Im Flow - der Tagesrhythmus
17/11/07 14:14 Filed in: Segunda Vida
Im "Flow" des Lebens - der Tagesrhythmus
Die Tage vergehen schnell, wenn man Nummer 127 in einer Schlange ist und jede Seite des Reisepasses in dreifacher Kopie braucht. Oder zwei Zeugen, die bei der Polizei versichern, dass man tatsächlich irgendwo wohnt, damit man von dem mit den buschigen Augenbrauen und dem störrischen Schnurrbart endlich die confirmacion domicilio erhält. Mit der man sich dann beim Registro Civil um das "Dokument nationaler Identität" (DNI) bemühen kann, vorausgesetzt, man hat vorher bei der Bank... aber das habe ich ja schon beschrieben.
Die hohe Kunst des "Erledigens" solcher Aufgaben liegt nun darin, all die Schalter, Büros, Kassen, Geschäfte und Terminkalender notwendiger Personen in einer halbwegs effizienten Reihenfolge in den argentinischen Business-Tag einzufädeln.
Der hat einen mañana (den Vormittag, nicht den unendlichen nächsten Tag), so von 8 oder 9 bis etwa 12 oder 1Uhr und einen tarde, der zwischen 4 und 5 beginnt und bis 8 oder 9 am Abend dauert. Manche Geschäfte haben aber auch bis 10Uhr geöffnet. Ungefähr genau so...
Das kann man leicht falsch verstehen: es ist nicht so, dass sich jeder jeden Tag auf's Neue entscheidet, wann er nun arbeiten will. Festgelegt haben sie sich alle, nur ist es für den Fremdling schwierig vorher zu sagen, was den nun wahrscheinlich an irgendeinem bestimmten Tag überhaupt und wenn, dann von wann bis wann geöffnet hat. Im 'vida comercial' scheint es da -weltweit ? - nur eine Konstante zu geben: die Friseure, coiffeurs, hairdresser, peluqueros haben einfach am Montag "Ruhetag", basta! Banken sind hier nachmittags geschlossen, machen dafür am Morgen schon um 8 auf, wenn alle, die nicht gerade bei der Administration angestellt sind - da geht die Tür um halb neun auf -, noch im Tiefschlaf liegen. Das Abendessen gibt's hier nämlich frühestens ab 9 - und gegen 10 haben die Restaurants Hochbetrieb. Dann noch zur Eisdiele, heim zu Sportschau und seriales (Seifenopern), ein bisschen tratschen, da wird es oft mal eins oder zwei. Und am Morgen dann entsprechend später.
Hat man das oben erwähnte Beispiel "DNI" dann mit Bank, Behörde und Bekannten optimal getimed, schafft man es vielleicht in 2 Tagen, absolutes Minimum.
Solange man keinen Vollzeitjob hat (den es ja eigentlich garnicht geben, kann: jeder muss mal zur Bank, vorallem weil es sowas wie Einzugsverfahren nicht gibt, alle Rechnungen persönlich bezahlt werden), öffnet das auch Freiräume: bis X aufmacht, meine Nummer bei Y an der Reihe ist, kann ich ja noch schnell einen cafecito nehmen, meine emails runterladen, ein paar Fotos schiessen,...
Also werfe ich mir zu allen meinen Dienstgängen den Rucksack mit powerbook und Nikon über und werde damit langsam aber sicher zu einem festen Bestandteil im "Stadt"-Bild: der mit dem mochila über der Schulter und der 'digital' am Handgelenk...
Downtown fasziniert mich das, was fehlt. In einem Touristenort, der zur Hochsaison aus allen Nähten platzt, erwarte ich keine Baulücken, Ruinen oder Waldhütten an bester Lage. Irgendetwas verstehe ich da noch nicht, vorallem, wenn ich bei meiner Wohnungssuche immer höre, dass der Markt für Langfrist- (mehr als nur Tage, Wochen..) Miete leergefegt ist. Es muss also jede Menge Bedarf für mehr Wohnraum geben, oder?
- - -
- - -
Ist es dann mal überraschend schnell gegangen mit den Stempeln und ich bin noch voller Tatendrang wieder in meinem Vorort angekommen, tausche ich laptop gegen Weitwinkel und steige hinter meinem Häuschen hinauf ins Quartier am Hang.
- - -
Zu Villen, Burgen, Schlössern und Aussicht auf Berg und Tal
- - -
Die Tage vergehen schnell, wenn man Nummer 127 in einer Schlange ist und jede Seite des Reisepasses in dreifacher Kopie braucht. Oder zwei Zeugen, die bei der Polizei versichern, dass man tatsächlich irgendwo wohnt, damit man von dem mit den buschigen Augenbrauen und dem störrischen Schnurrbart endlich die confirmacion domicilio erhält. Mit der man sich dann beim Registro Civil um das "Dokument nationaler Identität" (DNI) bemühen kann, vorausgesetzt, man hat vorher bei der Bank... aber das habe ich ja schon beschrieben.
Die hohe Kunst des "Erledigens" solcher Aufgaben liegt nun darin, all die Schalter, Büros, Kassen, Geschäfte und Terminkalender notwendiger Personen in einer halbwegs effizienten Reihenfolge in den argentinischen Business-Tag einzufädeln.
Der hat einen mañana (den Vormittag, nicht den unendlichen nächsten Tag), so von 8 oder 9 bis etwa 12 oder 1Uhr und einen tarde, der zwischen 4 und 5 beginnt und bis 8 oder 9 am Abend dauert. Manche Geschäfte haben aber auch bis 10Uhr geöffnet. Ungefähr genau so...
Das kann man leicht falsch verstehen: es ist nicht so, dass sich jeder jeden Tag auf's Neue entscheidet, wann er nun arbeiten will. Festgelegt haben sie sich alle, nur ist es für den Fremdling schwierig vorher zu sagen, was den nun wahrscheinlich an irgendeinem bestimmten Tag überhaupt und wenn, dann von wann bis wann geöffnet hat. Im 'vida comercial' scheint es da -weltweit ? - nur eine Konstante zu geben: die Friseure, coiffeurs, hairdresser, peluqueros haben einfach am Montag "Ruhetag", basta! Banken sind hier nachmittags geschlossen, machen dafür am Morgen schon um 8 auf, wenn alle, die nicht gerade bei der Administration angestellt sind - da geht die Tür um halb neun auf -, noch im Tiefschlaf liegen. Das Abendessen gibt's hier nämlich frühestens ab 9 - und gegen 10 haben die Restaurants Hochbetrieb. Dann noch zur Eisdiele, heim zu Sportschau und seriales (Seifenopern), ein bisschen tratschen, da wird es oft mal eins oder zwei. Und am Morgen dann entsprechend später.
Hat man das oben erwähnte Beispiel "DNI" dann mit Bank, Behörde und Bekannten optimal getimed, schafft man es vielleicht in 2 Tagen, absolutes Minimum.
Solange man keinen Vollzeitjob hat (den es ja eigentlich garnicht geben, kann: jeder muss mal zur Bank, vorallem weil es sowas wie Einzugsverfahren nicht gibt, alle Rechnungen persönlich bezahlt werden), öffnet das auch Freiräume: bis X aufmacht, meine Nummer bei Y an der Reihe ist, kann ich ja noch schnell einen cafecito nehmen, meine emails runterladen, ein paar Fotos schiessen,...
Also werfe ich mir zu allen meinen Dienstgängen den Rucksack mit powerbook und Nikon über und werde damit langsam aber sicher zu einem festen Bestandteil im "Stadt"-Bild: der mit dem mochila über der Schulter und der 'digital' am Handgelenk...
Downtown fasziniert mich das, was fehlt. In einem Touristenort, der zur Hochsaison aus allen Nähten platzt, erwarte ich keine Baulücken, Ruinen oder Waldhütten an bester Lage. Irgendetwas verstehe ich da noch nicht, vorallem, wenn ich bei meiner Wohnungssuche immer höre, dass der Markt für Langfrist- (mehr als nur Tage, Wochen..) Miete leergefegt ist. Es muss also jede Menge Bedarf für mehr Wohnraum geben, oder?
- - -
- - -
Ist es dann mal überraschend schnell gegangen mit den Stempeln und ich bin noch voller Tatendrang wieder in meinem Vorort angekommen, tausche ich laptop gegen Weitwinkel und steige hinter meinem Häuschen hinauf ins Quartier am Hang.
- - -
Zu Villen, Burgen, Schlössern und Aussicht auf Berg und Tal
- - -