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Sie liebt mich....


Sie liebt mich nicht...
Sie liebt mich...


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Anstatt Blätter aus der Blüte zu zupfen um den Stand ihrer Zuneigung zu bestimmen lege ich vorsichtig Haar um Haar von links nach rechts über die kaum sichtbare Linie, die mal mein Scheitel war.

Vor drei Monaten war das noch unmöglich. Die längsten Stoppel waren 5mm, präzise getrimmt von Javier's Haarschneide-máquina.
Dann fragte sie mich eines Abends:" Wo ist eigentlich Dein Haar? Lass' es mal wachsen, ich will da mal hineinlangen!"

Wie bitte?

Ok, weiblicher Charme schaffte mich - aber erst als ich Agustina zu einer Stimulationsmassage überredet hatte, mit der sie die schlummernden(?) Wachstumsprozesse heraus fordern sollte.

Nach sechs Wochen gab's den ersten kritischen Kommentar, aus berufenem Mund: " Das steht Dir, aber da fehlt noch viel..."
Die Stimmen einer impromptu Jury aus alten Abiturkollegen zwei Monate später klangen indifferent - bestenfalls! - womöglich weil das stilbewusste weibliche Element fehlte?

Es muss der Zeitraffer-Effekt gewesen sein, der dann plötzlich den Durchbruch brachte.
"Que bueno!" war die Begrüssung, als ich nach meiner Reise wieder in den sozialen Zirkel eintrat.
"Carito war auch ganz weg, viel jünger, attraktiver siehst Du aus... und Celi, Josefina, Damasia, alle sind begeistert!"


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Ich komme mir vor wie eine verzweifelte Kopie eines alternden Rockstars und mein Fan-Club ist aus dem Häuschen?
Was geht da ab?

Könnte mir eigentlich egal sein, die Damen sind alle unter 40, sind alle Argentinierinnen, fahren also voll auf das Wichtige ab: cooles Aussehen, cooler Kopfschmuck, vor allem....

Gewissse Zweifel am Schmeichelfaktor von Veronica et al kommen mir allerdings immer beim Rasieren, wenn ich die neue spärliche Pracht so nahe im Spiegel vor mir sehe - und mich dann an die leicht ironisch schmunzelnden Blicke und Gesten von Maggie, Melanie und Christina in Zürich erinnere.

Drei Gin Tonic's in relaxtem Ambiente brachten mich schliesslich der Erleuchtung näher - oder besser: der Ernüchterung.
Hinter den Komplimenten steckten keine geheimen patagonischen Sexualphantasien, die mit der Anziehungskraft eines wild bezottelten Wolfs spielten. Es war viel banaler, leider: einmal mehr kam der kulturell-historische Hintergrund ins Spiel.
" Kurze Haare, ordentlicher Schnitt, präziser Scheitel, das sind die Militärs, die Quadratschädel! Niemand will mit solchen Köpfen was zu tun haben; die hacken dir doch nur die Finger ab wenn du mit ihnen durch ihre Bürstenhaare fährst!" klärt mich Agu auf und testet meine Strähnen.

Das alte Trauma!!

In den Massakern der Todesschwadronen der Militärjuntas vor allem gegen die linke Opposition in den sieben Jahren nach 1976 "verschwanden" über 30 Tausend Menschen, verdächtig war man schon wenn man einen Bart trug...

Das kann niemand vergessen, daran will aber auch niemand dauernd erinnert werden.

Kein Wunder, dass sich da Sympathien für eine andere Haartracht entwickeln.
Die einzige Gruppe, die sich auch hier mehr am internationalen "Standard" orientiert als an Assoziationen zur jüngsten Geschichte, ist die der Architekten und Vernissagen-Hüpfer: glattrasiert und schwarz von Kopf bis Fuss, weltweit geforderter Muss-Dress der "Kreativen".

Ich werde also Javier und seine 5mm máquina noch etwas warten lassen und mir im Gegenzug lieber noch ein paar Stimulationsmassagen verpassen lassen!

Liebt sie mich nun... oder nur mein Haar?