben acht Jahren die erste MWP Expedition durchgeführt und waren dabei in der Hosteria von Claudia und Gustavo untergekommen. Und als Claudia hörte, dass wir wieder mal im Land sein würden, lud sie mich kurzerhand ein.
Und ich sagte kurzentschlossen zu.
Die Frühlingssonne, der Fliederduft, der cafecito in der chocolateria - nach den aktiv-engagierten Wochen in Mendoza nahm San Martin meiner täglichen Routine erstmal kräftig Wind aus den Segeln. Und schaffte mit seinem blank geputzten Himmel, mit der Weite - und Leere - seiner Landschaft einen Freiraum, in dem nicht nur der Blick, sondern auch die Gedanken unbeschränkt umherschweifen konnten.
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Während einer Kaffeeplauderei mit Claudia und ihren Freunden blieben sie (die Gedanken) urplötzlich bei einer interessanten Frage hängen: warum nicht mal längere Zeit hier bleiben? das Leben ist billiger als zuhause, die Landschaft spektakulärer, der Himmel wilder - das war offensichtlich. Da war aber noch was anderes: ich wurde das Gefühl nicht los, dass hier irgendwie viel mehr möglich sei. Es schmeckte nach Pioniergeist, zumindest schien es meinen zu stimulieren. Es folgte eine lange Nacht wilden brainstorms. Und am nächsten Tag sah ich dann das "Luftschloss", in dem ich nur zu gern residieren würde. Dio mio !
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20 Stunden später begann ich den langen Trek zurück in den Aargau. Ob - und wie lange - würde die verführerische Idee im Brugger Alltag überleben?